Alles drin, was ein Pageturner braucht: Die schreibende Buchhändlerin

Immer freitags hier ein Autorengespräch: Heute mit Kathrin Lange zu ihrem Roman „Die Fabelmacht-Chroniken. Flammende Zeichen“ (Arena):

Kathrin Lange wurde 1969 in Goslar am Harz geboren. Obwohl sie sich beruflich der Hundestaffel der Polizei anschließen wollte, siegte am Ende ihre Liebe zu Büchern, und sie wurde zuerst Buchhändlerin (ist sie immer noch)  und dann Schriftstellerin. Von 2003 bis 2005 gab sie die Autorenzeitschrift Federwelt heraus und 2005 erschien ihre erste Veröffentlichung bei Rowohlt. Ihr Buch Das achte Astrolabium stand auf der Nominierungsliste für den Sir-Walter-Scott-Preis als bester historischer Roman des Jahres 2008 und ihr Jugendbuch Das Geheimnis des Astronomen erhielt 2009 den Jugendbuchpreis “Segeberger Feder” Heute ist sie Mitglied beim PEN und bei den „International Thriller Writers“ und schreibt sehr erfolgreich Romane für Erwachsene und Jugendliche. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Söhnen in einem kleinen Dorf in Niedersachsen, wo sie sich für Leseförderung und die Integration von Geflüchteten engagiert. Gerade ist ihr neuestes Buch Die Fabelmacht-Chroniken. Flammende Zeichen bei Arena erschienen. Ein Roman über die Macht, mit Worten die Geschichte zu verändern. Dies war Anlass für Fragen an die Autorin:

BuchMarkt: Frau Lange, worum geht es in dem Buch?

Kathrin Lange

Kathrin Lange: Es geht um die Faszination, die das Schreiben ausübt – und natürlich auch das Lesen. Die Grundidee der Geschichte ist, dass Menschen, die die Fabelmacht beherrschen, durch ihr Schreiben neue Universen erschaffen. Und jeder, der eine Geschichte liest, tut das auch. Die siebzehnjährige Protagonistin Mila merkt das, als sie nach einem Streit mit ihrer Mutter zu einer Freundin nach Paris flüchtet und dort einem Jungen begegnet, von dem sie dachte, dass sie ihn sich nur ausgedacht hat. Sie schreibt schon seit vielen Jahren über ihn. In Wirklichkeit jedoch ist er ganz anders, als in ihren romantischen Geschichten, und das hat einen Grund: Auch Nicholas beherrscht die Fabelmacht. Und die Geschichte, die er über sich und Mila geschrieben hat, ist nicht nur spannend, sondern auch sehr düster…

Wie entstand die Idee dazu?

Die Grundidee, das Schreiben als schöpferischen Akt wörtlich zu nehmen, ist ja nicht neu. In einem Brief schrieb Tolkien einmal, dass er oft das Gefühl habe, sich den „Herrn der Ringe“ nicht auszudenken, sondern nur Chronist für das zu sein, was irgendwo tatsächlich passiert. „Schreiben wir, was ist? Oder ist, was wir schreiben?“, fragt denn auch Helena, Milas Mutter, an einer Stelle der Fabelmacht-Chroniken. Ich habe die Grundidee übrigens schon einmal in einer Trilogie verarbeitet, allerdings als Kinderbuch: in der Florenturna-Reihe, die in den Nuller-Jahren in der Fischer Schatzinsel erschienen ist. Die Fabelmacht-Chroniken sind jetzt das erwachsene Pendant dazu geworden.

Haben Sie einen speziellen Ort, an dem Sie besonders gut schreiben können?

Eigentlich schreibe ich überall, wo ich meinen Laptop hinstellen kann, im Moment am Küchentisch, in der Nähe der Kaffeemaschine. :-)

Mit welchem Argument kann der Buchhändler das Buch am besten verkaufen?

Durch Klick aufs Cover geht’s zum Buch

Das Buch ist in meinen Augen perfekt geeignet für alle, die das Lesen lieben und die zu einer großen und romantischen Liebesgeschichte einer Prise Action nicht abgeneigt sind.

