20 Jahre OREOS-Verlag sind ein Grund zum Feiern: Am 17. November im Rahmen der Münchner Bücherschau und am 6. Oktober in den Hamburger Kammerspielen

Walter Lachenmann mag Bücher. Walter Lachenmann macht Bücher. Die handwerklich sorgfältige und ästhetisch gediegene Herstellung von Büchern ist seit Jahrzehnten nicht nur Beruf, sondern auch Berufung des gelernten Buchhändlers. Für viele renommierte Verlage hat der jüngere Bruder des Neue-Musik-Komponisten Helmut Lachenmann gearbeitet. Doch irgendwann regte sich der Wunsch nach Eigenem. 1982 war es soweit. Mit Faksimileausgaben historischer Reiseführer über Helgoland und den Tegernsee ging ein Ein-Mann-Verlag an den Start, der seitdem zahlreiche Bücher zu Kultur und Natur in Bayern veröffentlichte. Besondere Erwähnung verdient hier ein opulenter Band über die Villenkultur am Starnberger See, der inzwischen als Standardwerk der Architektur und Denkmalpflege gilt und dessen Autor Gerhard Schober in diesem Jahr zusammen mit dem Dirigenten Wolfgang Sawallisch der Oberbayerische Kulturpreis verliehen wurde.
Doch Walter Lachenmann ist nicht nur bekennender Wahl-Bayer (sein Geburtshaus stand in Stuttgart), sondern auch Jazzfan von Jugend an. Und eines war rar auf dem Buchmarkt vor zwei Jahrzehnten: sachkundige Information über Jazzmusiker und ihre Platten. Ein Gespräch in einem Münchener Schallplattengeschäft mit dem Vertriebsprofi und Journalisten Gerd Filtgen setzte die Idee in die Welt: eine Buchreihe über die großen Jazzmusiker, ihr Leben, ihre Musik, ihre Schallplatten, die „Collection Jazz“. Mit einer von Filtgen verfaßten John-Coltrane-Monographie begann ein mutiges Unterfangen, das über die Jahre zur umfangreichsten deutschsprachigen Jazzbuchreihe avancierte. Über dreißig Bände umfaßt inzwischen die „Collection Jazz“, einige davon sind als Lizenzausgaben in den USA und Japan erschienen, und sie ist längst zum unentbehrlichen Kompendium für Jazzbegeisterte geworden. Von Louis Armstrong bis Anthony Braxton, von Bix Beiderbecke bis Albert Mangelsdorff reicht die Galerie der von führenden deutschen Jazzautoren Portraitierten. Zu den bio-diskographischen Bänden (für die seit den späten Achtzigern Peter Niklas Wilson als Mitherausgeber zeichnet) gesellten sich Bücher über die großen Jazzgitarristen, zu aktuellen Debatten in der afroamerikanischen Kultur („Der Marsalis-Faktor“), aber auch ein Bildband mit den Jazzplakaten Niklaus Troxlers, dessen markante Graphiken seit über einem Jahrzehnt das Gesicht der „Collection Jazz“ prägen.
Mit den jüngsten Zuwächsen geht Oreos quasi „back to the roots“: Ein neu verfaßter Coltrane-Band des Münchener Journalisten Ralf Dombrowski trägt der Notwendigkeit Rechnung, nach zwei Jahrzehnten ein neues, auch kritischeres Bild der überlebensgroßen Jazz-Ikone zu entwerfen. „Klänge, Zeiten, Musikanten“ heißt der zweite aktuelle Oreos-Titel, der Walter Lachenmann mit besonderem Stolz erfüllt: Ein bibliophil gestalteter Band, in dem der Hamburger Kulturpublizist Werner Burkhardt seine schönsten Portraits und Reportagen über „ein halbes Jahrhundert Jazz, Blues und Rock“ versammelt hat, von Benny Goodman bis Jimi Hendrix, von Duke Ellington bis John Lee Hooker, mit zum Teil bislang unveröffentlichten Bildern, die zum größten Teil von dem bekannten Jazzphotographen Josef Werkmeister stammen, aber auch von Val Wilmer, Ralph Quinke u.a.
20 Jahre Oreos: ein Grund zum Feiern. Und so wird es geschehen: am 6. Oktober in einer Matinée der Hamburger Kammerspiele, bei der Werner Burkhardt mit dem Kontrapunkt eines Jazztrios aus „Klänge, Zeiten, Musikanten“ liest, und am 17. November im Rahmen der Münchener Bücherschau mit den Autoren beider Neuerscheinungen und live-Musik.

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.