Börsenverein VLB plus soll Metadatenbank für die Branche werden / Neue Mitglieder durch Leistungen anlocken / Problem sind Bücher-Bummel-Sendungen

Stefan Könemann eröffnet
das 12. Branchenparlament

Heute Haus des Buches in Frankfurt: das 12. Branchenparlament hat getagt. Auf der Tagesordnung standen die Themen Aufbau einer Metadatenbank, die Öffnung des Börsenvereins für weitere Mitglieder und die neue Buchmarketingaktion „Vorsicht Buch!“.

Parlamentspräsident Stefan Könemann begrüßte die 62 Anwesenden, die stellvertretende Vorsitzende des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Viola Taube, ehrte Stephan Joß und Prof. Dr. Christian Uhlig mit der Goldenen Nadel [mehr…].

VLB plus: die erweiterte Metadatenbank
Zum Aufbau einer Metadatenbank stellte Thomas Wrensch, Vorsitzender des Sortimenterausschusses, einführend fest, dass eine Beratungskompetenz der Sortimenter nur mit vernünftigen Daten gewährleistet werden kann. Der MVB erhielt dafür am 16. April einen entsprechenden Auftrag: der E-Book-Reader Tolino der großen Kettenbuchhändler sei ein gutes Beispiel, wie auch Konkurrenten zusammenarbeiten können. „Wir müssen über unseren Schatten springen“, forderte Wrensch.

MVB-Geschäftsführer Ronald Schild präsentierte auf verschiedenen Folien, wie er sich eine zukünftige Metadatenbank vorstellt und zeigte dabei eine Vielfalt von Möglichkeiten auf, die unterschiedlichsten Informationen mit einzubinden. „Der Aufbau einer solchen Datenbank heißt nicht, dass libreka! den Verkauf von E-Books einstellt“, unterstrich er. Er bestätigte Gespräche mit der Tolino-Allianz. Aus dem derzeitigen VLB würde VLB plus werden. Als unabhängige und neutrale Plattform habe das VLB für Verlage und Handel gleichermaßen eine besondere Bedeutung. Zunehmend seien dabei Informationen über vergriffene Bücher wichtig.

Schild konstatierte gleichwohl auch unterschiedliche VLB-Interessen auf Verleger- und Buchhändlerseite. Alle VLB-plus-Informationen der Verlage kämen explizit den Buchhändlern zugute. Was einer der entscheidenden Punkte sei: Denn diese Informationen seien nur den Branchenteilnehmern vorbehalten, sie sollen nicht den großen Internetplattformen in die Hände spielen. Klar ist, daß damit die Internetpräsenz www.buchhandel.de überarbeitet werden muß.

Fazit der Präsentation: Eine Branchenlösung ist notwendig. Dabei trete die MVB in den Gesprächen mit Tolino als Mittler im E-Book-Geschäft auf. Der Buchhandel soll durch eine gemeinsame Lösung stärker als bisher eingebunden werden. Die Rolle von libreka! werde sich im Ergebnis dieser neuen Vorhaben ändern. „Der Aufbau einer solchen Datenbank stellt hohe Anforderungen an die gesamte Branche“, schloss Schild.

In der Diskussion meldete sich Umbreit-Chef Thomas Bez als Erster und fragte, ob die Verlage überhaupt bereit seien, die erforderlichen Informationen zu liefern. Stefan Könemann bestätigte das: allerdings nur für 50 Prozent der Verlage. Er unterschied dabei zwischen Informationen über Bestandsmeldungen und Lieferbarkeit.

Verschiedene Standpunkte gab es zur Integration von Webshop-Systemen. Doch ein vorgegebener Shop müsse, so Matthias Ulmer, nicht zwingend genutzt werden, da viele Buchhändler bereits gut mit eigenen Systemen arbeiten. Wichtiger sei eine Schnittstelle für Informationen. 400 Buchhändler, ergänzte Ronald Schild, arbeiteten mit buchhandel.de.

Thomas Bez wollte darüber hinaus wissen, welche technischen Voraussetzungen notwendig seien und was das ganze koste. Ulmer sagte, dass es noch keine Kostenrechnung gebe: Man wollte heute erst einmal die Richtung skizzieren. Erste Zahlen sollen zu den Buchtagen im Juni vorliegen.

