Ulrich Granseyer zum Brockhausverkauf

Ulrich Granseyer

buchmarkt.de: Es gab ja bereits in den vergangenen Monaten deutliche Anzeichen, dass es mit dem Brockhaus-Lexikon-Geschäft schwieriger wird. Jetzt haben Sie an wissenmedia verkauft. Direkt gefragt: Was können die, was Sie nicht können?

Ulrich Granseyer: Wir betreiben kein eigenes Direktvertriebsgeschäft, hier ist inmediaONE Spezialist und hat die Möglichkeit hier die Marke Brockhaus auszubauen und weiter zu stärken. Das wird wissenmedia als Tochtergesellschaft von inmediaONE intensiver betreiben können als wir.

buchmarkt.de: Wäre es dann nicht auch eine Option gewesen, statt zu verkaufen, den Vertrieb zu verstärken?

Ulrich Granseyer: Das hätte bedeutet, wir müssten einen Direktvertrieb aufbauen – genau den haben wir aber 2001 an inmediaONE verkauft. Deshalb gab es diese Option für uns nicht ernsthaft. Stattdessen haben wir uns entschieden, die Kernmarken Duden und Kalender zu stärken.

buchmarkt.de: Aber Sie müssen sich von Ihrer Traditionsmarke verabschieden…

Ulrich Granseyer: Wohl wahr. Das ist natürlich schmerzlich für uns. Aber andererseits ist es auch gut zu wissen, dass diese weltbekannte Firma Brockhaus auch in Zukunft auf dem Wissensmarkt eine Rolle spielen wird.

buchmarkt.de: Wieviele Mitarbeiter in Leipzig wird es treffen?

Urlich Granseyer: 48 Festangestellte und 12 befristete Mitarbeiter. Die konnten nicht übernommen werden. Es klingt jetzt sicher böse, wenn ich sage, dass das ein Synergieeffekt ist: wissenmedia kann mit seiner redaktionellen Kompetenz die Inhalte von Brockhaus durchaus allein bewältigen. Andererseits: Die Konkurrenz zum Internet mit all seinen kostenlosen Informationen ist ein zwingender Grund, genau darauf zu sehen, wieviel Personalkosten pro Information wirtschaftlich überhaupt noch gehen.

buchmarkt.de: wissenmedia will auch den gedruckten Brockhaus fortführen…

Ulrich Granseyer: Auch das hat etwas mit dem Direktvertrieb zu tun: Brockhaus ist ab sofort eingebettet in ganze Wissenswelten und steht nicht mehr als teures Printwerk im Sortiment für sich allein. Das sehe ich als eine neue Chance für das Werk.#

Die Fragen stellte Ulrich Faure.

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