Crowdfunding für neue Hörspiele: Lauscherlounge verteilt Gegenleistungen an Spender

Virale Aktionen zur Vorab-Finanzierung von Hörbüchern gab es bereits einige, scheiterten jedoch meist an allgemeiner Spendenbereitschaft. Lauscherlounge will jetzt per „Crowdfunding“ die Fans von „Richard Diamond“ in die Produktion mit einbeziehen – und hat schon gut 75 Prozent der Kosten sicher.

Vor wenigen Tagen erst musste der Argon Verlag, der im Mai letzten Jahres die „Befreiung“ des Kultromans „Little Brother“ als gemeinfreies Hörbuch beenden musste, seine Hoffnungen auf eine sichere Produktion neuer Folgen der Hörspiel-Soap „Und nebenbei Liebe“ begraben – nur gut 200 Fans hatten die CD vorbestellt. Damit ist leider das zweite, eigentlich vielversprechende Experiment einer Vorab-Finanzierung gescheitert.

Ende Januar wagte Lauscherlounge einen ähnlichen Schritt, allerdings unter anderen Bedingungen: „Mit eurer Unterstützung möchten wir den unvergesslichen Richard Diamond wieder zum Leben erwecken“, heißt es auf der Verlags-Webseite. „Das Prinzip, ein Projekt im Internet gemeinsam mit ‚Unterstützern‘ zu realisieren und zu finanzieren, ist inzwischen auch in Deutschland angekommen. Es nennt sich Crowdfunding und wird für unterschiedliche kreative Konzepte und Projekte genutzt. Wir haben nun als erstes Hörspiel-Label in Deutschland den Schritt gewagt.“

Um den smarten Privatdetektiv „Richard Diamond“ wieder auferstehen zu lassen, können interessierte Fans seit dem 25. Januar auf dem Portal Startnext.de gegen den Erhalt von exklusiven „Dankeschöns“ den Verlag bei der Finanzierung der neuen Hörspielproduktion unterstützen. Dazu können verschiedene Vorbestellungen mit unterschiedlichen Gegenleistungen gewählt werden.

Derzeitiger Stand nach gut drei Wochen: 16 Interessierte haben für je 9 Euro „nur“ die CD inklusive Versandkosten geordert, dagegen schon 43 für je 15 Euro die CD samt namentlicher Nennung im Booklet. 19 Leute sind sogar bereit, 25 Euro auszugeben, bekommen dafür aber auch zusätzlich zur CD zwei Eintrittskarten für die Aufführung des Live-Hörspiels zu „Richard Diamond“. Und immerhin sechs Fans haben sich schon für je 50 Euro die gesamte Hörspielserie gesichert.

Doch es geht noch weiter: Fünf Interessierte bekommen für 100 Euro gleich 2 CDs und dürfen bei den Studioaufnahmen mit Sprecherlegende Oliver Rohrbeck dabei sein, und zwei spendieren sich neben der CD eine Gastrolle im Hörspiel – für je 500 Euro. Diese beiden Bestellmöglichkeiten sind allerdings nicht endlos möglich, sondern bereits ausgebucht.

Unser Tipp: Wirklich sehenswert ist der für die Crowdfunding-Aktion produzierte Video-Trailer auf der Hauptseite.

Über die Aktion sprachen wir mit Kai Schenker, der zusammen mit Oliver Rohrbeck den Verlag betreibt und Geschäftsführer des Hörspielstudios XBerg in Berlin ist. Er ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Hörbuchverlage des Börsenvereins sowie im erst kürzlich gegründeten gemeinnützigen Verein Hoerspiel-Gemeinschaft e.V.

Kai Schenker

Herr Schenker, warum eine Finanzierungsaktion? Können Sie eine weitere Hörspielfolge nicht selbst finanzieren?
Kai Schenker: Doch, natürlich – allerdings wollten wir Gewissheit haben, dass unser Engagement auch in die richtige Serie fließt. Wenn Fans tatsächlich Geld für ein Projekt hinterlegen, hat das eine viel höhere Verbindlichkeit, als wenn sie ihr Interesse „nur“ per E-Mail oder in einem Forum bekunden. Viele Verlage haben schon den Versuch unternommen, Serien wieder aufleben zu lassen, und wurden dann mit hohen Lagerbeständen belohnt. Das wollten wir vermeiden.

