„The winner takes all“: Campus-Verleger Thomas Carl Schwoerer wieder mit traditionellem Jahresbericht

Thomas Carl Schwoerer

Diesen traditionellem Jahresbericht (einst von seinem Vater und Campus-Gründer Frank Schwoerer erfunden) hat Campus Verleger Thomas Carl Schwoerer (Foto) auch in diesem Jahr an „Autoren-, Berater-, Gesellschafter-, Herausgeber- und MitarbeiterInnen“ geschrieben – und hier ist er für alle anderen nachzulesen.

Bericht zum Jahresende 2012 – an Autor-, Berater-, Gesellschafter-, Herausgeber-, MitarbeiterInnen
Liebe Freunde,
beim letztjährigen Zeitungssterben (Financial Times Deutschland, Frankfurter Rundschau in Insolvenz) hat das „winner takes all“-Phänomen, dessen Bedeutung auch im Buchmarkt zunimmt, wieder zugeschlagen: Vom dramatischen Anzeigenrückgang im zweiten Halbjahr war zwar jedes deutsche Printmedium betroffen. Die höherauflagigen Medien (Spiegel, FAS, Zeit) konnten ihn aber deutlich besser verkraften als jene beiden Grenzanbieter, die schon vorher nur die (quantitativen) Schlusslichter bildeten und daher am stärksten von Einbrüchen tangiert wurden.

Traurigkeit ist das eine Gefühl, das mich nach dieser Entwicklung beschleicht. Beide Blätter habe ich abonniert, beide brachten Rezensionen sowie Reportagen von potenziellen Autoren, und speziell die FR war gelegentlich eine Plattform für friedenspolitische Gegenöffentlichkeit. Zugleich wird dem Kleinunternehmer in mir schwindelig bei der Höhe der Verluste, die beide Zeitungen Jahr für Jahr anhäuften.

Auf den Zeitungs- wie Buchmärkten spielen zudem strukturelle Veränderungen durch die Ausbreitung von Smartphones, Tablets und sozialen Netzwerken eine wichtige Rolle. Die Medien werden nur überleben durch die Entwicklung attraktiver, kostenpflichtiger Angebote im Netz. Ermutigend sind hier die beachtlichen, wenn auch quantitativ noch nicht ausreichenden Erfolge von New York Times, Wall Street Journal und englischsprachiger Financial Times. Auch Welt.de und Bild.de haben Ende 2012 bzw. werden Mitte 2013 Bezahlmodelle einführen. Sollten sie von Erfolg gekrönt sein, wird dies die Akzeptanz für hinreichend teure elektronische Buchinhalte erhöhen.

Ferner sorgte die Elefantenhochzeit der Buchverlage Random House und Penguin für Schlagzeilen. Direkte Auswirkungen auf den deutschsprachigen Markt sind nicht zu vermuten. Der Hauptnutzen dieser Fusion dürfte in Ersparnissen von rund 160 Million US-Dollar in Druck und Logistik liegen, die für Investitionen im elektronischen Bereich zur Verfügung stehen. Gewiss werden die Beteiligten nicht dem sonst häufig bei Fusionen anzutreffenden Irrtum erliegen, dass ein Adler entstehe, wenn man zwei Hühner zusammenbindet – zumal es sich hier wahrlich nicht um Hühner, sondern eben um Elefanten handelt. Aber was passiert, wenn man zwei Elefanten zusammenschnürt?

Zur bis Jahresmitte intensiven Urheberrechtsdiskussion verkneife ich mir die sonst hier üblichen Ausführungen und verweise stattdessen auf diesen Link zu unserer Homepage und meinem dort zu findenden Essay (erschienen in Aus Politik und Zeitgeschichte). Hübsch war Matthias Döpfners Charakterisierung (im Interview mit der Zeit) von Googles Kampagne gegen das Leistungsschutzrecht für Zeitungsverlage: „Das ist so, als würde eine Hehlerbande bei Amnesty International eine Menschrechtspetition zur Verteidigung der freien Bürgerrechte beim Ladendiebstahl einreichen.“

Meanwhile, back at the ranch hat sich die Vertriebsabteilung bei Campus schon mal dahingehend umgebaut, dass wir mehr Kraft als bisher in die elektronische Zukunft investieren, in enger Kooperation mit dem Lektorat digitale Produkte speziell für die Nutzungsgewohnheiten unserer Zielgruppe entwickeln und in allen Vertriebskanälen eine maßgebliche Rolle spielen. Solche Umbaumaßnahmen haben einige andere Verlage erst noch vor sich.

