Reinhard Rohn über seinen Roman "Die sieben Leben des Anton Busch" „Ich spüre meinen Wurzeln nach, die in der deutschen Provinz liegen“

Reinhard Rohn: „Mich hat es gereizt, mal ein neues Genre zu wagen. Bisher habe ich Kriminalromane geschrieben, die zumeist in Köln spielen. Hier nun gehe ich weiter zurück, spüre meinen eigenen Wurzeln nach, die in Osnabrück, also in der deutschen Provinz liegen“ (c) Susanne Schleyer

 

Bislang hat er in seiner Freizeit etliche Kriminalromane geschrieben (zuletzt bei Emons und dtv), jetzt hat Reinhard Rohn aber mit dem Roman „Die sieben Leben des Anton Busch“ (dtv) das Genre gewechselt. Das war Anlass für Fragen an den Mann, dessen Leben sich seit rund dreißig Jahtren auch hauptberuflich um Bücher dreht – er ist Verlagsleiter im Aufbau Verlag:

Wir fragen das immer gleich zu Anfang, um unseren Lesern im Buchhandel schnell die wichtigsten Verkaufsinfos zu geben: Worum geht es in Deinem Bucht?

Reinhard Rohn: Das Material zu diesem Buch lieferte mir die Lebensgeschichte meines Onkels, die er vor ein paar Jahren verfasst hat und aus der ich einen Roman mit vielen fiktiven Elementen geformt habe: die Geschichte eines Lebens von den dreißiger Jahren bis heute. Es geht um sehr akuelle Themen: die Flucht in den Westen, um die Sehnsucht, eine neue Heimat zu finden, um die erste Liebe, um das Ringen eine Familie zu gründen -und schließlich um den Tod eines geliebten Menschen und die Hoffnung auf eine letzte große Liebe.

Und mit welchem Argument könnte ein Buchhändler das wem am besten verkaufen:?

„Mich hat die Frage beschäftigt: Wie gestaltet sich ein Leben? In diesem Fall das meines Onkels, der mit fünf Jahren aus dem Paradies seiner Kindheit gerissen wurde. Auf den ersten Blick ist dieses Leben sehr normal – mit Höhen und Tiefen, wie man so sagt -, und doch liegt auch das ganze Jahrhundert in ihm“ (Durch Klick auf Cover zum Buch)

Der Roman ist auch ein Geschichtsbuch – die Geschichte unseres Jahrhunderts anhand eines einzelnen Lebens. Für Leser von Peter Prange, Carmen Korn und Annette Hess, aber auch Ralf Rothmann.

Und warum hast Du das Genre gewechselt

Mich hat es einfach gereizt, mal ein neues Genre zu wagen. Bisher habe ich Kriminalromane geschrieben, die zumeist in Köln spielen. Hier nun gehe ich weiter zurück, spüre meinen eigenen Wurzeln nach, die in Osnabrück, also in der deutschen Provinz liegen. Mich hat die Frage beschäftigt: Wie gestaltet sich ein Leben? In diesem Fall das meines Onkels, der mit fünf Jahren aus dem Paradies seiner Kindheit gerissen wurde. Auf den ersten Blick ist dieses Leben sehr normal – mit Höhen und Tiefen, wie man so sagt -, und doch liegt auch das ganze Jahrhundert in ihm.

Bei mir ist bei Lesen sofort ein Funke übergesprungen, ich finde, Du kannst Dich mit den oben genannten Autoren durchaus messen. Aber dann frage ich mich und damit Dich: Bist Du eigentlich Verleger oder Autor?

Ich bin beides – Autor und Verlagsleiter, die zwei Seiten meines Lebens, die sich gegenseitig bereichern und befruchten. Keine der beiden Rollen möchte ich missen. Ich bin froh, mit tollen Mitarbeitern bei Aufbau kreativ sein zu dürfen, und bin gleichzeitig dankbar, gute Partner in den Verlagen Emons und dtv gefunden zu haben.

Und hast Du das Gefühl, dass Deine Bücher vom Leser gefunden werden?

Bücher an die Leserin/ den Leser zu bringen ist mit das Schwierigste an unserer Arbeit im Verlag. Es gehört sehr viel dazu, aus einem Roman einen Bestseller zu machen – Qualität, die richtige Präsentation, der richtige Zeitpunkt und ja, auch eine Menge Glück. Als Autor überlasse ich vieles den Verlagen, die meine Bücher publizieren, und rede da ungern von der Seitenlinie herein. In diesem Falle jedoch wünsche ich meinen Helden Anton sehr viel Aufmerksamkeit – und nicht nur weil ich sehr an ihm hänge, sondern auch weil ich glaube, dass man an seiner Hand durch einen besonderen Roman geführt wird.

Das hört sich vorsichtig an, Du siehst wohl selber das Überangebot, das monatlich auf den Handel hereinbricht.

Ja, es gibt ein Überangebot, aber das ist die schiere Zahl. Für den einzelnen Leser ist das einzelne Buch, das Leseabenteuer wichtig, das er ganz allein unternimmt. Zu diesem Leseabenteuer spricht mein Held eine Einladung aus – er begibt sich selbst auf die Reise durch sein Leben, in dem sich gleichzeitig das Leben vieler Menschen spiegelt.

Die Fragen stellte Christian von Zittwitz

Kommentare (1)
  1. Ein großartiges und zugleich sensibles Buch, das tatsächlich sehr an Prange, mich mehr noch an Rothmann erinnert. Die Dichte und Authentizität der Geschichte lässt in mir ein (West)-Deutschland aufleben, das in weiten Teilen vergangen ist, zugleich aber in mir als Kind der Generation der 50er und 60er Jahre weiter existiert. Unbedingt lesen! Für mich eines der ganz großen Bücher dieses Jahres!

Schreibe einen Kommentar zu Ralf Finke Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.