LIBRIs neue Remissionsregeln und Konditionen: erste Kritik von Verlagsseite + Kommentar von LIBRI

Die von LIBRI mit Schreiben vom 21. Juli mitgeteilten Prozessänderungen bei Remissionen und eine neue Abholgebührenordnung scheinen nicht bei allen Verlagen auf Gegenliebe zu stoßen.

In der LIBRI-Mitteilung heißt es (Auszug):

1.
Zur Vermeidung kleinteiliger Remissionen von uns bei beschädigt angelieferter Ware werden wir defekte Exemplare, die in kleiner Menge pro Sendung angefallen sind, zukünftig nicht mehr direkt aus dem Wareneingang retournieren. Diese Exemplare werden wir in einem Speziallager in Bad Hersfeld lagern. In unregelmäßigen Abständen – je nach Anzahl der aufgelaufenen Exemplare – erhalten Sie eine Auflistung dieser Titel. Die spart Ihnen und uns überflüssige Prozesskosten und Aufwand. Diese Einsparung möchten wir auch an Sie weitergeben und Sie dadurch motivieren, den Weg der Prozessvereinfachung mit uns zu gehen.

Wir bieten Ihnen folgendes Verfahren an:
a) Körperlose Remission bei Gutschrift in Höhe von 80 % des ehemaligen Einkaufspreises. Wir übernehmen die weitere Entsorgung.
b) Retournieren der Ware bei volle Gutschrift in Höhe des Einkaufspreises und Weiterbelastung des entstehenden Portos.
In den vergangenen Jahren betrug der Wert beschädigte angelieferter Ware regelmäßig weniger als 1 % Einkaufswert.
Wir empfehlen nachhaltig die körperlose Remission.

Die sich ergebenden Einspareffekte möchten wir an folgendem Beispiel demonstrieren (im Original: Tabelle):
Bei einem einen Warenwert Remittenden von 140 Euro und einen Libri-EK-Wert (50%) von 70 Euro ergeben sich bei körperloser Remission Null Euro Porto: 0, bei körperlicher Remi 5 Euro, Remigebühren 0 bzw. 7 Euro
Gutschriftsbetrag 56 bzw. 70 Euro, Gesamtaufwand 56 bzw. 82 Euro.
Bitte entscheiden Sie sich bis 01.08. für eine der beiden Lösungen. (…)
Wenn wir bis 01.08. diesen Jahres von Ihnen keine Antwort erhalten haben, werden wir zukünftig den Weg der körperlosen Remission einrichten, da dies der mir Abstand kostengünstigere ist.

2.
Durch die Zusammenführung aller Lieferungen am Standort Bad Hersfeld einerseits und die mittlerweile zu einem großen Teil vereinbarte Portofreiheit mit den Lieferanten andererseits streben wir auch hier eine einheitliche Vorgehensweise an.
Somit führen wir die in der Vergangenheit von den Standorten Hamburg und Frankfurt unterschiedlich gehandhabten Berechnungsweisen für die Abholgebühren zusammen und vereinfachen somit unser gemeinsames Vorgehen.
Als Berechnungsgrundlage werden hierbei die Abholavise und die Ihnen bekannte „Gebührenordnung für das Sortiment“ Verwendung finden, so dass die Abrechnungsmodalitäten der Abrechnung für die Abholgebühren für den Sortimentsbuchhandel entsprechen.
Zukünftig werden wir Ihnen quartalsmäßig die Abholgebühren für den Bücherwagendienst berechnen.
Sollten Sie sich für einen anderen Frachtführer als Booxpress entscheiden, erwarten wir über diesen Versandweg portofreie Lieferung.

Abholgebührenordnung für das Sortiment
Geamtgewicht / im Quartal
> 24.000 kg / 0,04 Euro/kg
> 28.000 kg / 0,05
> 12.000 kg / 0,06
> 10.000 kg / 0,07
> 8.000 kg / 0,08
> 6.000 kg / 0,09
> 4.000 kg / 0,10
> 2.000 kg / 0,11
> 1.000 kg / 0,12
< 1.000 kg / 0,15

In einer ersten Stellungnahme von Verlegerseite (Name der Red. bekannt) heißt es:

„Einführung körperloser Remission: Die mitgelieferte Tabelle benennt bei einem Warenwert von 140 Euro Portokosten von m.E. unrealistischen 5 Euro und Remigebühren der Auslieferer für körperlose Remissionen von ebenfalls unrealistischen 0 Euro.
Warum muss in Hersfeld ein Sammellager eingerichtet werden, können die Bücher nicht gleich vernichtet werden? Oder sollen die Bände ‚heimlich’ einem zweiten Markt zugeführt werden?

