"Was erwartet uns zu Corona in den Buchhandlungen? Welcher Horror steht uns dieses Jahr bevor?" Im Folgenden ein paar mögliche Szenarien: „Virus-Weihnacht“ — ein Gedicht von Buchhandels-Azubi Barbara Odendahl

Barbara Odendahl

 

Barbara Odendahl, Auszubildende Buchhändlerin bei Bücher-Bosch (Bonn) im 3. Lehrjahr: „Zu unserer diesjährigen ‚Weihnachtsfeier‘ – so gut das eben geht zu Coronazeiten – wichtelten wir in unserer Buchhändler-Berufsschulklasse (Berufskolleg Bachstraße). Da ein kleiner Programmpunkt nicht fehlen darf, schrieb ich kurzerhand ein Gedicht. Was erwartet uns zu Corona in den Buchhandlungen? Welcher Horror steht uns dieses Jahr bevor? Im Folgenden ein paar mögliche Szenarien…“:

Virus-Weihnacht

 

Dieses Jahr im Kaufhausrausch

bringst du nicht nur Einkauf nach Haus.

Dort wird gehustet, da genießt,

bis du auch den Virus kriegst.

 

Als Buchhändler macht’s besonders Spaß,

weil du da ganz eigene Kunden hast.

Darf ich in dieses Buch mal reingucken?“

Umgeblättert wird mit Finger – aber vorher draufspucken.

 

Die nächste Frage lässt nicht lang warten.

Können Sie mich bei der Politik beraten?

Ich such‘ was gegen die Merkel-Diktatur,

die erfindet Corona nämlich nur!“

 

Auch der dritte Kunde kann mir den Tag nicht versüßen.

Maske vor den Augen oder auf dem Kopf wie ein Hut,

da schützt sie besonders gut.

Kreativität lässt grüßen.

 

Der Nächste hat sie gar nicht auf,

zückt ein Attest mit Stempel drauf.

Ich darf das, sagt der Arzt, die gute Seele,

und jetzt hätte ich gern ein Buch aus der Medizin, ich hab Kratzen in der Kehle.“

 

Verständnis ist in dieser Zeit,

ein Fremdwort weit und breit.

Wie, Sie packen keine Bücher ein?

Was ist das denn für ein Scheißverein?

 

Und die Toilette kann ich nicht konfiszieren?

Soll ich auf den Boden urinieren?

Sie schließen schon um 18 Uhr?“

Von Nachsicht keine Spur.

 

Beim Kassieren wird bezahlt in Stücken,

Ich hab’s passend“ – sehr beglückend.

Kontaktlos wird halt erst noch Trend.

Ist – wie der Virus – manchen fremd.

 

Zum Advent dann lange Öffnungszeiten,

kann man jetzt den Kunden Freude bereiten?

Gemeckert wird weiter, das nimmt kein Ende.

Ich starre vor Verzweiflung Löcher in die Wände.

 

Also Amazon bietet das viel günstiger an.“

Ja, dann liegt das aber daran, dass Sie beim E-Book-Preis guckten.“

– „Das kann gaaar nicht sein!“

Und dann stand’s doch im Kleingedruckten.

 

Der Laden füllt sich, dicht an dicht,

„Hey! Mindestabstand! Kapierst du denn nicht?“

Vor der Kasse in der Schlange

gibt’s ein großes Handgemenge.

 

Weil die 1,50 gerade fehlen

– da hilft dann auch nicht Reden –

fangen die ersten an zu schubsen und zu treten.

Fehlen nur noch die Macheten.

 

Problemlösungsansatz gescheitert,

das Personal sehr erheitert,

deeskaliert die Lage,

so vergehen die Weihnachtstage.

 

4. Dezember dann, ab 13 Uhr haben wir geschlossen,

kommt noch ein Kunde vorgeschossen.

„Ich brauche noch ein Weihnachtspräsent!“

… 14 Uhr. Buchhändler in Dachkammer erhängt.

 

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