AkR-Jahrestagung in Frankfurt

Gestern tagte auf dem mediacampus in Frankfurt am Main der Arbeitskreis Ratgeberverlage (AkR), um sich in diesem Rahmen über neue Entwicklungen zu informieren und auszutauschen. Das beherrschende Thema bleibt die Frage nach den Auswirkungen der zunehmenden Bedeutung des Internet und des digitalen Lesens.

Nachdem am Abend zuvor ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo in einem Vortrag zur Eröffnung des Treffens im Frankfurter Literaturhaus vor kleinem Publikum noch betonte hatte: „Print gewinnt“, widmete sich der Kreis gestern vor allem der Frage, wie Printinhalte mit digitalen gekoppelt werden könnten.

Dr. Nadja Kneissler begrüßte die Anwesenden

„Es sind und bleiben die selben Themen“, betonte der Geschäftsführer des Verleger-Ausschusses im Börsenverein, Rolf Nüthen (Foto), denn auch in seinen einleitenden Worten. Während man aber noch vor zwei Jahren vor der wachsenden Bedeutung des Internets „wie die Fliegen vor der Spinne gesessen habe“, sei der Umgang mit den Veränderungen heute wesentlich ruhiger, fügte die Vorsitzende des AkR Dr. Nadja Kneissler (Foto) hinzu.

Um den allgegenwärtigen Scheren im Kopf zu entkommen, ist es von großer Bedeutung, dem Nachwuchs zuzuhören. Vor diesem Hintergrund war Klaus-Wilhelm Bramann, Verleger und Dozent an den Schulen des Deutschen Buchhandels, gebeten worden, sich mit einer Arbeitsgruppe von Auszubildenden aus dem Sortiment auf dem Campus Gedanken zum idealen Ratgeber zu machen. Die Ergebnisse präsentierten die Auszubildenden selbst. Vieles setzen die Verlage bereits um; die eine oder andere Anregung konnten die Verlage aber vielleicht mitnehmen.

Markus Wölflick (Foto) präsentierte die Internetplattform gutefrage.net. Seiten wie diese versuchen, Ratsuchenden im Internet ein Forum zu geben, und stehen somit in direkter Konkurrenz zu Ratgebern im Buchformat. Wölflick rief die Verlage dazu auf, Kooperationen im Netz zu suchen und betonte, dass gutefrage.net profitabel arbeite – eine Seltenheit in der virtuellen Welt.

Im Ratgeberbereich spielte das Thema e-Books bisher keine große Rolle, da klassische elektronische Bücher dem Format nicht gerecht werden. Moderne Ratgeber sind beispielsweise vierfarbig und zumeist doppelseitig aufgebaut, was beides in den klassischen Formaten und auf den einfachen Lesegeräten nicht darstellbar ist. Umfragen belegen aber, dass sich Leser gerade im Bereich der Nachschlagewerke und Ratgeber elektronische Formate wünschen, legten Simon Seeger (Foto) und Marlies Hebler (Foto) von textunes dar. Das junge Berliner Unternehmen entwickelt elektronische Bücher für verschiedene Ausgabegeräte wie etwa das iPhone. Dabei werden aber nicht die Buchinhalte 1:1 übernommen, sondern dem Medium gemäß überarbeitet und mit multimedialen Inhalten angereichert. An verschiedenen Beispielen zeigten die beiden, welche Möglichkeiten in diesem Bereich stecken.

Abschliessend warf Berater Andreas Meyer (Foto) einen Blick auf den Ratgebermarkt, für den er durchaus eine Zukunft sieht.

Die Anwesenden führten angeregte und interessierte Diskussionen. Die Verlage sind sich im klaren darüber, dass sie ihre Inhalte zukünftig anders aufbereiten und über verschiedene Medien präsentieren müssen. Vom Schrecken, der noch vor einigen Jahren zu spüren war, ist jedoch nicht viel geblieben. Auf Seiten der rund vierzig Teilnehmer herrschte in diesem Rahmen vielmehr gespannte Neugier vor.

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