Wer garantiert den Verlagen, dass lediglich solche beschädigte Ware, die durch Verschulden des Auslieferers entstanden ist, und nicht durch LIBRI selbst oder Sortimenter, gut geschrieben werden müssen? Gerade durch Insolvenzware könnte die Remiquote zu Lasten der Verlage völlig unkontrolliert steigen.

Das Misstrauen ist vor allem dadurch begründet, dass ein Schreiben mit Datum 21. Juli 2003 (Eingang 23. Juli, teils 24. Juli) eine Frist zum 1. August desselben Jahres beinhaltet – also den Verlagen ein Entscheidungs“freiraum“ von 5 bis 6 Arbeitstagen eingeräumt wird. Und dies auch noch geschickt in die Urlaubszeit platziert.

Portokosten: Wenn ich diesen Teil des Schreibens richtig interpretiere (und nach Rücksprache mit meinem Auslieferer verstehe ich es leider richtig), sollen die Kosten des Bücherwagendienstes künftig bei Abholung von LIBRI-Bestellungen in der Auslieferung den Verlagen belastet werden. D.h. künftig portofreie Belieferung dieses Barsortiments zu Lasten der Verlage.

Die beigefügte Gebührentabelle für das Sortiment, die sozusagen die Rechtfertigung liefern soll, ist in sofern unglaubwürdig, als ich kein Sortiment kenne, das im Quartal 24.000 kg Retourenaufkommen mit LIBRI haben könnte. Selbst 1.000 kg im Quartal ist nur bei sehr großen Häusern denkbar. Die Vermutung, dass diese Tabelle gleich auf den Kundenstamm Verlag hin ausgerichtet wurde, liegt nahe.

Hier ist zu sagen, dass dies die gültigen vertraglichen Vereinbarungen zwischen zahlreichen Verlagen und LIBRI einseitig durch LIBRI aushebelt.

Der Zeitpunkt und die Fristsetzung ist als höchst unseriös zu bezeichnen. Mir stellt sich die Frage, wann wir Verlage damit rechnen müssen ein weiteres Schreiben von LIBRI zu erhalten, in dem uns eine Titelgebühr abgenötigt wird. Dieses wird dann wahrscheinlich unter Fristsetzung von 24 Stunden am 23. 12. zugestellt und eine Gutschrift für die vergangenen 12 Monate gleich abgebucht.“

Für LIBRI nimmt Marga Winkler wie folgt Stellung:

„Bei dem zitierten Schreiben handelt es sich keinesfalls um ein Rundschreiben an sämtliche Verlagspartner, sondern wir wollen mit weiteren Verlagen die Regelungen treffen, die wir mit vielen großen Herstellern und mit vielen erst im letzten Jahr im Barsortiment Libri gelisteten Lieferanten bereits getroffen haben.

Es handelt sich um individuelle, persönliche Briefe und um Konditionen, die wir mit Gewissheit nicht via Internet diskutieren, auch wenn das Medium Internet sehr modern ist und von allen Branchenteilnehmern gern und aktiv genutzt wird.

Außerdem glauben wir, dass der von Ihnen zitierte Verleger wohl einiges missverstanden hat. Wir wünschen uns, dass er zum Telefon greift und die Kommunikation direkt mit uns aufnimmt, so wie es mancher Kollege von ihm gemacht hat.

Nicht weg zu diskutieren ist:
– es gibt beschädigt bei uns angelieferte Bücher
– Remittenden für Einzelexemplare aus dem Wareneingangsprozess sind für beide Seiten extrem teuer
– Libri muss bei der geschlossenen Warenwirtschaft auch diese defekten Bücher EDV technisch verwalten
– Libri hat seit Eröffnung des Logistikcenter in Bad Hersfeld diese beschädigt eingegangenen Bücher gesammelt und wird nun die Remissionen oder die Entsorgung vornehmen müssen.

Den Hinweis, dass der Termin wegen der Urlaubszeit zu kurz ist, nehmen wir gerne auf. Wir werden dies bei den nächsten Kollegen berücksichtigen.“

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.