Am mediacampus frankfurt ist eine neue Aufstiegsfortbildung zum Fachwirt:in im E-Commerce (IHK) gestartet, wir sprachen mit den Teilnehmerinnen und Referent Tobias Proksch dazu „Es sollte auch für den unabhängigen Buchhandel essenziell sein, in sein E-Commerce-Konzept zu investieren“

Am 04. November 2020 ist zum ersten Mal die neue Fortbildung zum Fachwirt:in im E-Commerce (IHK) am mediacampus frankfurt erfolgreich gestartet. Insgesamt 13 Teilnehmer:innen bilden sich in einer Kombination aus Präsenz, E-Learning-Einheiten und Onlineseminaren die kommenden 17 Monate fort. Die Durchführung der Fortbildung zur Fachwirt:in im E-Commerce ist erst seit April 2020 möglich, nachdem seit 2018 der Ausbildungsberuf Kaufleute im E-Commerce etabliert ist.

Im ersten fünftägigen Modul standen neben einer Einführung ins Thema E-Commerce auch die Themen Markt- und Zielgruppenanalyse, Vertriebsmärkte und Einflüsse auf E-Commerce-Geschäftsmodelle auf dem Programm. Ein Impuls zum Thema Zeit- und Selbstmanagement rundete das erste Modul ab.

 

Aufgrund der aktuellen Situation fand die erste Präsenz hybrid statt: Je nach individuellem Wunsch der 13 Teilnehmer:innen war eine kleine Gruppe vor Ort in Frankfurt, der andere Teil war von zuhause aus zugeschaltet. Auch die zukünftigen Präsenzen werden hybrid angeboten. Um die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Fortbildung noch weiter zu stärken, ist es zudem im Nachhinein noch möglich, die Inhalte als Aufzeichnungen anzusehen.

Wir sprachen mit den Teilnehmerinnen Danisa Extra (Hugo Boss AG), Anna Kalt (meistro ENERGIE GmbH) und Maike Michelis (Verlagsvertreterin für dtv junior/Reihe Hanser und Kooperationsverlage) sowie Tobias Proksch, dem Referenten und Geschäftsführer Marketing, IT & E-Commerce bei der Osianderschen Buchhandlung, zum Thema:

BuchMarkt: Was war der ausschlaggebende Grund, wieso Sie sich für die Aufstiegsfortbildung zum Fachwirt:in im E-Commerce entschieden haben?

Danisa Extra: Es gab mehrere ausschlaggebende Gründe weshalb ich mich dafür entschieden habe. Ich empfand die Fortbildung als ein Fortschritt & Innovation in den verschiedenen Fachwirtslehrgängen. Der Inhalt des Lehrganges hat mich insbesondere gepackt, da ich mich mit dem Omni-Channel nun knapp vier Jahren beschäftige. Darüber hinaus sind die Förderungen immens. Man wird hier zu 3/4 finanziell unterstützt, was vielen Teilnehmern erleichtert und ermöglicht, sich weiterzuentwickeln. Auch die super Organisation und Fachkompetenz des mediacampus zu dem Thema E-Commerce hat mich bestärkt mich hier anzumelden.

Anna Kalt: Ich habe immer wieder Stellenanzeige zu diesem Bereich gesehen und mich in diesem Zuge darüber informiert. Ich finde das Thema sehr interessant und sehe eine sichere Zukunft darin.

Maike Michelis

Maike Michelis:  Es gab tatsächlich mehrere Gründe, die mich überzeugt haben. Sehr gereizt hat mich, dass es eine komplett neue Fortbildung ist und ich es spannend finde bei etwas Beginnendem dabei zu sein. Außerdem ist die Fachrichtung für mich sehr interessant. Ich hatte bisher kaum Berührungspunkte zu e-commerce, habe aber ständig davon gehört. Ich war einfach sehr neugierig was alles dahinter steckt. Hinzu kommt der Abschluß als Fachwirt, den ich gerne in meiner Vita lesen wollte :-)

In welcher Branche arbeiten Sie und welchen Stellenwert räumen Sie dem E-Commerce in Ihrer Branche zu?

