Folge eines „Schildbürgerstreiches“: Aus für HardcoverPlus-Idee

Jakob Karsten:
„Ein Schildbürgerstreich“

Die ab dem 1.7.14 geltende neue Umsatzsteuer-Regelung für Bundle-Angebote hat Haffmans & Tolkemitt dazu bewogen, sein „HardcoverPlus“ Angebot aufzugeben. Die Idee, damit Büchern einen Code für einen kostenlosen Download eines E-Books beizugeben [mehr…], ist damit auch den Schwesterverlag Rogner & Bernhard gestorben, wie Verlagsleiter Jakob Karsten (Foto) sagt.

Der bürokratische Hintergrund: Das Bundesfinanzministerium hat am 2.6.14 bestimmt, dass der E-Book-Anteil von HardcoverPlus-Büchern mit 19% Mehrwertsteuer zu belegen ist; der Teil des Produkts, der das gedruckte Buch ausmacht, aber nur mit 7%, wie gedruckte Bücher seit jeher. Wie die jeweiligen Anteile am Gesamtprodukt HardcoverPlus festzulegen seien, das müsse zwischen den örtlichen Finanzämtern und den Verlagen ausgehandelt werden.

Der Verlag teilt deshalb mit: „Ein Produkt mit zwei Mehrwertsteuersätzen – in unseren Augen ist diese Regelung ein echter Schildbürgerstreich. Wir können unseren Kollegen im Buchhandel nicht zumuten, bei unseren Büchern auf ihren Quittungen zwei Mehrwertsteuersätze auszuweisen. Unter den neuen rechtlichen Rahmenbedingungen ist es uns nicht mehr möglich, unsere Bücher als HardcoverPlus, also als Buch inkl. E-Book anzubieten.“

Karsten: „Was uns besonders ärgert ist die sehr kurzfristige Umsetzung der neuen Regelung, die eine Anpassung unserer Titel überhaupt nicht möglich macht. Schließlich sind die Bücher mit HardcoverPlus-Aufkleber und Download-Code an den Buchhandel ausgeliefert. Uns bleibt nichts anderes übrig, als die Webseite www.hardcover-plus.de kurzfristig aus dem Netz zu nehmen, was zu einigem Ärger auf Kundenseite führen wird. Und das Wahnwitzigste von allem ist doch, dass im Koalitionsvertrag eine Absenkung des Mehrwertsteuersatzes für E-Books auf 7% vorgesehen ist. “

Karsten weiter: „Wir fragen uns, was die überhastete und politisch nicht gewollte Regelung zu diesem Zeitpunkt soll. Das Bundle-Modell wurde von den Buchhändlern, Kunden und Autoren unseres Verlages und unseres Schwesterverlages Rogner & Bernhard sehr begrüßt. Es bot die Möglichkeit, das, was die Musikindustrie lange versäumt hat, rechtzeitig anzubieten: Nämlich die digitale und gedruckte Version eines Produkts gleichzeitig und ohne Aufpreis zu erwerben. Es war ein zukunftsversprechendes Modell für die Verlagsbranche, das leider nicht lange währen durfte.“

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