Wie wird das neue Jahr? Ein Vorblick

Der etwas andere Blick auf das Jahr 2016. Alles ohne Garantie, versteht sich.

Januar

Sensationeller Bucherfolg bei KiWi: Der Mann, der Walter Droege war. Günter Wallraff gesteht, sich als Walter Droege verkleidet und Weltbild übernommen zu haben. Wallraff: „Ich wollte den Kapitalismus in seiner ganzen Brutalität zeigen.“
RTL gibt den Starttermin für die neue Sendung „Verleger sucht Buchhändlerin“ bekannt, der Verleger soll aus dem Holtzbrinck-Konzern kommen. Von da an wird spekuliert, wer es ist.

Februar

Die Branche im Fusionsfieber: Kosmos, Frech und Ulmer vereinen sich zur Verlagsgemeinschaft „Schlaue Stuttgarter“. Daraufhin schließen sich HoCa, Buske, Mairisch, Ankerherz und Mare zu „Harte Hamburger“ zusammen. Die Berliner Verlage suchen noch nach einem Namen … Irgendetwas mit B …
Das Harry-Potter-Märchen erhält Risse, als bekannt wird, dass Carlsen einst die Rechte nur bekam, weil Franz Beckenbauer 6,7 Millionen Euro an die Autorin überwies.

März

Edel AG-Chef Michael Haentjes sichert sich die Namensrechte am Hamburger Olympiastadion: “Edel-Zabert-Sandmann-Moewig-Oetker-Arena klingt doch super. Oder?“
Als heimlicher Bestseller entpuppt sich der Reiseführer Marco Polo Mond, natürlich mit Insider-Tipps. Verlegerin Stephanie Mair-Huydts: „Das Buch wird besonders gerne an Schwiegermütter verschenkt.“

April

Jedem Zalando-Paket liegt diesen Monat das GU-Buch Schlank im Schuh kostenlos bei. Verlagsleiter Christof Klocker: „Ich schrei vor Glück!“
In München findet eine Konferenz unter dem Titel „Die digitale Transformation in Abhängigkeit vom Workflow und dessen Auswirkungen auf den e-Commerce unter Berücksichtigung von CMS und ERP bei gleichzeitiger Vertiefung von Change und allen anderen Prozessen bei besonderer Betrachtung von Chancen und Risiken für unsere Branche“ statt. Es ist die bereits 25. Veranstaltung zu diesem Thema in diesem Jahr.

Mai

Russische Hacker vernichten sämtliche digitale Vorschauen und deren Datenbanken, alle Vertreter müssen ihre Frühjahrsreisen absagen.
Nach dem Erfolg von „Verleger sucht Buchhändlerin“ probiert RTL nun „Verlegerin sucht Buchhändler“. Ist aber schwieriger, da es von beiden weniger gibt.

Juni

Da niemand bestellen konnte (s. Vormonat), sind die Buchhandelsregale leer. Die Läden werden kurzerhand umfunktioniert: Aus „Leanders Leseladen“ wird vorübergehend „Leanders Lottoladen“, aus der „Osianderschen“ die „Obstiandersche“ und aus der „Mayerschen“ jetzt die Burgerbude „MacMayer“.
Amazon verkauft seine Buchsparte an den früheren LesensArt-Inhaber Rüdiger Wenk. Der will neben dem Versand auch ein Filialnetz aufbauen („30 Filialen noch in diesem Jahr“).

Juli

Buchmesse-Chef Jürgen Boos verkündet, dass zukünftig der Jürgen-Boos-Preis für den schönsten Messestand vergeben wird. Über den Preisträger entscheidet er alleine. Und wenn er nicht mehr Messe-Chef ist? Boos: „Das werden Sie nicht mehr erleben.“
Hugendubel nutzt die wegen Streiks seit Wochen auf dem Münchner Flughafen herumstehenden Lufthansa-Flugzeuge als Werbefläche. Nina Hugendubel: „Ist doch idealer Platz, wenn wir so Kunden von EasyJet, Emirates oder AirBerlin auf unsere Geschäfte hinweisen können. Und die Lufthansa bekommt etwas Geld.“

August

Ärger im Hause Douglas/Thalia: Die Buchkette muss den neuen Slogan: Come in and read out“ auf Geheiß der Mutter zurücknehmen. Der neue Claim „Books to go. Jetzt auch zum Mitnehmen.“ kommt aber auch nicht gut an.
Der Börsenverein-Vorsteher Heinrich Riethmüller muss zurücktreten, nachdem der Spiegel enthüllt, dass er mit Hilfe chinesischer Investoren 100 KiK-Filialen gekauft hat, in denen eine Buchhandelskette namens Montanus etablieren will („Ein Herz für Büchel“).

September

Random House bringt Shades of Grey in einer dreibändigen Schmuckausgabe im Leder-Schmuckschuber heraus, als Deko für einen Schaufensterwettbewerb gibt es Piercingnadeln, Handschellen und Peitschen dazu. Hauptpreise sind Wellness-Wochenenden. An wirkliche „Wellness“ scheint aber keiner zu glauben, niemand nimmt teil.
Peinlich, peinlich: Der Sieger der RTL2-Sendung „Zwischenbuchhändler sucht Zwischenbuchhändlerin“ bekommt den Umzug nach Erfurt nicht hin.

Oktober

Letzte Buchmesse für dtv-Vertriebs- und Marketing-GF Rudolf Frankl: „Zur nächsten Messe komme ich ohne Bart und mit vollem Haar, dann erkennt mich keiner. Das werde ich genießen.“
Self-Publishing ist im Trend, entsprechende Verlage brauchen mehr Platz, weshalb in die eigentliche Dienstleister-Halle (libri, KNO etc.) nach China und Thailand nun auch alle europäischen Länder ziehen müssen, die keine oder zu wenige Flüchtlinge aufnehmen („Natürlich ist die Messe auch politisch.“)

November

Cindy Schramm (38) aus Hof erhält von Börsenvereins-Geschäftsführer Alexander Skipis einen Blumenstrauß: Sie ist die 25.000ste Praktikantin (mindestens sechs Monate) bei den Mitgliedsverlagen. In diesem Jahr!
Drama bei Herder: Ein älterer Herr mit einem klapprigen Auto wünscht in Freiburg Verleger Manuel Herder zu sprechen, um ihm ein Manuskript anzubieten. Der Verleger ist zwar im Haus, lässt aber ausrichten, der Mann solle den Ausdruck am Empfang abgeben, er habe wichtigeres zu tun. Später stellt sich heraus: Es war der Papst.

Dezember

Der Rechercheverbund von BuchMarkt, Börsenblatt, Buchreport und Süddeutscher Zeitung deckt auf, dass die Bonnier-Verlage jahrelang den Anteil von Recycling-Papieren in ihrer Buchproduktion gefälscht und dadurch ihre Umweltbilanz geschönt haben. Es werden alle Taschenbücher seit 2004 (Ullstein) bzw. 2009 (Piper, Carlsen) zurückgerufen. Zwei Monate später wird deutlich, dass andere Verlage genauso geschummelt haben.
Um ihre Wiederwahl zu sichern, schenkt Angela Merkel jedem Schulkind ein iPad für den Unterricht. Die Schulbuchverleger sind erzürnt: “Jetzt können wir unsere Bücher wegwerfen.“ Die Kanzlerin: „Sie schaffen das.“

Jens Jacoby

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