Extra: Ich bin in der Modebranche im Premiumsegment (HUGO BOSS AG) tätig. E-Commerce hat aus meiner Sicht heut zu Tage einen sehr hohen Stellenwert, da der Onlinehandel immer mehr an Bedeutung gewinnt. Nicht nur aufgrund der jetzigen Corona-Situation; E-Commerce ist die Zukunft! Ich denke, wenn stationäre Händler in Zukunft nicht mithalten, wird es für sie sehr schwierig im Markt bestehen zu bleiben.

Michelis: Ich bin gelernte Buchhändlerin und habe 15 Jahre als Buchhändlerin in verschiedenen Buchhandlungen gearbeitet (u.a. lange im Stern-Verlag, Düsseldorf). Mittlerweile arbeite ich als Verlagsvertreterin für dtv junior/Reihe Hanser und Kooperationsverlage. Ich denke, dass e-commerce im Buchhandel eine enorm wichtige Rolle spielt. Schließlich ist der größte Konkurrent für den unabhängigen Buchhandel Amazon, also ein reiner Onlinehändler. Auch für den unabhängigen Buchhandel ist es zunehmend wichtiger im Internet präsent zu sein und den Service anzubieten, den die Kunden sonst auch im Ladengeschäft bekommen. Leider wird der Internetauftritt bei manchen Buchhandlungen immer noch stiefmütterlich behandelt.

Wieso glauben Sie, dass das Thema E-Commerce gerade jetzt so wichtig ist?

Extra: E-Commerce ist gerade jetzt so unheimlich wichtig, da sich die Kunden immer mehr mit der digitalen Welt auseinandersetzen; ob es über Social Media oder anderen Plattformen ist: “Online is exclusive.” Mittlerweile gibt es auch bei uns Produkte, die ausschließlich nur im Onlinestore verfügbar sind. Hier ist es wichtig als stationärer Händler diese exklusiven Produkte zu kennen und den Onlinemarkt mit dem Offlinemarkt zu verschmelzen.

Kalt: Durch Corona ist der Onlinehandel förmlich explodiert und sobald sich die Konjunktur erholt hat, wird es weiter Bergauf gehen mit den Zahlen des Onlinehandels. Es ist bequem, bezahlbar und einfach.

Michelis:  Natürlich spielt zunächst Corona eine wichtige Rolle dabei. Wer nicht in den Laden kommen möchte, der bestellt im Internet. Deswegen ist es total wichtig geworden im Netz gut gefunden zu werden, einen sympatischen Auftritt zu haben, einen gut funktionierenden Webshop zu haben und dem Kunden ein unkompliziertes und reibungsloses Einkaufserlebnis zu verschaffen. Abgesehen von Corona ist es einfach eine unstrittige Entwicklung, dass immer mehr Umsatz (auch im Buchhandel) im Internet generiert wird. Um den Umsatz nicht nur den „Großen“ zu überlassen, finde ich, sollte es auch für den unabhängigen Buchhandel essenziell sein in sein E-Commerce-Konzept zu investieren.

Was haben Sie in Ihrem ersten Modul gelernt? Gab es Aha-Momente?

Kalt: Ja ehrlich gesagt einige. Ich finde das ganze Thema „aha“!

Melis: Für mich war es ein Feuerwerk an neuen Erkenntnissen, manchmal bin ich aus dem Staunen nicht mehr rausgekommen. Unglaublich was im Netz alles möglich ist und bereits umgesetzt wird! Wir haben sehr viel diskutiert und das waren tolle Gespräche. Aber mein wichtigster AHA-Moment war, als ich einen Dozenten gefragt habe wo denn die Grenzen im e-commerce sind und ein Kommolitone mir zugeflüstert hat: „Es gibt keine!“. Ich glaube, er meinte es auch nicht ganz ernst, aber es hat mich zum Nachdenken gebracht und ich habe mir vorgenomen während der Fortbildung herauszufinden wo e-commerce an seine Grenzen stösst. Ich bin kein Digital-Native und für mich ist die digitale Entwicklung nicht selbstverständlich. Mir ist während des ersten Moduls klar geworden, welche enorme Wichtigkeit e-commerce in der Zukunft haben wird und ich fühlte mich bestätigt mit dieser Fortbildung die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Mir hat es nochmal eine komplett neue Welt eröffnet.


Worauf freuen Sie sich bei Ihrer Fortbildung am meisten?

