4. Bremer eBook-Tage: Bibliothekare und Verleger diskutierten übers eBook

Der einzige Buchhändler war der Veranstalter. Die Bremer Versandbuchhandlung Missing Link veranstaltete zum vierten Mal seit 2005 die Bremer eBook-Tage, und eine beeindruckende Zahl von Bibliothekaren und Verlagsmitarbeitern folgten der Einladung.

Thematische Schwerpunkte waren etwa das eLehrbuch oder Fragen zur bibliographischen Aufbereitung von eBooks. Neben Vorträgen stand am ersten Tag auch eine Workshop-Session auf dem Programm, bei der in gemischt verlegerisch-bibliothekarischen Gruppen unterschiedliche Fragestellungen bearbeitet und anschließend vorgestellt werden mussten.

Deutlich wurde, wie viele unterschiedliche Strategien zum eBook-Verkauf es von Verlagsseite gibt. Als Branka Felba von Missing Link die Modelle vorstellte, war die Liste der verschiedenen Ansätze so erstaunlich wie verwirrend, und Felba wies nicht zu Unrecht darauf hin, wie schwer der Einkauf damit für Bibliotheken, Händler und Kunden zu kalkulieren ist. Themen sind dabei: Verkauf in Paketen oder Einzeltiteln, DRM, Monitoring, Preisgestaltung, Möglichkeit des Kapiteldownloads uvm..

Wie auch Maria Müller, Direktorin der SuUB Bremen in ihren einführenden Worten andeutete, zeigt die Vielfalt der Modelle, dass der Markt derzeit in der Ausdifferenzierungsphase ist und sich über kurz oder lang zeigen wird, welche Ansätze Bestand haben und welche in der Mottenkiste der eBook-Geschichte verschwinden.

Zum Thema Entwicklung von Hypes und Trends im elektronischen Sektor hatten sowohl Sebastian Mundt von der HdK als auch Dr. Klaus Junkes-Kirchen von der UB Frankfurt die gleiche Kurve mitgebracht, den „Hype-Zyklus“ nach Gartner. Sehr schön war hier zu sehen, wie jegliche technische Innovation zunächst einen steilen Anstieg bei Aufmerksamkeit und Weiterentwicklung erlebt, um dann auf einen Tiefpunkt abzustürzen und von da aus ein realistisches, länger anhaltendes Level langsam zu erklimmen.
Während Mundt vor allem forderte, von Nutzungsstudien zu Akzeptanzstudien zu kommen (und eine solche derzeit selbst gerade durchführt), zeigt der flotte Vortrag von Junkes-Kirchen, welche unterschiedlichen Wege die elektronische Gesellschaft in naher Zukunft nehmen könnte. Cloud-Computing, eReader, Programme wie „Dropbox“ kamen vor und zeigten die vielfältigen Möglichkeiten.

Auf die unterschiedlichen Denkstrukturen auf Verlags- und Bibliotheksseite wies Dr. Karl-Heinz Höfner vom Oldenbourg-Verlag hin, als er über die Erfahrungen bei der Einführung von eLehrbüchern in seinem Verlag referierte.

Die Arbeitsgruppen zum Abschluss des ersten Tages zeigten indes, dass sich Verleger und Bibliothekare durchaus über ein Thema einig werden können, wenn intensiv diskutiert wird. Und beim abendlichen Menu im Bremer Ratskeller hatte man beim Small Talk über Schweinefilet und Trüffel-Ravioli dann ohnehin jede Menge gemeinsamer Themen.
Abschließend sei die Bemerkung eines Bibliothekars im Rahmen der Arbeitsgruppen zitiert, als der Berichterstatter die Rolle der stationären Fachbuchhandlungen ansprach: „Den Laden zumachen oder an eine Kette verkaufen, andere Möglichkeiten sehe ich eigentlich kaum.“

Carsten Tergast

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