Hanser Wirtschaft: Retro ist schick

In Zeiten, in denen Programme immer austauschbarer werden und jede neue Idee von der Konkurrenz absorbiert wird, kaum, dass sie auf dem Markt ist, müssen die Macher von Büchern sich immer wieder neue Kleinigkeiten einfallen lassen, mit denen sich die Leser eventuell beeindrucken lassen.

Beim Hanser-Wirtschaftsverlag hat man folgerichtig ein gestalterisches Merkmal wieder belebt, das bis zum 19. Jahrhundert gang und gäbe war: das Frontispiz. Handelte es sich in früheren Zeiten meist um ein Bildnis des Verfassers, kamen später allegorische Darstellungen in Mode.

An diese Tradition will die Gestaltung der aktuellen Novitäten des Wirtschaftsprogramms bei Hanser anschließen. Programmleiter Martin Janik, selbst als „gelernter“ Germanist dem Schöngeistigen durchaus zugetan, sieht in der Verbindung von eher trockenen Wirt- schaftsthemen und künstlerischer Veredelung einen Glücksfall: „Ich habe Stefan Shaw kennen gelernt, der bei der Boston Consulting Group Unternehmensberater war, sich dann mit einer Galerie selbstständig gemacht hat und außerdem Unternehmen berät, die mit Künstlern zusammenarbeiten wollen. Das brachte mich auf die Idee, Kunst und Wirtschaft in unseren Büchern in einen, wie ich finde, spannenden ‚Dialog‘ zu bringen: Der Leser/Betrachter sieht das Kunstwerk gleichzeitig mit dem Titel des Buches, der auf der gegenüberliegenden Seite platziert ist. Dadurch entsteht eine interessante Spannung, die zum Nachdenken anregt.“

Wie werden die Künstler ausgesucht? „Nun“, so Martin Janik, „Stefan Shaw und ich suchen gemeinsam nach Bildern, die besonders gut zu unseren Büchern passen.“

Die neue Gestaltung prägt mittlerweile verschiedene Bücher und soll auch in Zukunft beibehalten werden. Bisher haben sich 2 Künstler für das Projekt engagiert, Magdalena Jetelová mit ihrem Kunstwerk „Iceland
Project” (im Buch Pierer/Homann/Lübbe-Wolff, Zwischen Profit und Moral) und mit ihrem Kunstwerk „Idee einer Installation in Thorr” (in Manzoni/Barsoux, Das Versager-Syndrom). Außerdem noch Felix Weinold mit seinem Kunstwerk „hall” (in Nehring, Schwerer Ausnahmefehler) und mit seinem Kunstwerk „Leonardo” (in Rischard, Countdown für eine bessere Welt). Wie haben Leser und Handel bisher auf die außergewöhnliche Idee reagiert? Martin Janik ist zufrieden: „Ich spreche immer wieder mit Lesern, die diese Idee sehr schätzen und spüren, dass wir uns da etwas ganz Besonderes haben einfallen lassen. Und die Buchhändler lieben die Kunstwerke!“
CMT

BuchMarkt 1/2004

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