Ich bin ja bekannt dafür, dass ich gern beides verbinde. So spielt in meiner Politthriller-Reihe um den Berliner Sonderermittler Faris Iskander seine schwierige Beziehung zu der ehemaligen Pastorin Ira Jenssen eine wichtige Nebenrolle.

„Kathrin Lange schreibt Krimis, die einem den Atem rauben und gleichzeitig eine zarte Versuchung fürs Herz sind“

–   so hat eine Zeitung einmal über mich geurteilt.

Welche Leserschaft wollen Sie ansprechen?

Ich möchte alle erreichen, die romantische und gleichzeitig spannende Romane lieben. Dabei richtet sich das Buch sowohl an Fantasy-LeserInnen als auch an die LeserInnen von Romance-Romanen.

In welchem literarischen Umfeld kann der Buchhändler das Buch gut platzieren im Laden?

Gut aufgehoben ist es sicher im „All-Age-Bereich“ der Jugendbuch-Abteilung. Aber obwohl das Buch im Arena-Verlag erschienen ist, spricht es – das zeigen die ersten Reaktionen von Bloggern und Lesern – auch erwachsene Frauen an. Das passt. Eine Redakteurin hat meine Bücher einmal als „perfekte Lektüre für Mütter und Töchter“ bezeichnet. In der Buchhandlung, in der ich in meinem zweiten Leben ja auch noch arbeite, haben wir es recht erfolgreich zusätzlich bei den Romance-Titeln platziert. Hier bietet es durch die ungewöhnliche und aufwändige Aufmachung dann einen echten Hingucker.

Was lesen Sie selbst gerade/gerne?

Im Moment lese ich mich durch das Gesamtwerk von Andreas Eschbach, weil ich im August auf einer Tagung der Bundesakademie für Kulturelle Bildung e.V. einen Vortrag über ihn halten muss. Von ihm habe ich mein Schreib-Handwerk gelernt, und wir haben heute noch ein sporadisch Kontakt. Er teilt ja meine Liebe zu Frankreich, wobei er in der Bretagne lebt, meine Vorliebe sich hingegen mehr auf Paris und die Provence richtet. Grundsätzlich aber lese ich viele Krimis und Thriller, hier bevorzugt die amerikanischen Kolleginnen und Kollegen, aber auch einige deutsche, die noch ein wenig als Geheimtipp gehandelt werden. Benjamin Cors z.B. schätze ich sehr.

Auf dem Fantasy-Sektor bin ich vermutlich stark beeinflusst von der City of Bones-Reihe von Cassandra Clare. Außerdem habe ich in diesem Genre in der letzten Zeit einige Romane von jungen Newcomern gelesen, die in der nächsten Zeit veröffentlicht werden und die ich ein wenig auf ihrem Weg dorthin begleiten durfte. Mehr darf ich noch nicht verraten, aber da kommen interessante neue Geschichten auf den deutschen Buchmarkt zu.

Welche Frage die wir nicht gestellt haben, hätten Sie dennoch gerne beantwortet?

Was machen Sie, wenn Sie keine Fantasy-Romane schreiben?

Hier können Sie dies nun  tun:

Neben meiner Karriere als Schriftstellerin bin ich noch Buchhändlerin. Ich arbeite für die alteingesessene Buchhandlung Gillmeister in Peine und organisiere dort – neben dem Schreiben von Band 2 der Fabelmacht-Chroniken gerade das Schulbuchgeschäft. (puh!:-)).

Als Autorin schreibe ich neben Romance-Fantasy harte Politthriller um den oben schon erwähnten Sonderermittler Faris Iskander. Diese Figur hat einen Migrationshintergrund (er ist gebürtiger Ägypter) und die Reihe beschäftigt sich mit einem Thema, das mich persönlich sehr umtreibt: dem überall aufkommenden religiösen und ideologischen Fanatismus. Der dritte Band der Reihe „Ohne Ausweg“, in dem ich die Auswirkungen von islamistischem Terror denen von rechtsgerichtetem gegenüberstelle, ist kurz vor Weihnachten erschienen. Die B.Z. urteilte darüber:

„Wenn Kathrin Lange schreibt, klingt es immer, als würde sie die Nachrichten von morgen prohezeien“

In der vergangenen Woche sprachen wir mit Catherine Bennetto, die verspricht: „In meinem Buch gibt’s heiße Liebesszenen inklusive“

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