Verlage Wirtschafts-Pressegespräch: Buchbranche und neue Märkte

Claudia Paul begrüßt die Gesprächsteilnehmer

Im Literaturhaus in Frankfurt fand heute Mittag ein Pressegespräch des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels über Veränderungen in der Branche, neue Formate und neue Zielgruppen statt. Fazit: Gegen den allgemeinen Wirtschaftstrend konnte die Buchbranche 2009 mit stabilen Zahlen abrechnen.

Claudia Paul, Pressesprecherin des Börsenvereins, wies in ihrer Begrüßung darauf hin, dass das Werk Buch und Buchhandel in Zahlen 2010, das detailliert über die Entwicklung der Branche informiert, Ende Juli vorliegen wird. Zum Pressegespräch gab es bereits erste Auszüge und Tabellen.

Prof. Dr. Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins, teilte einen erfreulichen Befund mit: Es geht aufwärts mit den Büchern, und das konstant seit etwa 50 Jahren, von der „Delle“ in dieser Entwicklung in den Jahren 2001 bis 2004 einmal abgesehen. Der Umsatz strebt langsam der 10-Milliarden-Euro-Marke entgegen, 2009 wurden 9,691 Mrd. Euro umgesetzt – ein Plus von 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Vergleich zum Einzelhandel ist das ein gutes Ergebnis, man muss allerdings konstatieren, dass der stationäre Buchhandel nicht wächst, der Internet- und Versandbuchhandel jedoch erneut zulegen konnte. Besonders stark zeigen sich diese Tendenzen im Fachbuchbereich.

Die vorliegenden Zahlen bedeuten nicht, dass Printprodukte von digitalen langsam aus dem Markt gedrängt werden, aber sie verdeutlichen Veränderungen. Das Zahlenwerk hält keine Überraschungen parat.

„Das Geld wird immer noch im Printbereich verdient“, schließt sich Jürgen Horbach, Schatzmeister des Börsenvereins, an. Verlässliche Zahlen über das digitale Geschäft gibt es noch nicht. Blickt man auf die USA, wird dort in den nächsten zwei Jahren ein Anteil von 10 Prozent bei digitalen Produkten am Gesamtumsatz der Buchbranche prognostiziert. In Deutschland ist der Anteil deutlich geringer, ein stetiges, aber langsames Wachstum wird vorausgesagt.
Jürgen Horbach wies gleichzeitig auf die gegenwärtig stattfindende Diskussion über Urheberrechte im Internet hin. Diese Diskussion wird die Branche noch lange beschäftigen.

Ein Rückgang ist erneut bei Lizenzverkäufen zu beobachten; wurden 2008 noch 7.605 deutsche Titel ins Ausland verkauft, waren es 2009 nur noch 6.278 – die niedrigste Zahl seit 2005.

Dagegen verringerte sich die Zahl der Übersetzungen fremdsprachiger Bücher ins Deutsche kaum, während 2008 11.903 Bücher übersetzt worden waren, beläuft sich die Zahl im Jahr 2009 auf 11.800 – beinahe doppelt so viele Einkäufe also als Verkäufe.

Ein Sprung nach vorn bei den Anteilen verschiedener Warengruppen am Gesamtumsatz machte die Belletristik mit 33,3 Prozent (2008 waren es 30,4 Prozent), auch Kinder- und Jugendbücher stiegen von 14,6 auf 15,7 Prozent. Sachbücher verloren ebenso Anteile wie wissenschaftliche Bücher und Ratgeber.

Einen großen Optimismus für das Buch stellte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, in der Gesellschaft fest. Die Buchbranche verändert sich im digitalen Zeitalter, das „Prinzip Buch“ bleibt aber bestehen. Die Branche ist auf diese Veränderungen vorbereitet und kümmert sich verstärkt darum, dass entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden. Hier ist besonders die Bundesregierung gefragt, die gesetzliche Regelungen zum Schutz des Urheberrechts schaffen muss. Entsprechende Überlegungen sind im Gange.

Andererseits muss die Gesellschaft für dieses wichtige Thema sensibilisiert, das Unrechtsbewusstsein gestärkt werden.

Auch hinsichtlich einer gleichen Mehrwertsteuer für Print- und digitale Produkte von sieben Prozent sind die Gespräche im Fluss.

JF

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