Börsenverein-Umfrage: Kinder finden Hörbücher „total cool“

Im Rahmen des Leseförderungsprojektes „Ohr liest mit 2006“ hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels wieder junge Menschen zu ihrem Umgang mit Büchern und Hörbüchern befragt. Die aktuelle Untersuchung aus dem Zeitraum März berücksichtigt die Antworten von 1142 Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 5 und 21 Jahren, die die Leipziger Buchmesse und die Duisburger Jugendmesse „Respect our future“ besucht haben.

Ziel der Untersuchung war die Frage: „Kinder und Jugendliche – Fans von Hörbüchern?“ Eindeutige Antwort: ja – vor allem auch: immer mehr. Sieben von zehn Befragten hören Hörbücher in der Freizeit (68,2 Prozent), wobei die Bereitschaft mit dem Älterwerden in Bezug auf die Altersgruppen abnimmt (5- bis 9-Jährige: 88 Prozent, 10- bis 13-Jährige: 79,3 Prozent, 14- bis 17-Jährige: 61,8 Prozent), dann aber wieder leicht zunimmt (18- bis 21-Jährige: 69,5 Prozent).

Der Geschlechterunterschied macht sich nicht signifikant bemerkbar: 70,3 Prozent der weiblichen Hörbuchhörer stehen 62,3 Prozent der männlichen gegenüber. 61,5 Prozent aller Hörer nutzen 1 bis 5 Hörbücher pro Jahr, 22,5 Prozent 6 bis 10 – auch hier gibt es wenig Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Von allen Befragten, die bereits Hörbücher gehört haben, findet über die Hälfte sie total cool“ (55 Prozent) und „ganz nett“ (43 Prozent) – besonders die 5- bis 13-Jährigen sind richtige Fans. Auch bei den Geschlechtern sind die Prozentzahlen fast deckungsgleich: 55,2 und 54,3 Prozent (weiblich/männlich) entschieden sich für „total cool“, 42,7 und 44,1 Prozent für „ganz nett“.
Weniger als bisher angenommen sind Hörspiele die bevorzugte Hörbuchgattung: Mit 52,1 Prozent führen sie die Liste der Lieblingsgattungen zwar an, liegen jedoch nur relativ knapp vor Lesungen (42,8 Prozent). Sachthemen spielen mit 5,1 Prozent nur eine kleine Rolle.

Anders verteilt sich die Präferenz in den Altersgruppen: 70,5 Prozent der 5- bis 9-Jährigen hören am liebsten Hörspiele, immer noch 55,5 Prozent der 10- bis 13-Jährigen. Bei den 14- bis 17-Jährigen überwiegen ganz knapp Lesungen (48,6 Prozent), die bei den 18- bis 21-Jährigen aber wieder etwas zurückfallen (41,3 Prozent). Interessant ist hier der Unterschied weiblich/männlich: Mädchen und junge Frauen mögen gerne Hörspiele (54,3 Prozent gegenüber 42 Prozent Lesungen), Jungen und junge Männer tatsächlich beides (45,1 zu 45,6 Prozent). Dafür probieren etwa drei Mal so viele Jungs auch mal ein Sachhörbuch (9,3 Prozent gegenüber 3,7 Prozent Mädchen).

Hörbücher sollen hauptsächlich entspannen, sagten 85,6 Prozent der Befragten – sie sollen aber auch über Sachen informieren, die man in der Schule brauchen kann (13,1 Prozent), vor allem über Sachen, die in der Freizeit interessieren (23,5 Prozent). Auch in Altersgruppen und Geschlechter unterteilt, zeigen sich fast deckungsgleiche Ergebnisse.

Vor die Wahl gestellt, was wichtiger sei, entschied sich etwa die Hälfte für reine Unterhaltung (46,4 Prozent); ebenso viele fanden Information und Unterhaltung gleich wichtig (47,5 Prozent). Schwieriger scheint die Wahl, sich beim Taschengeld-Ausgeben eher für das Buch oder eher für das Hörbuch zu entscheiden: Sieben von zehn jungen Lesern wählten die Buchvariante, immerhin bereits drei die Hörbuchversion. Wichtig ist hier das Altersgefälle: Je jünger der Leser, desto eher entscheidet er sich für die Audio-CD; anders ausgedrückt: je älter, desto Buch-affiner. Allerdings gibt es hier einen kleinen Unterschied zwischen Mädchen und Jungen: Während erstere deutlich das Buch bevorzugen (7 von 10 gegenüber 3 Hörbuchhörerinnen), sind es bei letzteren 6 von 10 (gegenüber 4 Hörern).

Interessant ist die Hörbuchnutzung im Unterricht: Bei jedem Dritten werden Hörbücher manchmal im Unterricht eingesetzt, bei zwei Dritteln nie – vier Prozent sagen „häufig“. Erwartungsgemäß mehr „auf die Ohren“ bekommen die 5- bis 9-Jährigen (10,4 Prozent häufig, 47,9 Prozent manchmal). Von allern Befragten findet jeder Dritte, das könnte eine Bereicherung sein, und ebenso viele würden Hörbücher im Unterricht gerne mal ausprobieren; weitere 18,3 Prozent machen dies vom Stoff abhängig.

Verzerrt wird die Untersuchung durch die unterschiedliche Verteilung der besuchten Schulformen der Umfrageteilnehmer: Zwei von drei Befragten besuchten das Gymnasium (66,1 Prozent), der Rest verteilte sich – mit jeweils niedrigen Anteilen – auf Grundschule, Hauptschule, Realschule, Gesamtschule, Berufsschule und andere. So lassen sich die aus der Umfrage gewonnenen Erkenntnisse zum größten Teil nur auf die ohnehin eher literarisch interessierte und entsprechend ausgestattete Nutzergruppe anwenden. Auch waren drei Viertel der Befragten weiblich, ein Viertel männlich.

Zur Büchernutzung hält die Untersuchung ebenfalls Zahlen bereit: Fast alle Kinder und Jugendlichen (gut 98 Prozent) lesen Bücher in ihrer Freizeit, wobei sich die einzelnen Altersgruppen nur wenig unterscheiden. Auch der Geschlechterunterschied weiblich/männlich macht sich kaum bemerkbar (99 zu 93 Prozent). Die meisten Buchleser sind mit 5 bis 10 Büchern pro Jahr dabei, aber auch bis zu 30 sind keine Seltenheit.
rw

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