Buchtage Vortrag Urs Gasser: Digital Natives oder Auswirkungen auf das „Ökosystem Buch“

Das Gremium zum Eröffnungsvortrag

“Ich vereine drei Sachen in mir, die mich als Ihren Feind stempeln könnten: 1. bin ich Schweizer, 2. arbeite ich den USA und 3. befasse ich mich Digitalisierung“, so eröffnete Prof. Dr. Urs Gasser, Direktor des Berkman Center for Internet and Society an der Universität Harvard, seinen Vortrag auf den Buchtagen in Berlin.

Urs Gasser

Aber: Er komme als Freund, versicherte er – als Buchautor und Büchersammler. Gasser verwies auf die strukturellen Veränderungen durch die Digitalisierung. Digitalisierung verändere zunehmend z.B. den Herstellungsprozess nicht allein des Buches, sondern aller Medien. Natürlich nicht ohne Einfluss auf die Qualität. Und so definiert Gasser die derzeitige mediale Situation: Grundsätzlich verändern sich die Vertriebswege und Vertriebsgeschwindigkeit. Verändert aber haben sich auch (strukturell) die Zugangsbedingungen – Suchmaschinen spielen dabei eine große Rolle. Und nicht zu vergessen: Ganz wesentlich herausgebildet hat sich im Umgang mit neuen Medien die Interaktivität.

Damit sind traditionelle „Vorrechte“ weggefallen: z.B. werden zunehmend Aufgaben traditioneller Zeitungsredaktionen durch Blogger übernommen – wenn auch mit allen Qualitätsproblemen, die damit einhergehen. All das habe selbstverständlich Auswirkungen auf das „Ökoytsem Buch“.

Denn Bücher – nicht unbedingt belletristische Werke – werden zunehmend in „kollaborativen Prozessen“ erarbeitet: mehrere Autoren, die in einem weltweiten Netzwerk arbeiten – und das sozusagen in „Echtzeit“.

Was aber sind Digital Natives, die seinem Vortrag den Titel gaben: eine Generation, die mit Digitalität aufgewachsen ist und unter Mediennutzung nicht mehr das Blättern in Büchern versteht. Die Zeit der Mediennutzung differiere nach sozialer Herkunft und Bildungsgrad. Wichtigstes Medium natürlich: das Internet. Hier dominiere das „Browsing“: das Springen von Inhalt zu Inhalt. Das habe nichts damit zu tun, dass Inhalte nur noch als kurze Abstracts wahrgenommen werden – gelesen wird nur das, was interessiert.

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