Die Campus Keynotes sind gestartet, das sind kurze Debattenbeiträge in rein digitaler Form, welche die Lücke füllen zwischen dem gedruckten Buch – umfassend, aber produktionsbedingt langsamer – und dem Zeitungs-, Magazin- oder Blogartikel – schnell, doch meist nur an der Oberfläche kratzend. Die Resonanz war ermutigend: „Der Ausweg aus der Krise“ des Wirtschaftsnobelpreisträgers Paul Krugman und „Euro-Tsunami“ des FAS-Wirtschaftsexperten Patrick Bernau waren mehrere Tage unter den Top 10 der Amazon-E-Book-Verkäufe. Krugman wurde auszugsweise abgedruckt in Spiegel Online, Bernau ganzseitig rezensiert in der FAS, und die Keynotes in Gänze im Feuilleton der SZ angekündigt.

Dass wir unseren Spitzentitel „Radikal führen“ von Reinhard K. Sprenger in der gedruckten Form inklusive E-Book ausgeliefert haben, kam bei Lesern und Buchhändlern gleichermaßen gut an. Wir lernen daraus und werden dies im Jahr 2013 bei Spitzentiteln fortsetzen. Auch über das E-Book hinaus haben wir im Zusammenspiel mit diesem herausragenden Autor alle Register gezogen und viel aus unserem Erfolg gelernt.

Im Wissenschaftssegment stachen als größte Erfolge zwei Globalgeschichten hervor, Jane Burbanks und Frederick Coopers „Imperien der Weltgeschichte. Das Repertoire der Macht vom alten China bis heute“ sowie die Sonderausgabe von John Darwin, „Der imperiale Traum. Die Globalgeschichte großer Reiche 1400-2000“, und in den Sozialwissenschaften nicht minder „Armut im Alter. Probleme und Perspektiven der sozialen Sicherung“, herausgegeben von Christoph Butterwegge, Gerd Bosbach und Matthias W. Birkwald. Beachtliche Aufmerksamkeit erzielte außerdem eine der ersten soziologischen Auseinandersetzungen mit der Finanzkrise: Klaus Kraemer und Sebastian Nessel (Hg.), „Entfesselte Finanzmärkte. Soziologische Analysen des modernen Kapitalismus“ sowie Christine Wimbauers Studie über Doppelkarriere-Paare „Wenn Arbeit Liebe ersetzt“.

Unsere Umsatz-Renner des Jahres 2012 sind: Sprenger »Radikal führen«, Baumeister »Die Macht der Disziplin«, Eagleman »Inkognito«, Osterwalder »Business Model Generation«, Buckingham »Entdecken Sie Ihre Stärken jetzt!«, Malik »Führen Leisten Leben«, Wagenknecht »Freiheit statt Kapitalismus«, Simon »Hidden Champions – Aufbruch nach Globalia«, Nuber »Wer bin ich ohne dich?«, Küstenmacher »Simplify your day 2013«, Burchardt »Ausgegeizt«, Fisher/Ury »Das Harvard-Konzept«, Scherer »Glückskinder«, Hück »Volle Drehzahl«, Krugman »Vergesst die Krise!«, Kuban »Blut muss fließen«, Doppler/Lauterburg »Change Management«, Clark »Business Model You«, Collins »Oben bleiben. Immer«, Maucher/Malik »Maucher und Malik über Management«.

Die Besten nach Absatzzahlen: Sprenger »Radikal führen«, Baumeister »Die Macht der Disziplin«, Küstenmacher »Simplify your day 2013«, Eagleman »Inkognito«, Wagenknecht »Freiheit statt Kapitalismus«, Buckingham »Entdecken Sie Ihre Stärken jetzt!«, Malik »Führen Leisten Leben«, Nuber »Wer bin ich ohne dich?«, Osterwalder »Business Model Generation«, Scherer »Glückskinder«, Burchardt »Ausgegeizt«, Hück »Volle Drehzahl«, Kuban »Blut muss fließen«, Graeber »Inside Occupy«, Fisher/Ury »Das Harvard-Konzept«, Krugman »Vergesst die Krise!«, Simon »Hidden Champions – Aufbruch nach Globalia«.

