Haffmans-Probleme herbeigeredet?

Seit Ende Januar ist der Haffmans Verlag Lieblings-Prügelknabe der Schweizer Medien. Das Magazin Facts brachte gar einen fotokopierten Auszug aus dem Beitreibungsregister der Stadt Zürich, um den angeblich zahlungsunfähigen Verlag, dem die Autoren scharenweise davonliefen – wie behauptet wird -, an den Pranger zu stellen. Im April haute der Zürcher Tages-Anzeiger in die gleiche Kerbe. Initialzündung für die „Kampagne“ war der spektakuläre Weggang von Gerhard Polt, der dem Verlag vorwirft, Honorare nicht pünktlich „oder zum Teil gar nicht bezahlt“ zu haben. Für Verleger Gerd Haffmans ist das eine ungeheuerliche Verleumdung: „Wir sind noch nie einem Autor etwas schuldig geblieben“, sagte er jetzt der Neuen Zürcher Zeitung, die den „Fall Haffmans“ Ende April aufgerollt und klargestellt hat. Dass Haffmans, wie viele unabhängige kleine Literaturverlage finanzielle Schwierigkeiten hat – wen wunderts angesichts der Zeiten, in denen Konzerne kleinere Unternehmen reihenweise schlucken und Literaturagenten aus Manuskripten von Top-Autoren ein Millionen-Pokerspiel gemacht haben. Häme und Untergangsspekulationen im Falle Haffmans sind aber deutlich fehl am Platz, befindet die NZZ, „Solidarität aber, welche die … Artikel gegenüber den verprellten Autoren einklagen, gehört … einem Literturverlag, der sich nicht scheut, mit Einsatz und Risikofreude unverdrossen schöne und schwer verkäufliche Bücher zu machen.“ Zum Beispiel von David Lodge, David Sedaris, Robert Gernhardt, Harry Rowohlt, Michael Palin und viele anderen, die „ihrem“ Verlag trotz aller Unkenrufe weiterhin die Treue halten.

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