MairDumont-Seniorchef Dr. Volkmar Mair zur Übernahme von CartoTravel

Das Tauziehen ist nun beendet. CartoTravel gehört zu Mairdumont [mehr…]. Die Mitarbeiter von CT waren offen gegen diese Lösung und deshalb sogar auf die Straße gegangen [mehr…], [mehr…]. Wie es nun weitergehen soll, dazu Dr. Volkmar Mair im Interview gegenüber buchmarkt.de:

Dr. Volkmar Mair

Buchmarkt.de: Was werden Sie als erstes nach dem Kauf tun?
Dr. Volkmar Mair: Das wichtigste für den Handel ist, dass ADAC-Produkte auf dem Markt bleiben werden. Der ADAC hat uns eine Lizenz gegeben und die Verpflichtung, die Marke auf dem Markt zu halten. Und das passt sehr gut in unsere Strategie.
Welche Strukturen das Angebot im Einzelnen haben wird, müssen wir uns noch ansehen. Es gibt kein Land der Welt mit einem so großen und unübersichtlichen Kartenangebot. Was wir im einzelnen übernehmen können, ist noch offen. Wir müssen sehen, was läuft und was nicht.

Die Mitarbeiter bei CartoTravel machen sich Sorgen um ihre Zukunft. Werden Sie alle Mitarbeiter – auch auf Dauer – übernehmen?
Wir sind heute an allen Standorten in Bad Soden, Berlin und Gotha, wo wir mit den Mitarbeitern sprechen. Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, die Gespräche mit großem Respekt anzugehen. Sicher wird das Auswirkungen auf die Zahl der Mitarbeiter haben. Aber niemand hätte eine Garantie für alle Mitarbeiter geben können. Natürlich wird es Vorwürfe geben, darauf müssen wir uns einstellen. Wir haben aber großen Respekt vor der Arbeit bei CartoTravel: Was in der Kartografie gemacht wurde, gehört – vor allem in der Stadtkartografie – zur Weltspitze.

Im Vorfeld hat es Demonstrationen gegeben, ist damit nicht ein ungünstiges Klima vorgegeben?
Es ist das gute Recht und die Aufgabe eines Betriebsrates, für den Erhalt von Arbeitsplätzen zu kämpfen. Das ist das Normalste auf der Welt. Wir sind heute früh mit dem Betriebsrat zusammengekommen. Es waren faire und anstrengende Verhandlungen. Unser Wunsch ist es, mit dem Betriebsrat ein gutes Einvernehmen zu erzielen. Allerdings stoßen die Dinge manchmal auch aufeinander. Aber damit haben wir große Erfahrungen, zum Beispiel bei der Übernahme von Falk und R+V.

Schließlich muss noch das Kartellamt zustimmen, es hat früher bereits eine Kooperation mit dem ADAC untersagt. Wie sehen Sie dem entgegen und welchen Argumenten wollen Sie es überzeugen?
Beim Kauf von R+V und Falk hat uns das Kartellamt die Auflage gemacht, die Zusammenarbeit mit dem ADAC einzustellen. Damals waren wir falsch beraten und hatten ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet. Da hat das Kartellamt den ganzen ADAC zugerechnet. Das ist heute anders, wir haben den Verlag übernommen und damit ist der ADAC raus. Eine Alleinstellung hat man nie, wenn man vernünftig handelt. Wir fühlen uns nicht als Monopolist. Der Buchhandel wird bald merken, dass wir ihm nicht überhöhte, sondern anständige und faire Angebote machen. Wir werden die Strukturen für Handel und Verbraucher weiter attraktiv gestalten.

Sieben Mitbewerber hatten Sie für den Kauf: Was haben Sie geboten, um den ADAC für sich zu gewinnen?
Entscheidend war sicher unsere Präsenz am Markt. Wenn so viel investiert wurde wie es der ADAC getan hat, dann möchte er auch, dass die Produkte auf dem Markt bleiben. Zwischen dem ADAC und uns gibt es deshalb einen Lizenzvertrag.

War die ADAC-Lizenz für Sie das wichtigste?
Das ist hier wie überall auf der Welt. Auch bei einer Automarke kauft man hauptsächlich den Markennamen. Um die Marke Shell müssen wir uns auch erst erneut bewerben. Auch da ist uns die Zusammenarbeit wichtig. Es geht um die Strategie: Man muss die Marke zum Blühen bringen.

Was hat der Handel vom Kauf?
Für den Handel bedeutet er doch den Vorteil: Ein Vertreter, eine Rechnung, und eine Sendung. Das ist in schwierigen Zeiten ein unübersehbarer Vorteil.

Es heißt, erste Kunden seien wegen des Tauziehens bereits abgesprungen, wie wollen Sie das Vertrauen wieder herstellen?
Wenn jemand abgesprungen sein sollte, wovon wir aber noch nichts gehört haben, werden wir alles tun, um ihn wieder zurückzugewinnen.

Die Fragen stellte Matthias Koeffler

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