Diesen Rennern verdanken wir maßgeblich, dass wir das Geschäftsjahr wieder mit schwarzen Zahlen abgeschlossen haben.

„Die Macht der Disziplin“ stand fünf Wochen lang unter den ersten 20 auf der Spiegel-Bestsellerliste, „Wer bin ich ohne dich?“ auf Platz 4 der Psychologie-Bestsellerliste im Buchreport, „Blut muss fließen“ unter den ersten 20 auf der neuen Paperback-Bestsellerliste des Spiegel und „Radikal führen“, „Ausgegeizt“, „Freiheit statt Kapitalismus“ und „Führen, leisten, leben“ weit oben auf der Wirtschaftsbestsellerliste des Manager Magazins. „Radikal führen“ stand außerdem auf Platz 1 der Liste von getAbstract, „Hidden Champions – Aufbruch nach Globalia“ auf Platz 3.

Wichtig dafür war wieder das schöne Medienecho: Christian Thomas schrieb im Rahmen einer doppelseitigen Rezension in der FR über „Imperien der Weltgeschichte“ von Jane Burbank und Frederick Cooper, dass Campus „wie kein zweiter deutscher Verlag schon seit Jahren Raum für Globalgeschichten bietet“. „Radikal führen“ von Reinhard Sprenger bekam einen Vorabdruck in der Wirtschaftswoche sowie schöne Rezensionen in der SZ und FTD. Der Autor führte große Interviews mit Brand Eins, Hamburger Abendblatt und Handelsblatt. „Hidden Champions – Aufbruch nach Globalia“ von Hermann Simon wurde rezensiert in der Zeit, Handelsblatt, FAZ, SZ, Harvard Business Manager, NZZ und Absatzwirtschaft. Interviews erschienen in Manager Magazin, Tagesschau.de, Brand Eins und FAZ. Der Spiegel brachte eine zweiseitige Rezension zu „Blut muss fließen“ von Thomas Kuban.

„Wer bin ich ohne dich?“ von Ursula Nuber war die Titelgeschichte von Psychologie Heute und erschien gleich zweimal auf Handelsblatt.de. Die Autorin führte mehrseitige Interviews mit Freundin Donna, emotion und Bunte und trat im NDR- und SWR-Fernsehen auf. „Volle Drehzahl“ von Uwe Hück wurde rezensiert in der FAZ, SZ, Zeit, Literarische Welt, Handelsblatt und Bild und war Gegenstand einer Titelgeschichte in Focus. Der Autor trat bei Anne Will, Markus Lanz und Maybritt Illner auf. Sahra Wagenknecht wurde mit „Freiheit statt Kapitalismus“ ganzseitig in FAZ und SZ interviewt, Ersteres zusammen mit dem Patensohn von Trotzki, einem intellektuellen Kopf von Occupy. Franziska Augstein schrieb eine Eloge auf „Inside Occupy“ von David Graeber in der SZ, die dort auch als Video veröffentlicht wurde. The Deutsche von Georg Meck bekam einen großen Abdruck in der FAS und eine Rezension im Handelsblatt, und Heute.de brachte ein Interview mit dem Autor. Weitere herausragende Veröffentlichungen gab es für „Euro-Vision“ von Henrik Müller, „Am besten wirst du Arzt“ von Sonja Hofert , „Ambition“ von Dorothea Assig und Dorothee Echter und das „Jobinterviewknackerbuch“ von Anne Jacoby und Florian Vollmers.

In unserem Wissenschaftssegment hat Rainer Hank eine Eloge in der FAS auf „Kritik der Souveränität“ von Daniel Loick geschrieben. Tim von Arnim führte Interviews in der Welt und Titel, Thesen, Temperamente für „Und dann werde ich das größte Zeitungshaus Europas bauen“. Das Buch wurde besprochen in FAS, FAZ und SZ. „Die Welt des Baedeker“ von Susanne Müller wurde fast ganzseitig in der FAZ, außerdem in der SZ rezensiert. Die FAZ rezensierte „Egoshooter“ von Stephan Günzel. Und die SZ brachte Rezensionen von „Pleitiers und Bankrotteure“, herausgegeben von Ingo Köhler und Roman Rossfeld, „Entfesselte Finanzmärkte“, herausgegeben von Klaus Kraemer und Sebastian Nessel, und „Finanzen und Fiktionen“, herausgegeben von Christine Künzel und Dirk Hempel.