Die Einbindung der Fachbeiräte forderte Verleger Armin Gmeiner. Heinrich Riethmüller stellte fest: „Die Priorität liegt auf der Metadatenbank.“ Karl-Peter Winters dagegen warnte vor einem Sammelsurium von Informationen.
„Der Maßstab ist doch nicht der Buchhändler, sondern der Kunde. Und der kennt die Informationen der großen Internethändler und vergleicht“, gab Iris Hunscheid zu bedenken. Und Dieter Dausien faßte zusammen: „Bei Amazon gibt es viele Informationen, aber längst nicht alle. Der Buchhändler muß in der persönlichen Kundenberatung mehr wissen als der Großhändler, genau das muss dargestellt werden.“

Stefan Könemann konstatierte: „Die Vorstellung des Konzepts ist ein Wunschzettel. Über die Prioritäten muss noch diskutiert werden. Aber: Wir müssen die Kirche im Dorf lassen, unterscheiden, was existenziell und was nur ’nice to have‘ ist.“ Er warnte vor überzogenen Erwartungen.

Detlef Büttner brachte es auf den Punkt: „Das VLB muss korrekte Daten liefern. Das ist äußerst wichtig für die Ausführung von Bestellungen.“

Stefan Könemann konstatierte: „Die Vorstellung des Konzepts ist ein Wunschzettel. Über die Prioritäten muss diskutiert werden. Wir müssen auch die Kirche im Dorf lassen, unterscheiden, was existenziell und was nice to have ist.“ Er warnte vor überzogenen Erwartungen.

Mitgliederzahlen und Einnahmen
Über neue Mitgliedsgruppen hatte sich Matthias Ulmer Gedanken gemacht. Stand der Dinge beim Börsenverein sind rückläufige Mitgliederzahlen und Einnahmen [mehr…]. Deshalb sollte der Branchenverband über neue Strukturen und neue Bedingungen für eine Mitgliedschaft nachdenken. Bei der Suche nach neuen Mitgliedern beschäftige man sich damit, „was auf dem Weg zwischen Autoren und Lesern passiert“, umriss Ulmer die große und vielfältige Zielgruppe. Dabei seien selbstverständlich auch Synergien zwischen den einzelnen mit dem Thema Buch befassten Verbänden zu nutzen.

Ulmer stellte fest: „Mitglieder können wir nur gewinnen, wenn wir Leistungen anbieten.“ Dabei sollen neue Mitglieder in den bestehenden Fachausschüssen als Arbeitsgemeinschaften auftreten.

Kontrovers diskutiert wurde die Stiftung Lesen. Während sich einige Parlamentarier über mangelnde Kooperation beklagten, stellte Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis klar: „Die Zusammenarbeit mit der Stiftung Lesen ist mit dem neuen Vorstand besser geworden.“ Im Übrigen finanziere sich die Stiftung selbst. Auch Karl-Peter Winters hielt ein Plädoyer für die Stiftung, die eine wichtige Arbeit leiste.

„Wir müssen diverse Formen der Mitarbeit im Börsenverein prüfen. Der Verein steht nicht mehr ganz in der Mitte der Branche. Das hat verschiedene Ursachen“, sagte Skipis. Das Parlament beauftragte eine entsprechende Prüfung der Möglichkeiten.

Vorsicht Buch! setzt Impulse
Skipis nahm anschließend zum neuen Branchenmarketing „Vorsicht Buch!“, das vor fünf Wochen auf der Leipziger Buchmesse gestartet wurde, Stellung. „Wir haben damit einen Impuls gesetzt. Der muss nun von allen drei Sparten aufgegriffen und in eine Bewegung umgesetzt werden“, sagte er und informierte über die gesamte Breite der Kampagne.

Bücher-Bummel-Sendungen
Als aktuelles Problem sprachen verschiedene Sortimenter anhaltende Schwierigkeiten bei der Lieferung von Büchersendungen über die Deutsche Post an – da bewahrheitet sich immer wieder der alte Satz: „Bei der Post geht’s nicht so schnell…“ Man habe allerdings den Eindruck, dass Großversender vorgezogen würden, Büchersendungen von Buchhändlern dagegen hintan stünden. Sicher ein Thema für investigativen Journalismus – das hat ja schon einmal geklappt…

JF

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