Suhrkamp in der Durchgangsstation

Das Urteil im Prozess um den möglichen Ausschluss der beiden Suhrkamp-Gesellschafter wird das Landgericht Frankfurt/Main am 13. November verkünden. Das gab der Vorsitzende Richter zum Abschluss der mündlichen Verhandlung am heutigen Mittwoch bekannt. Zu welchem Ergebnis die Kammer kommen werde, ließ der Richter ausdrücklich offen.

Bereits im Februar war das Landgericht mit der Sache beschäftigt gewesen, seinerzeit hatte der Richter die Verhandlung auf den September vertagt und beide Parteien dazu ermahnt, im Sinne der Zukunft des Hauses Suhrkamp zu einer Lösung zu kommen. Dies ist bekanntlich nicht geschehen, weshalb der Richter zu Beginn der mündlichen Verhandlung, zu der Minderheitsgesellschafter Hans Barlach persönlich erschienen war, den beteiligten Parteien in einem dreiviertelstündigen Monolog gehörig die Leviten las; seine Enttäuschung über das Verhalten der Prozessgegner schwang in jedem seiner Worte mit. „Der Prozess ernährt sich selbst“, stellte er fest, und zwar durch die ständigen Äußerungen und Handlungen beider Parteien.

Ausführlich gewürdigt wurde der Umgang von Ulla Unseld-Berkéwicz mit den Mitteln des Verlags: Dienstwagen samt Chauffeur, ein Hausmeisterehepaar für die Privatvilla, die Begleichung privater Kosten für Einrichtung und Architektentätigkeiten, die Anschaffung eines Flügels im Wert von 40.000 Euro für ihren als Konzertpianisten tätigen Bruder – stets griff, wie der Richter sagte, Frau Unseld-Berkéwicz in die Kasse des Unternehmens, das sie zwar führt, dessen Eigentümerin sie allerdings nicht sei.

Der Austausch der Stellungnahmen der Anwälte beider Seiten brachte wenig Neues, mehrfach fuhr der Richter genervt dazwischen und stellte abschließend fest, es sei ein Novum, das zwei Gesellschafter in dieser Weise sich gegenseitig des Bruchs von Verpflichtungen bezichtigen und sich jeweils selbst mit reiner Weste darzustellen suchen.

Interessantes erfuhren die Zuhörer aus Bemerkungen am Rande: so etwa, dass die Suhrkamp-Immobilie in der Lindenstraße für 5,5 Millionen Euro verkauft wurde, dass das Literaturarchiv 6,6 Millionen eingebracht hat, dass ein Gemälde von Andy Warhol für eine Million Euro weg ging, dass Hans Barlach 2,4 Millionen Euro an Joachim Unseld für 10 Prozent der Suhrkamp-Anteile gezahlt hat, und dass die Finanzplanung des insolventen Suhrkamp Verlags vor kurzem noch von 4,4 Millionen Euro liquiden Mitteln zum Jahresende ausgegangen ist, was auch im Insolvenzplan nicht wesentlich anders dargestellt werde.

Wie auch immer das Urteil am 13. November ausfällt: Der Richter sagte gleich eingangs, er sei sich bewusst, dass diese Instanz nur eine Durchgangsstation sei für Entscheidungen höherer Gerichte.

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.