Amazons Lesegerät „Kindle“: In New York vorgestellt / Spekulationen um das Gewicht

Kindle: E-Books und Zeitung Online

Mit knapp zwei Zentimeter „Dicke“ ist es eher ein Winzling, aber der hat es in sich: Die Rede ist vom neuen E-Book namens „Kindle“, über das schon viel spekuliert wurde. Heute hat es – wie wir bereits am Freitag ankündigten [mehr…] – Internetbuchhändler Amazon.com in New York der Öffentlichkeit vorgestellt.

Allerdings haben nicht alle so genau hingesehen. Einige Berichterstatter kolportieren bereits, dass das Gerät fünf Kilo auf die Waage bringen soll. Stimmt nicht, dementierte bereits Amazon: „Das Gerät wiegt 10,3 amerikanische Unzen, was einem Gewicht von ca 292 Gramm entspricht – nicht 5 Kilogramm“, so Amazon-Sprecherin Christine Höger gegenüber buchmarkt.de.

Das Gerät mit dem 6-Zoll-Monitor – seine Existenz läutet wieder einmal den Showdown alles Gedruckten ein – hat einen stolzen Preis: Ab sofort können US-Kunden das Gerät für 399 Dollar auf den amerikanischen Amazon-Seiten bestellen.

Erstmals verlässt Amazon damit die „virtuelle“ Welt und bietet ein selbst entwickeltes, physikalisches Produkt an. Alle Details, einige nette Videos und ein kleiner Crash-Test des Kindles finden sich auf der Startseite von Amazon USA ww.amazon.com.

Aber Jeff Bezos, der Gründer und Chef von Amazon, wäre nicht Jeff Bezos, wenn er nicht für eine Überraschung gut wäre. Kindle hat, mit Unterstützung des US-Telco Sprint www.sprint.com und dessen landesweitem Telefon und Funknetz, direkten und drahtlosen Zugriff auf die Website von Amazon. Whispernet hat Amazon das getauft, wohl wissend, dass die Begrifflichkeit immer der Grundstein zur Legendenbildung ist. Dafür erhebt Amazon keine Gebühr, im Gegenteil, es wird als „Verkausförderung“ verbucht: „No monthly wireless bills, service plans, or commitments-we take care of the wireless delivery so you can simply click, buy, and read.“ Mit dem Kindle ist der Kunde also immer zu Hause, heißt: Immer bei Amazon.

Fast 90 000 E-Books offeriert Amazon im Moment, dazu werden Tageszeitung-, Magazin- und Blogger-(gute Idee) Abos angeboten, das Wörterbuch „The New Oxford American Dictionary“ ist bereits installiert, und Kindle gewährt Online-Zugang zu Web-Enzyklopädie Wikipedia. Das Monatsabo der „FAZ“ für Kindle liegt bei knapp 20,- Euro inklusive täglichem Update. Zum Vergleich: Das reine FAZ-e-paper-Abo Angebot des Verlages schlägt mit 26,50 Euro zu Buche, die billigste reguläre Papiervariante des FAZ-Abos mit 39,50 Euro. Um die 200 Bücher kann das verblüffend dünne und gerade mal gut 300 Gramm schwere Gerät speichern.

Keine Rede ist allerdings mehr von Audio-Books und dem normalen Web-Zugang bzw. E-Mail. Das ist natürlich im Sinn von Amazon und entspricht der Strategie, die Bezos seit längerem fährt: Ein neues Web im Web von Amazon zu bauen, denn zu Hause im Internet heißt zu Hause beim Amazon, wie hier bereits skizziert [mehr…].

Grundsätzlich dürfte Amazon alles richtig gemacht haben: Analog dem iPod, der nur in der Kombination mit dem einfachen und überzeugenden Online-Musikangebot von Apples Musicstore (heute iTunes Store), ein Lied für 99 Cent sowie der simplen Software zur Musikverwaltung (iTunes), ein Erfolg werden konnte, ergänzen sich auch hier Gerät, Inhalte und simple Angebote auf idelae Weise. Ob allerdings 399,- US-Dollar für Kindle angemessen sind, wenn wir zum gleichen Preis das sehr viel elegantere und vollständig web- und e-mail-fähige iPhone erhalten können, wird sich in den nächsten Wochen weisen müssen. Ob und wann Kindle in Europa oder Deutschland zu haben sein wird ist noch offen.

STEFAN BECHT
stefan@stefanbecht.de

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