Abschiedsrede von Ulrich Ohm

Meine sehr verehrten Damen, sehr geehrte Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

gestatten Sie mir zum Schluss dieser Veranstaltung, mit der nicht nur mein Mandat, sondern auch das meiner Kollegen im Vereinsvorstand endet, einige persönliche Anmerkungen.

Bereits Ende 2005 signalisierte Friedrich Roggenkamp, im Herbst 2006 kurz vor Vollendung seines 70.Geburtstages das Amt des Vorsitzenden abgeben zu wollen. Der Vorstand wählte mich zu seinem Nachfolger.

Aufsichtsrat und Vereinsvorstand konnten zum damaligen Zeitpunkt nicht wissen, was dann wenige Wochen nach dem Stabwechsel, Ende November des vergangenen Jahres, wie ein Vulkanausbruch auf uns alle niederkam und nicht nur die gewachsenen Strukturen mit einem Schlag zerstörte, sondern auch Gelder in Millionenhöhe vernichtete.

Vor einigen Tagen von einem branchenfremden nach meiner Gemütslage befragt, antwortete ich ihm, dass ich eine tiefe Bitterkeit empfände.

Bitterkeit über die über viele Monate hinweg unvollständig und nicht rechtzeitig weitergegebenen Informationen der damaligen BAG-Geschäftsführung und Bitterkeit über das Verhalten des Börsenvereins, als es darum ging, gemeinsam und konstruktiv eine gesicherte Zukunft der BAG in neuer Konstellation zu gestalten.

Emotionalisiert wurde die öffentliche Diskussion durch diverse sehr einseitige Artikel im Börsenblatt.

Der Artikel „Ultimatum für den BAG-Verein“ ließ ahnen, welchem Druck und welchem Zwang der Vereinsvorstand und der AR der BAG ausgesetzt war.

Solchen Aufgaben und Problemen dieser Qualität und gewaltigen Dimensionen habe ich mich als Buchhändler niemals zuvor gegenüber gesehen.

Die schwere Last der politischen Verantwortung für das Desaster der BAG hat mein Leben in den letzten Monaten geprägt und mir oft stark zugesetzt.

Diese Zeit hat bei uns allen deutliche Spuren hinterlassen, die jedoch alles andere als Kriegsbemalung waren, wie es uns Dr. Casimir noch in seinem jüngsten Editorial wieder einmal Glauben machen wollte.

Der Höhepunkt war der Rücktritt meiner beiden Aufsichtsratskollegen von ihren Ämtern im Vorstand des Börsenvereins – Ole Schultheis als Stellvertreter des Vorstehers und Martin Ludwig als Schatzmeister.

Für mich persönlich gehören diese Ereignisse vor allem aber die Art des Umgangs miteinander zu den schlimmsten Ereignissen meines beruflichen Lebens, die ihre Spuren nachhaltig hinterlassen.

Von der schweren Last der politischen Verantwortung für das Desaster bei der BAG will ich hier gar nicht sprechen.

Morgen wählen wir auf der Hauptversammlung einen neuen Börsenvereinsvorstand. Von diesem höchsten Gremium, das den politischen Willen der Mitglieder nicht nur zu vertreten, sondern auch umzusetzen hat, hängt die Zukunft des Börsenvereins ab.

Das gewählte Ehrenamt vertritt den Mitgliederwillen und bestimmt die Politik des Börsenvereins, der sich auch die Aktivitäten der Wirtschaftsbetriebe unterordnen müssen.

Die Diskussionen und Auseinandersetzungen in den letzten Monaten um den Zusammenbruch der BAG und die Maßnahmen für eine gesicherte und unabhängige Zukunft dieser für die Branche unverzichtbaren Institution waren in meinen Augen notwendig und konstruktiv.

Ich danke daher den Herren Borsche, Mende, Richter und den Initiatoren des Kölner Modell für ihr besonderes Engagement. Auch wenn ihre Vorschläge heute von der Versammlung nicht goutiert wurden, zeigen sie doch, wie sehr sie sich um das Wohl der BAG bemühen. Wer sich um einen Kranken kümmert, ist auch an seiner Genesung interessiert.

Sie haben den Verantwortlichen im Hirschgraben deutlich gemacht, dass es die Mitglieder mit ihrem Recht auf Mitbestimmung ernst meinen, so, wie es die Börsenvereins-Satzung nach der Verbandsreform vorsieht.

Ich danke meinen Kollegen Ralf Alkenbrecher, Martin Ludwig – der vor zwei Wochen vom Börsenverein als Delegierter im Aufsichtsrat abberufen wurde, für mich unverständlich und peinlich, Friedrich Roggenkamp, Norbert Schaepe und Ole Schultheis für das konstruktive, engagierte und vertrauensvolle – aber auch sachlich, kritische Miteinander.

In der Not lernt man seine Freunde kennen.

Ich danke Herrn Dr. Schürmann, der seit Oktober letzten Jahres fast rund um die Uhr im Einsatz ist.

Ich danke ebenso allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Töngesgasse für Ihre nicht leichte Arbeit in den letzten Monaten

Ich wünsche den ab jetzt verantwortlichen Kollegen im Ehrenamt eine gute Hand für ein konstruktives Miteinander.

Als Kind des Ruhrgebietes wünsche ich allen Beteiligten ein ehrliches und kräftiges „Glückauf“.

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