Online-Diskussion: Ist der MWSt-Vorschlag der EU für Hörbuchverlage eine Katastrophe?

Eigentlich klingt die Schlagzeile, die vor einer Woche durch die Fachpresse ging, gar nicht schlecht: „EU will ermäßigte Mehrwertsteuer für Hörbücher“, hieß es. Tatsächlich sollen nach dem Willen der EU-Kommission in Zukunft in den EU-Mitgliedsstaaten geringere Mehrwertsteuersätze für Hörbücher gelten.

In Deutschland werden Hörbücher – anders als Bücher – bisher mit 19 % besteuert. Dabei kommt Büchern nichts so nahe wie Hörbücher, die nach Meinung vieler Hörbuchfreunde mit Büchern gleichzusetzen sind. Die gleiche Besteuerung wie bei Büchern wäre also nur konsequent. Außerdem würde eine Senkung der Mehrwertsteuer eine spürbare Entlastung der Verbraucher bedeuten, zumindest wenn es zu keinen versteckten Preiserhöhungen seitens der Anbieter kommt.

Doch entgegen anderslautender Pressemeldungen ist leider noch nichts endgültig beschlossen. Die Kommission hat bislang nur eine Empfehlung gegeben, die noch das Parlament und den Ministerrat passieren muss. Sind diese Hürden gemeistert, muss eine Richtlinie erst durch die Mitgliedsstaaten umgesetzt werden, wobei diese einen Umsetzungsspielraum haben. Es ist also noch nicht sicher, ob ein ermäßigter MWSt-Satz für Hörbuchtonträger in eine Richtlinie und dann sogar ins deutsche Steuerrecht aufgenommen wird.

In dem Vorschlag der Kommission ist die Aufnahme von Hörbüchern in den Katalog der reduzierten MWSt-Sätze enthalten. Das ist ein großer Fortschritt, obgleich die Kommission unter den Begriff der Hörbücher nur solche Tonerzeugnisse fassen will, die „überwiegend denselben Informationsgehalt wiedergeben wie gedruckte Bücher“. Die Kommission will dies erreichen, indem sie das „Hörbuch“ in den Begriff „Buch“ mit aufnimmt.

Richtig durchdacht wirkt der Vorschlag der Kommission jedoch nicht, denn nur solche Hörbücher sollen in den Genuss der Steuersenkung kommen, die den Inhalt eines Buches „eins zu eins“ wiedergeben. Fallen gekürzte Lesungen oder Hör-Texte mit Musikeinspielungen dann gar nicht unter diese Definition?

Noch schlimmer für Hörbuchverlage ist das Ausklammern von Hörspielen, die seit Jahren zu den Gattungsformen des Hörbuchs zählen – sie bekommen die Steuersenkung wohl nicht, da sie naturgemäß den Inhalt eines Buches nicht eins zu eins wiedergeben.

Außerdem würden Original-Hörbücher (Lesungen, die ohne Buchvorlage direkt als Hörbuch produziert werden, z.B. Sachhörbücher) ebenfalls aus dem Raster fallen, den normalen MWSt-Satz behalten und damit teurer sein als Hörbücher, die die Inhalte von Büchern präsentieren.

Nach der Sommerpause wird sich der Ministerrat mit dem Vorschlag der Kommission befassen. Die Branche hofft nun, auf die Entscheidung noch irgendwie Einfluss nehmen zu können. Schließlich wirkt es unverständlich, warum z.B. Porno-Heftchen zu den „Kulturgütern“ zählen, aufwändig produzierte Hörspiele aber nicht.

Die „halbgare“ Ausgestaltung des Kommissionsvorschlags wird derzeit heiß diskutiert: Meinungen können auf www.hoerothek.de/index-mwst.htm abgegeben werden.
rw

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