Fragen an Dr. Dubravka Hindelang: Warum bleibt das Hanser Fachbuch dem Bundle treu?

Zum Jahresende werden fast alle Verlage ihre E-Bundle-Produkte aufgeben – eine Ausnahme scheint derzeit noch der Hanser Fachbuchverlag. Er „möchte sein E-Book inside-Angebot auch zukünftig für seine Käufer aufrechterhalten“, das er seit zehn Jahren schon anbietet und erst vor zwei Jahren ausgeweitet hatte.

Der Hintergrund liegt in der fiskalischen Bürokratie. die zu unsinnigen Verrenkungen an der Kasse führt: Gedruckte Verlagserzeugnisse, die zusammen mit elektronischen Produkten angeboten werden, wie z.B. E-Book inside-Ausgaben von Verlagen wie Haffmans & Tolkemitt oder h.f.ullmann), müss(t)en ab dem 01.01.2016 die unterschiedlichen MwSt./USt.-Sätze (7 % für das Printprodukt, 19 % für den elektronischen Dienstleistungsanteil) getrennt ausgewiesen und besteuert werden.

Dr. Dubravka Hindelang

Hanser geht beim Fachbuch einen eigenen Weg, der zumindest eindeutig scheint: Alle E-Book inside Titel werden somit ab dem 01.01.2016 mit 90% des Netto-Ladenpreises für das Printbuch zu 7% MwSt. und mit 10% des Netto-Ladenpreises für den E-Book-Anteil zu 19% MwSt. ausgewiesen. Wir haben Dr. Dubravka Hindelang, die Vertriebsleiterin des Verlags, gefragt:

Im Gegensatz zu anderen Verlagen halten Sie Ihr Bundle-Angebot aufrecht … Warum?

Für uns war und ist das E-Book inside-Angebot ein wichtiges Marketinginstrument, das unsere Kunden wertschätzen und an das sie mittlerweile natürlich auch von uns gewöhnt sind.
 
Ist das tasächlich so wichtig für Sie?

Durch das neue Gesetz der E-Bundle-Besteuerung haben wir zwangsläufig überlegt, ob wir das Angebot unter den gegebenen Bedingungen weiterhin aufrecht erhalten können und wollen. Wir haben uns nach reiflicher Überlegung dazu entschieden, unseren Kunden E-Book inside auch weiterhin anzubieten und die unterschiedliche Besteuerung umzusetzen.
 
Wieviel Titel beriftt das eigentlich?

Betroffen sind bei über 1.000 Backlist-Titeln ca. 250 Titel mit E-Book inside, die entsprechend umgestellt werden mussten. Bei der Frontlist musste der Workflow auch angepasst werden.
 
Für welche Splitting-Variante haben Sie sich entschieden?

Beim Preis für den Print- und Digitalanteil haben wir uns für das 90/10 Modell entschieden (90% des Ladenpreises zu 7% MwSt. – 10% des Ladenpreises zu 19% MwSt.). Der Ladenpreis bleibt aber stabil.
 
Wie sind Sie bei der Umsetzung vorgegangen?

Bei der Umsetzung haben wir uns an den Best-Practice Vorgaben der IG Pro orientiert. Der Umsetzungsprozess war sehr ressourcenintensiv und erforderte eine intensive Kommunikation mit  allen relevanten Partnern, wie z.B. Barsortimente, Händler, VLB (ONIX-Daten), unsere Auslieferung (Verlegerdienst München).
 
Die Umsetzung war vermutlich nicht einfach….?

… Wichtig war v.a. auch die Kommunikation zwischen unserer Auslieferung und den „EDI-Schnittstellen“-Kunden wie z.B. LIBRI, KNV, Thalia, Mayersche, Amazon. Hier mussten zunächst Testdaten ausgetauscht werden und im Vorfeld überlegt werden, wie ein Bundle mit den unterschiedlichen Steuersätzen im Faktursystem überhaupt abgebildet werden kann. Anpassungen der IT-Systeme und Schnittstellen wurden notwendig, was natürlich mit Zusatzkosten verbunden ist.Gestartet sind wir mit der Umsetzung diesen Sommer und sind im November zeitig mit der Umstellung fertig geworden. 
 
Und nun?

Wir sind gespannt, wie es ab dem 01.01.2016 laufen wird.
 

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