Dies war außerdem das zehnte Jahr, in dem es Preise und Ehrungen bei Campus gab. »Hidden Champions – Aufbruch nach Globalia« von Hermann Simon wurde von der Oskar-Patzelt-Stitung als bestes Mittelstandsbuch des Jahres prämiert. Hermann Simon selbst und Fredmund Malik wurden von Managementdenker.de als zweit- bzw. fünfteinflussreichster Managementdenker im deutschsprachigen Raum ausgezeichnet. „Ausgegeizt!“ von Uli Burchardt bekam den getAbstract-Preis, der Autor wurde zum Oberbürgermeister der Stadt Konstanz gewählt. “Leadership 2.0“ von Maren Lehky wurde von der German Speakers Association als Trainerbuch des Jahres 2012 in Bronze prämiert. Axel Koch war mit „Die Weiterbildungslüge“ unter den Finalisten zum Deutschen Weiterbildungspreis.

Aus dem Wissenschaftssegment bekam Seyla Benhabib, Autorin von „Kosmopolitismus und Demokratie“, den Dr. Leopold Lucas-Preis. Christoph Jahr wurde für „Antisemitismus vor Gericht“ mit dem Richard-Schmid-Preis ausgezeichnet. „Am Ende der Gewissheiten“ von Frank Uekötter und „Weltnaturschutz“ von Anna-Katharina Wöbse wurden als Umweltbuch des Monats vom Jahrbuch Ökologie ausgezeichnet. „Kritik der Souveränität“ von Daniel Loick stand auf der Shortlist für den Förderpreis der Volkswagen-Stiftung für die beste wissenschaftliche Nachwuchspublikation des Jahres. Und „Imperien der Weltgeschichte“ von Jane Burbank/Frederick Cooper sowie „Rechter und linker Populismus“ von Karin Priester standen auf Platz 3 bzw. 7 der Bestenliste Sachbücher des Monats von SZ und NDR.

Viel zu früh ist unser Autor Fritz Roth verstorben. Es war imponierend und ermutigend, mit welcher Würde, Kraft und Offenheit er mit dem bevorstehenden eigenen Tod umgegangen ist, nach all den Jahren, in denen er sich für mehr Freiheit und Bewusstsein in unserer Sterbekultur eingesetzt hat. Tragisch war auch Norbert Walters plötzlicher Tod. Vollkommen unerwartet sind außerdem Ronny Loewy und Michael Greven verstorben.

Fürs Frühjahr 2013 freuen wir uns auf unseren Spitzentitel »Deal!« des Bestsellerautors Jack Nasher und neue Werke der bekannten Autoren Gunter Dueck, Susanna Filbinger, Stephan Grünewald, Michael Hardt, Antonio Negri, Edzard Reuter, Hermann Scherer, Stefan Scheer, Tim Turiak, Christian Püttjer, Uwe Schnierda, Richard Nelson Bolles, Jens Beckert, Jürgen Martschukat, Olaf Stieglitz, Stefan Hradil und vielen anderen mehr.

Zu den Guten Vorsätzen, die ich Angela Merkel gerne auferlegen würde, gehört eine deutliche Reduktion der deutschen Rüstungsexporte statt deren drohender Ausweitung. Seit geraumer Zeit steht ausgerechnet Deutschland auf Platz 3 weltweit; in den vergangenen zehn Jahren hat sich das Volumen von Rüstungsexporten aus Deutschland versechsfacht. Für nähere Informationen www.aufschrei-waffenhandel.de

Ich danke den MitarbeiterInnen für ihr großes Engagement und Ihnen für
Ihre beständige Mit- und Zusammenarbeit, wünsche uns selbige auch für
die Zukunft und Ihnen, Ihren und unseren MitarbeiterInnen ein glückliches
und erfolgreiches neues Jahr.
Ihr
Thomas Carl Schwoerer

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