Börsenverein Zukunftsstrategien und Digitalisierung im Mittelpunkt

Gestern Nachmittag fand die 196. Hauptversammlung des Börsenvereins der Deutschen Buchhandels statt. Vorsteherin Karin Schmidt-Friderichs begrüßte die über 235 stimmberechtigten Teilnehmer (einige davon mit Mehrfachstimmrecht) und die Gäste an den Monitoren – die Versammlung fand erstmals online statt.

Dann wurde der Verstorbenen gedacht: Gyorgy Konrád, Peter Meyer, Monika Schoeller, Kurt Peterknecht, Heinz Jürgen Nehen, Birgit Peter, Ernesto Cardenal, Frank Wössner, Raimund Fellinger, Hans-Karl von Kupsch, Hans-Joachim Gelberg und Uwe Rosenfeld.

Lennart Schaefer und Tanja Grimm, Sprecher und Sprecherin des Nachwuchsparlaments, berichteten zunächst über ihre Arbeit. Es habe sehr große Veränderungen in ihrem Gremium gegeben, das Nachwuchsparlament habe in hybrider Form – also mit einer Präsenzveranstaltung auf dem mediacampus und mit verschiedenen Online-Meetings – stattgefunden. Ein neuer Rekord wurde mit 47 Mentoring-Teams aufgestellt.

Sechs aktive Taskforces kümmern sich um herausragende Themen.

Das Nachwuchsparlament empfahl, die Stärkung der Branche positiv nach außen zu tragen, die Klimakrise weiter im Blick zu behalten und die Diversität der Branche zu vermitteln.

„Wir haben uns wertgeschätzt gefühlt und wünschen uns, dass das so bleibt“, urteilte Tanja Grimm.

Anschließend berichtete der Vorstand des Börsenvereins. Dreimal habe man sich vor Ort getroffen, 30 Mal digital getagt, äußerte Karin Schmidt-Friderichs. „Corona wird nicht lockerlassen, finanzielle Engpässe werden uns weiter beschäftigen“, schätzte sie für die Buchbranche ein und skizzierte drei wichtige Felder für die künftige Arbeit des Vorstands: Der Börsenverein muss sich zukunftsfit aufstellen, der Klimaschutz darf nicht in Vergessenheit geraten, das Gemeinsame aller Branchenteilnehmer muss formuliert und gestärkt werden.

Der Verein stehe vor drei großen Herausforderungen: Die Frankfurter Buchmesse muss sich neu aufstellen. Im Börsenverein und in der MVB muss nach Sparpotential gesucht werden. Das Buch als Kulturgut gilt es zu stärken, um seine Vielfalt zu erhalten.

Hauptgeschäftsführer Alexander Skipsis war von den Worten aus dem Nachwuchsparlament so beeindruckt, dass er beide Sprecher in die Geschäftsleitung des Börsenvereins einlud.

Zur Berichterstattung sagte er, dass für das Jahr 2019 entsprechende Dokumente vorliegen.

Er lenkte dann das Augenmerk auf Dinge, die zurzeit unter den Nägeln brennen, wie etwa das Urheberrecht. „Das ist unsere Existenzgrundlage“, betonte Skipis. Deshalb sollte sie gewahrt werden. Ein schwieriger Kampf zum Urheberrecht in der EU liege hinter allen Beteiligten. Dennoch stocke die nationale Umsetzung. Auch auf die Einhaltung der Preisbindung müsse Wert gelegt werden, Grenzen dürften nicht überschritten werden. „Bei allem ist die innere Gemeinsamkeit der Branche wichtig, wir müssen weiterhin miteinander im Gespräch bleiben“, äußerte Skipis.

Das Buch sei in der Gesellschaft verankert, die Kreativität der Buchhändler in Corona-Zeiten, um dieses Kulturgut an die Leser zu bringen, sei unglaublich gewesen. „Wir können und müssen Debatten über wichtige Fragen unseres Lebens und unserer Zukunft in der Gesellschaft anstoßen“, bemerkte Skipis.

Er schlug einen Appell des Börsenvereins vor, der einstimmig angenommen wurde.

Anschließend kamen die Fachausschüsse zu Wort. Christiane Schulze-Rother sprach für den Sortimenterausschuss. Man mache sich Sorgen über hohe Logistikkosten, zu geringe Buchpreise und wünsche sich einfacheres Remittieren. „Die Leseförderung ist uns wichtig“, betonte Schulze-Rother.

Nadja Kneissler, Verlegerausschuss, schlug ein Projekt zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz vor.

Stephan Schierke, Zwischenbuchhandel, wünschte sich keine unnötigen Doppelungen bezüglich VLB-TIX und eigenen Entwicklungen.

Den Themenfokus Vorstand beleuchtete zunächst Felicitas von Lovenberg hinsichtlich der Lobbyarbeit bei EU und UN. „Wir sollten die Abgeordneten einladen und über unsere Arbeit informieren“, schlug sie vor.

Jens Klingelhöfer sprach über Zukunft und Digitalisierung. „Die Veränderungsgeschwindigkeit hat extrem zugenommen, dieser Tatsache müssen wir uns zuwenden.“ Er regte an, eine neue Struktur im Verband aufzubauen.

Über die Finanzen des Börsenvereins informierte Klaus Gravemann mithilfe von grafischen Übersichten. Er legte auch die Budgetplanungen für 2021 vor. Unterstützt wurde er von Michael Justus. Die Stimmberechtigten gaben mit großer Mehrheit dem vorgelegten Jahresabschlusses 2019 ihre Zustimmung.

Siegmar Mosdorf, Vorstand des Aufsichtsrats der BBG, berichtete über die Wirtschaftsbetriebe. „Allein der Verkauf von Messeständen kann einen Wirtschaftsbetrieb nicht mehr ausmachen“, stellte er mit Blick auf die digitale Sonderedition der Frankfurter Buchmesse fest. Der „Normalbetrieb“ der Zukunft werde anders aussehen als vor der Coronapandemie.

Die MVB stelle sich international auf, die Buchmesse-Auslandstöchter überprüften Sparmöglichkeiten.

Mit großer Mehrheit wurde der Tätigkeitsbericht des Vorstands angenommen und das Gremium entlastet.

Anschließend wurde der vierköpfige Haushaltsausschuss und die beiden Rechnungsprüfer gewählt.

Schließlich wurde über Neufassungen der Paragrafen 43, 46, 6, 17, 45 und 37 der Satzung des Börsenvereins abgestimmt, die Christian Sprang vorstellte. Dabei kam es zwar zu Irritationen beim technischen Abstimmungsprozess, die jedoch ausgeräumt werden konnten.

Ein Vorschlag aus der Mitgliedschaft fand nicht die nötige Mehrheit.

Insgesamt hatte die 196. Hauptversammlung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels über 40 Minuten länger gedauert als vorgesehen, war jedoch erstaunlich gut über die digitale Bühne gegangen. Schließlich war dieses virtuelle Treffen eine Premiere gewesen – es ist dank aller Engagierten bewundernswert gut gelaufen.

JF

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