Extra: Ich habe seit 10 Jahren keine Fortbildung genießen dürfen. Ich freue mich auf das neue Wissen, was uns die Dozenten näherbringen werden, auf die Teilnehmer, um Erfahrungen austauschen zu können; aber am meisten freue mich auf die persönliche Challenge meinen Abschluss “Fachwirt im E-Commerce” in der Tasche zu haben.

Kalt: Ein Experte auf diesem Gebiet zu werden und auf die Praxis.

Michelis: Auf die vielen tollen Diskussionen mit meinen sehr netten Komolitonen und den tollen Dozenten.

Mit welchem Ziel machen Sie die Fortbildung?

Extra: Ich erhoffe mir neue Eindrücke gewinnen zu können, mein Wissen in dem Bereich zu erweitern, um unser Omni-Channel-Team im Headquarter neuen Input geben zu können und hoffe bald als E-Commerce Manager durchstarten zu können.

Kalt: Ich möchte einen zukunftssicheren Job, bei dem ich auch von zuhause aus arbeiten kann. Zudem möchte ich die Option haben, mich selbstständig zu machen.

Michelis: Mir ist es wichtig beruflich und persönlich nicht den Anschluß zu verlieren und irgandwann zu merken, dass ich wichtige Entwicklungen verschlafen habe.

Tobias Proksch: „Die Unternehmen dürfen nicht eigene Prozesse, Vorgaben oder Inhalte vor die Kundenbedürfnisse stellen. Daher ist auch eine Re-Organisation für Unternehmen entlang der sogenannten Customer Journey unerlässlich“

Tobias Proksch ist Geschäftsführer Marketing, IT & E-Commerce bei der Osianderschen Buchhandlung und kann auf einen langen Werdegang im E-Commerce-Bereich zurückblicken. Er studierte «Technisch orientierte Betriebswirtschaftslehre» an der Universität Stuttgart und den Master-Studiengang «Business Administration» mit Spezialisierung auf Marketing, eCommerce und Business Strategy an der Technischen Universität Lulea in Schweden. Vor seiner Zeit bei Osiander war er unter anderem Head of eCommerce bei MairDumont und Yves Rocher und Referent Marketing Web & eCommerce STIHL.

Wie haben sich die Themen und Herausforderungen im E-Commerce in den vergangenen Monaten und Jahren im Vergleich zu früher geändert? 

Tobias Proksch: Der Fokus liegt heute viel mehr auf dem Kunden. Dieser muss immer im Zentrum aller Aktivitäten des professionellen eCommerce-Unternehmers stehen. Die Unternehmen dürfen nicht eigene Prozesse, Vorgaben oder Inhalte vor die Kundenbedürfnisse stellen. Daher ist auch eine Re-Organisation für Unternehmen entlang der sogenannten Customer Journey unerlässlich. Diese Re-Organisation und die radikale Kundenzentrierung ist auch mein Beitrag zum neuen Fachwirt im E-Commerce (IHK) des mediacampus frankfurt.

Wie hat das Ihren Arbeitsalltag im Vergleich zu früher geändert? 

Mein Arbeitsalltag hat sich absolut geändert: wo «früher» topdown Entscheidungen des Managements, des Vertriebs oder der Marketingleitung den Arbeitsalltag des eCommerce-Mitarbeiters bestimmt haben, ist heute die intrinsische Motivation, der Wille Verantwortung zu übernehmen und das maximale Vertrauen in crossfunktionale Teams und agile Arbeitskreise essentiell für den Erfolg der gesamten eCommerce-Unternehmung. Nur so kann man heutzutage auf die ständigen Marktveränderungen reagieren bzw. in die Rolle des Agierenden übergehen.

Und genau das möchte ich den Teilnehmer des «Fachwirts im E-Commerce (IHK)» näherbringen, weil wir solche Leute dringend im Markt brauchen, um täglich Prozesse, Systeme und Geschäftsmodelle im Sinne des Kunden in Frage zu stellen.

 Fachwirt:in im E-Commerce (IHK)

  • Dauer: ca. 17 Monate
  • Hybride Seminare, E-Learning-Einheiten und Webinare
  • Durch Aufstiegs-BAföG und KfW-Förderung nur ca. 1.300 € Kursgebühr
  • Einstieg in den laufenden Kurs noch möglich
  • Nächster Start voraussichtlich im 2. Quartal 2021
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