Dr. Joachim Kaps über die neue Vertriebsstruktur von TOKYOPOP

TOKYOPOP stellt sich Hals über Kopf vertrieblich auf eigene Füsse [mehr…]– Anlass für FÜNF

Joachim Kaps

FRAGEN an Dr. Joachim Kaps, der derzeit im Hamburger Büro ein eigenes Vertriebsteam aufbaut:

Der Stand der Dinge?

Joachim Kaps: Ende dieses des Monats wird unser Konzept in seiner Grundform stehen. Bis dahin werden wir uns nach Kräften bemühen, den Kunden den gewohnten Service zu bieten, indem die TOKYOPOP-Mitarbeiter aus allen Bereichen nach Kräften mithelfen, alle Anfragen zu bearbeiten. Die ersten Tage zeigen uns, dass dies von den Kollegen hier zwar einen außergewöhnlichen Einsatz erfordert, aber wir sind bislang in der Lage, alle Anfragen in 24 Stunden zu bearbeiten und somit den nötigen Service aufrechtzuerhalten.

Wohin wollen Sie?

Der Vertrieb von Comics (und eben Manga) ist in Deutschland – gerade im Vergleich zum europäischen Ausland – nach wie vor ein kompliziertes und aufwändiges Geschäft. Wir sind fest davon überzeugt, dass wir als Manga-Spezialist das vertriebliche Engagement für unsere „Orchideendisziplin“ in den kommenden Jahren noch deutlich ausbauen müssen, um der Kategorie wieder zu der Dynamik zu verhelfen, die sie in unseren Nachbarländern und den Vereinigten Staaten nach wie vor ungebremst hat.

Ihre Sicht auf den Markt?

Es ist auffällig, dass Manga in all den Märkten sehr stark weiter wächst, in denen die Anbieter auf allen Ebenen – von der redaktionellen Bearbeitung bis hin zur Vermittlung von Produktwissen an den Handel – ein Plus an Kommunikation und Service erreicht haben. Hier hat der deutschprachige Markt leider noch sehr viel aufzuholen. Und es ist zunächst an den Verlagen, gegenüber dem Handel mehr in Vorleistung zu gehen, um die fraglos noch bestehenden Potenziale wirklich auszuschöpfen.

Welche Hürden gibt es?

Wir wollen Produktentwicklung und Vertrieb stärker verzahnen und zu in beiden Richtungen viel stärker voneinander lernenden Einheiten aufbauen. Das Extrakt dieses Prozesses soll als praktischer Nutzen in intensiverer und gezielterer Betreuung des Handels zurückfließen. Der deutsche Markt braucht zur Zeit nicht mehr Manga, er braucht aber ganz sicher ein besseres Verständnis, wie man welche Manga an wen noch besser verkaufen kann. Dies setzt eine viel direkteren Austausch zwischen Verlagen und Handel voraus als wir ihn bislang realisieren konnten. Das klingt vielleicht nach Allgemeinplätzen, aber was gemeint ist: Die Zeiten sind vorbei, in denen man Manga verkaufen konnte, ohne sie zu verstehen. Nun müssen wir beim Verstehen aufholen. Und dazu müssen wir unser eigenes Ohr und unseren eigenen Mund im Handel haben.

Hoffnungen?

Zur Zeit fiebern wir der Aufnahme unseres ersten Hardcover-Romans bei den Lesern entgegen, den wir vergangene Woche ausgeliefert haben. Die zwölf Königeiche sind in Japan ein Klassiker der Fantasy-Literatur und wir sind sehr gespannt, welche Aufnahme das Projekt hierzulande findet. Erste begeisterte Leserbriefe machen zwar viel Mut, sind aber natürlich noch nicht repräsentativ. Im kommenden Jahr wollen wir die Bereiche neben Manga noch weiter ausbauen. Natürlich ohne dabei den Kern unseres Programms aus den Augen zu verlieren, in dem wir noch stärker auch auf lokale Projekte setzen werden. Der – auch internationale – Erfolg von Grimms Manga und Gothic Sports ist sehr ermutigend.

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