Wie unterscheidet sich Ihre Aktion von bisherigen Versuchen in der Branche?
Argon hat eine Vorreiterrolle übernommen, und ich glaube, dass in zwei bis drei Jahren ein Projekt wie die Befreiung von „Little Brother“ [mehr…] normal und damit auch erfolgreich sein wird. Die Konsumenten haben sich noch nicht genug mit dem Thema auseinandergesetzt und das Potenzial noch nicht erfasst. Unsere Aktion unterscheidet sich in drei wesentlichen Punkten: Zum einen tragen wir einen Teil der Projektkosten selbst und „sammeln“ über das Portal Startnext nur einen Teilbetrag ein. Dabei bekommen unsere Supporter einen einmaligen, direkten Gegenwert in Form der CD und zum Beispiel einer Nennung im Booklet oder einer Gastrolle. Ganz wesentlich ist aber, dass wir unser Hörspiel danach wie üblich verkaufen und nicht als freie Lizenz für jedermann zugänglich machen müssen.

Was passiert mit dem Geld bei erfolgreicher Finanzierung? Und was, wenn nicht genügend zusammenkommt?
Wenn die Finanzierung erfolgreich ist, dann produzieren wir zwei neue Folgen „Richard Diamond“ und bringen diese als CD und Download in den Handel. Auch wird es eine Live-Aufführung des Hörspiels geben. Sollte aber nicht genügend Geld zusammenkommen, dann haben wir die Gewissheit, dass es keine ausreichend große Hörerschaft gibt, um die Serie fortzusetzen. Alle Supporter bekommen dann von Startnext die hinterlegten Beträge zurücküberwiesen.

Wie ist bisher die Resonanz auf die Aktion?
Wir bekommen durchweg positive Rückmeldungen. Vor allem, da diese Art der Finanzierung in Deutschland noch recht unbekannt ist. Sehr überrascht hat uns die große Nachfrage nach den Gastrollen. Es zeigt, dass die Fans großes Interesse daran haben, ein Bestandteil der Produktion zu werden und ganz nah dabei zu sein. Seit dem Start der Aktion, also innerhalb der letzten 20 Tage, haben 94 Supporter „Dankeschöns“ für insgesamt 3684 Euro bestellt. In Rekordzeit haben wir gut drei Viertel der Finanzierung eingesammelt.

Sie sind also sicher, dass Sie die angestrebte Summe von 5000 Euro erreichen?
Wir bekommen das Geld zusammen. Auf jeden Fall.

Das klingt so, als ob Sie schon an eine weitere Finanzierungsaktion denken.
Ja, wenn ich einen gestreiften Löffel hätte, wüsste ich, was die nächste Serie wäre … (in Anspielung auf die mit Lob überhäufte, aber pausierende Hörspielserie „DODO“; Anm. d. Red.)

Schafft es die Lauscherlounge, die „Richard Diamond“-Produktion mit Hilfe der Crowdfunding-Aktion quasi anzuschieben, wird sich die Fangemeinde auf eine Doppelfolge des erfolgreichen Radio-Krimis aus den 50er Jahren freuen können. Im ästhetischen Stil des „Film noir“ verleihen Starsprecher wie Tobias Kluckert (u.a. deutsche Stimme von Colin Farrel), Detlef Bierstedt (Goerge Clooney) und viele andere der Detektivserie ihr besonderes Flair.

Eine weitere Marketingaktion des Verlags verbindet ganz nebenbei den Appetitmacher mit der Mundpropaganda: Fans und solche, die es werden wollen, brauchen nur einen „Tweet“ via Twitter oder ein Posting via Facebook abzusetzen – um sich dann „Richard Diamond“ kostenlos herunterzuladen.

rw

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