Das Sonntagsgespräch Daniel Beskos und Peter Reichenbach: Am Indiebookday kommen Buchhändler, Verlage und vor allem auch Leser zusammen

Gestern war Indiebookday – und aus einer kleinen sympathischen Idee, Bücher aus unabhängigen Verlagen zu kaufen, sich mit dem Buch zu fotografieren und dieses in den sozialen Netzwerken zu verbreiten, ist inzwischen eine internationale Bewegung geworden.

Wie auf der Indiebookday-Seite zu sehen ist, gab es auch in diesem Jahr wieder regen Zuspruch. Wir sprachen mit den beiden Verlegern des mairisch-Verlags Daniel Beskos und Peter Reichenbach, die die Aktion erfunden haben und dafür im vergangenen Jahr auch mit einem BuchMarkt-AWARD ausgezeichnet wurden.

Daniel Beskos, Peter Reichenbach

Zufrieden mit der inzwischen dritten „Ausgabe“ des Indiebookdays?

Peter Reichenbach: Ja, wir sind sehr zufrieden. Auch in diesem Jahr wurden unsere Erwartungen wieder übertroffen. Schon im Vorfeld hatten wir über 1.300 Teilnehmer alleine auf der Facebookseite, dazu haben wir über 1.000 Plakate an Buchhändler und Verlage verschickt, die diese auch allerorten kräftig genutzt haben.

Ihre Aktion hat mit dazu beigetragen, unabhängige Verlage in der Öffentlichkeit besser bekannt zu machen. Haben Sie das auch in Ihrem eigenen Verlag gemerkt?

Daniel Beskos: Ja, vor allem seit wir den Indiebookday auch als Erscheinungsdatum für unsere Frühjahrsnovitäten nutzen. Das Tolle am Posten der gekauften Indiebookday-Bücher ist ja, dass man so einen wirklich guten Überblick über Bücher aus Indieverlagen bekommt. Selbst uns fallen dann immer wieder Titel auf, die wir bis dahin nicht kannten. Ich denke dieser Effekt hilft allen Indieverlagen.

Den Indiebookday gibt es inzwischen auch in England. Wissen Sie noch von weiteren Ländern, die Ihre Idee aufgegriffen haben?

Peter Reichenbach: Der Indiebookday internationalisiert sich tatsächlich. Im Vorfeld gab es eine ausführliche Berichterstattung in englischsprachigen Branchenmedien. Aber auch vor allem in den Niederlanden passiert jede Menge, hier finden in Zusammenarbeit von Indie-Verlagen und Buchhandlungen in diversen Städten Events statt. Ähnliches haben wir auch aus Italien gehört. Und sogar eine polnische Buchhandlung hat uns ein Foto ihres Indiebook-Schaufensters geschickt.

Sehen Sie den Indiebookday als ein Beispiel, wie gerade unabhängige Verlage und Buchhandlungen soziale Medien für sich nutzen können?

Daniel Beskos: Unbedingt, denn den unabhängigen Verlagen und Buchhandlungen fehlen oft die finanziellen Mittel, um erfolgreich für sich Werbung zu machen. Am Indiebookday kommen Buchhändler, Verlage und vor allem auch Leser zusammen, um füreinander Werbung zu machen. Schöner kann es eigentlich gar nicht sein.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Buchhandel? Werden da schon mal Schaufenster für den Indiebookday dekoriert?

Peter Reichenbach: Es gibt jede Menge Schaufenster, Büchertische und immer häufiger auch Veranstaltungen wie Lesungen oder Vorträge mit Diskussionen. Auf der Buchmesse in Leipzig kamen immer wieder Buchhändler an unseren Stand und berichteten von ihren guten Erfahrungen. Indem wir kostenlos Plakate verschicken, versuchen wir es den Buchhandlungen auch so einfach wie möglich zu machen, den Tag wirklich als Ereignis in ihrem Laden zu nutzen.

Sind Sie zufrieden mit den medialen Reaktionen auf Ihre Aktion, oder gäbe es da noch Luft nach oben?

Daniel Beskos: Der Indiebookday wird seit Beginn von den Medien begleitet, und das wächst jedes Jahr. Es gibt immer wieder Ankündigungen in überregionalen Zeitungen und Radiosendungen, auch die lokalen Zeitungen berichten gerne über Aktionen in Buchhandlungen zum Indiebookday. Die Literaturblogger sind, was uns wirklich freut, ohnehin voller Enthusiasmus immer live dabei. Sie stellen nicht nur ihre eigenen Indiebooks vor, sondern kommentieren auch die Käufe anderer Blogger und geben Empfehlungen.

Gibt es Ideen, was im nächsten Jahr anders gemacht könnte?

Peter Reichenbach: Wir freuen uns sehr darüber, dass unsere Idee auch im Ausland greift, und uns würde es natürlich gefallen, wenn der Indiebookday zu einem internationalen „Feiertag des unabhängigen Verlegens“ werden würde. Daran arbeiten wir – und vertrauen natürlich auch in die Motivation aller Beteiligten.

Welches Buch haben Sie gestern selbst gekauft?

Peter Reichenbach: Peter Kurzeck – „Die Hörspiele“, Stroemfeld Verlag.

Daniel Beskos: Heðin Brú – „Vater und Sohn unterwegs“. Aus dem Färöischen von Richard Kölbl, Guggolz Verlag.

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