Das Sonntagsgespräch Daniela Koch: 100 erfolgreiche Tage Bilanz „Publishers in Residence“ in Zürich

100 Tage haben Buchverlage im Zürcher Literaturmuseum Strauhof in über 50 Veranstaltungen unter dem Titel „Publishers in Residence“ Einblick in ihre Tätigkeit gewährt [mehr…]: am (öffentlichen) Bürotisch Manuskripte redigiert, über editorische Großtaten berichtet oder die geplante Verlagsförderung diskutiert. Die Publikumsresonanz war so groß.

BuchMarkt sprach mit Projektleiterin und Rotpunktverlag-Chefin Daniela Koch über diese einzigartige Veranstaltung.

BuchMarkt: Wie sieht die Bilanz „Publishers in Residence“ im Museum Strauhof in Zürich nach 100 Tagen aus?

Daniela Koch, Foto: Rotpunktverlag

Daniela Koch: Wir sind mit dem Auftritt rundum zufrieden. Sage und schreibe 50 Mal versammelten sich bei uns interessierte Besucher – oft zahlreicher, als je zu hoffen gewagt –, um Autoren zu hören, editorische Großtaten zu entdecken, bei Workshops mitzudenken, Verleger und ihre Arbeit kennenzulernen und über die Zukunft der Branche zu diskutieren. Verleger trafen Leser trafen Lektoren trafen Buchhändler trafen Studenten trafen Self-Publisher trafen Übersetzer.

Welche Verlage haben mitgemacht?

Atlantis, Zürich; bilgerverlag, Zürich; Büchergilde Gutenberg, Zürich; verlag die brotsuppe, Biel; Dörlemann Verlag, Zürich; edition 8, Zürich; FUTURUM VERLAG, Basel; Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, Bern; Der gesunde Menschenversand, Luzern; Karger Publishers, Basel; Kein & Aber, Zürich; Limmat Verlag, Zürich; Nagel & Kimche Verlag, Zürich; NIMBUS. Kunst und Bücher, Wädenswil; NordSüd Verlag, Zürich; Orell Füssli Verlag, Zürich; Rotpunktverlag, Zürich; Verlag Scheidegger & Spiess, Zürich; Seismo Verlag, Zürich; SJW Schweizerisches Jugendschriftenwerk, Zürich; Rudolf Steiner Verlag, Basel; Unionsverlag, Zürich; Wörterseh Verlag, Gockhausen.

Die Verlage wollten dem Publikum zeigen, was Verlegen eigentlich ist. Was hat das Publikum besonders interessiert?

Das Interesse war wie das Programm sehr vielfältig. Sehr gut besucht waren nicht nur die Buchvernissagen, sondern auch die Workshops, insbesondere die Maunuskriptsprechstunden am Samstagnachmittag, sowie die Diskussionsreihe „Publishers in Resistance“, wo es um brennende Fragen der Branche, wie z.B. um Nachfolge und den schwierigen Generationswechsel in Verlagen ging.

Welche Anregungen haben die Verlage mitgenommen?

Der große Zuspruch hat uns gezeigt, dass das Literatur-Publikum sich nicht nur für Bestsellerautoren interessiert, sondern auch für das Gespräch rund ums Buch, für die Geschichten der Verlage und der einzelnen Bücher. Für uns Verlage gab es Anregung, über neue Veranstaltungsformen und -inhalte nachzudenken, die dieses Interesse aufgreifen.

Wer hat Sie bei diesem Veranstaltungsmarathon unterstützt?

Der Auftritt „Publishers in Residence“ im Literaturmuseum Strauhof , das im vergangenen Jahr übrigens erst von einem engagierten Komitee vor dem Aus gerettet wurde, ist nach einer Anfrage der Stadt Zürich zur Zwischennutzung entwickelt worden. Hierzu haben sich erstmals die Verbände Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband SBVV, Zürcher Buchhändler- und Verlegerverein ZBVV und Swiss Independent Publishers SWIPS zusammengetan. Finanziell unterstützt wurden wir von der Stadt Zürich, dem Kanton Zürich, von Stiftungen, ProLitteris und dem Schweizer Bücherbon. Ohne das riesige persönliche Engagement innerhalb unseres kleinen Organisationskomitees wäre die Sache aber wohl nie so zustande gekommen.

Durch den „Frankenschock“ ist die Verlagsarbeit in der Schweiz nicht leichter geworden. Hat „Publishers in Residence“ etwas dazu beitragen können, das Publikum für die neuen Probleme zu sensibilisieren?

Natürlich war mit unserer Aktion nicht der dramatische Preisverfall für Bücher hier aufzuhalten – aber ich denke, wir konnten deutlich machen, dass hinter den Büchern Verlage und Verleger stehen, von denen substanzielle Inputs für das kulturelle Leben in der Schweiz ausgehen und die, z.B. durch Übersetzungen von Büchern aus den anderen Landessprachen, einen wichtigen Beitrag zum Austausch und Zusammenhalt über die Sprachgrenzen hinweg leisten.

Denken Sie an Fortsetzung der Veranstaltung, und wenn ja: wird es da neue inhaltliche Schwerpunkte geben?

Ja, der Auftritt hat gezeigt, dass solch ein Ort, wo man sich in entspannter Atmosphäre zum Gespräch über literarische, verlegerische oder kulturpolitische Themen trifft, in Zürich fehlt. Tatsächlich sind wir dabei, Pläne für eine Fortsetzung zu schmieden. Ob wir woanders, im Biennale-Rhythmus vielleicht, wieder für 100 Tage eine Residenz beziehen oder uns fest niederlassen, ist noch in der Diskussion. Fest steht, dass wir mit dem Publikum weiter über das Büchermachen im Gespräch bleiben wollen.

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