HoCa stellte Läpples „Verrat verjährt nicht“ vor

Jens Bisky, Christhard Läpple (v.l.)

In dem Buch brechen ehemalige Stasi-Mitarbeiter ihr Schweigen und erzählen offen wie es wirklich war. Im Gespräch mit dem Journalisten Jens Bisky stellte Christhard Läpple heute „Verrat verjährt nicht. Lebensgeschichten aus einem einst geteilten Land“ im Berliner Büro des Börsenvereins der Presse vor.

Für Bisky gehört das Buch, das im Verlag Hoffmann und Campe erschienen ist, zu den wichtigsten Neuerscheinungen in diesem Herbst. Es hebe sich von der Flut der Titel zum Thema DDR ab weil es etwas ganz Neues versuche: Es lasse die Fronten von 1989 hinter sich. Läpple habe ein sehr bewegendes Buch geschrieben, das durch seinen Ton besteche, der weder anklagend noch rechtfertigend sei, hob Bisky hervor.

Für das Buch hat Läpple, stellvertretender Redaktionsleiter der ZDF-Sendung Aspekte, sechs Lebensgeschichten aus rund eintausend Biografien ausgewählt, die im Rahmen einer Fernsehdokumentation recherchiert wurden. Es war nicht leicht, aber Läpple ist es gelungen, die Menschen zum Reden zu bringen. Alle erwähnten Namen sind Pseudonyme, dennoch ist nichts erfunden. „Alle Geschichten sind authentisch.“, betonte Läpple.

„Dieses Buch will nicht auf- oder abrechnen, diffamieren oder verharmlosen“, so Läpple im Vorwort. Juristisch sei das Phänomen Verrat ohnehin nicht zu bewältigen. Es geht dem Autor vielmehr um die moralischen Folgen der Bespitzelung. „Auf menschlicher Ebene verjährt Verrat nicht.“

Die Zeit sei reif für einen anderen, unverstellten Blick, begründete Läpple das Buch. Nicht die Stasi-Papierberge seien das Problem, sondern der Umgang damit. „Die Stasi ist seit 20 Jahren entmachtet und doch wirkt das Gift ihrer Arbeit weiter.“

Darüber wird wohl noch lange zu reden sein. Im nächsten Jahr könne das Thema sogar eine große Rolle im Wahlkampf spielen, vermutete Läpple mit Blick auf die aktuellen politischen Diskussionen in Hessen.
ML

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