Björn Bedey über dia aktuellen Rahmenbedingungen in der Buchbranche „Das ist ein Signal der Solidarität, da es jetzt lichterloh auf dem Buchmarkt brennt“

Björn Bedey: „Bisher hat unsere Branche das mit  Herzblut, Kreativität und Einsatz noch auffangen können, aber allen hat diese Zeit zugesetzt. Wir bewegen uns in einer Branche, in der „auf der hohen Kante“ nichts mehr liegt – wir leben von der Hand in den Mund. Die staatlichen Kreditprogramme verbessern zwar kurzfristig die Liquidität, aber beseitigen nicht das Grundproblem. Es ist fünf nach zwölf!“

Trotz der Mehrwertsteuersenkung werden die Verlage der Bedey Media ihre Buchpreise nicht ändern, aber die sich ergebenden Mehreinnahmen zur Hälfte den eigenen Autor*innen zugute kommen lassen. Das war Anlass für unser heutiges Sonntagsgespräch mit Björn Bedey dem Gründer seiner „Verlags-WG“:

BuchMarkt: Herr Bedey, wie haben denn Ihre Autoren auf Ihren Vorschlag reagiert?

Björn Bedey: Positiv – es ist so angekommen, wie es gemeint war,  als ein Zeichen der Solidarität mit unseren Autoren.

Und wie sind Sie auf diese Idee gekommen ?

Wir wollten ein positives Signal in Bezug auf die Mehrwertsteuersenkung senden. Denn warum wir Verlage die MwSt-Senkung aufgrund der Buchpreisbindung nicht sinnvoll an den Verbraucher weitergeben können, ist recht komplex und bedarf einer umfangreichen Erklärung, derer viele Verbraucher und auch Autoren nicht mehr bereit sind zu folgen. Durch unsere Geste konnten wir ein einfaches, verständliches Signal der Solidarität senden.

Liegen die Probleme für uns alle und nicht zuletzt auch für die unabhängigen Verlage ganz woanders?

Nein – wir haben doch keine Probleme! Unserer Branche geht es doch prächtig!

Das ist doch blanke Ironie …

… ja, natürlich, auch wenn dieser Eindruck von unserer Branche langsam bröckelt, ist er doch immer noch weit verbreitet. Dass es hingegen lichterloh auf dem Buchmarkt brennt und davon alle Stufen des Buchhandels betroffen sind, findet nach wie vor wenig Eingang in die Berichterstattung der Medien. Der herstellende Buchhandel, der Zwischenbuchhandel und der Bucheinzelhandel sind alle von den sich seit Jahren stetig verschlechternden Rahmenbedingungen betroffen. Hier seien die Themen VG Wort Ausschüttungen, Urheberrecht und Wettbewerbsverzerrungen zugunsten eines globalen Onlinehändlers nur exemplarisch erwähnt …

Wir hier in Deutschland konnten unsere Buchbranche im Gegensatz zu unseren Nachbarländern bisher ohne große Subventionen, gleichwohl flankiert vom ermäßigten Mehrwertsteuersatz und der Buchpreisbindung, wirtschaftlich betreiben.

Dies ist aber seit geraumer Zeit kaum noch möglich. Die zahlreichen Insolvenzen in allen Sparten zeigen dies deutlich. Andere Kulturbereiche wie Film, Theater und Oper werden seit jeher stark vom Staat gefördert, um diese zu erhalten. Dass der Buchmarkt diese mittlerweile auch dringend benötigt, wird negiert.

Weil es in der Öffentlichkeit noch nicht angekommen ist?

Ja, und leider auch in großen Teilen der Politik. Dem Großteil unserer Mitmenschen ist nicht bewusst, was wir verlieren, wenn unser noch funktionierender Buchmarkt zusammenbricht, um den uns viele Nationen beneiden. Hinzu kommt das Ungleichgewicht der großen Markteilnehmer gegenüber den kleineren – das ist freilich kein branchenspezifisches Problem – fördert aber umso mehr den Konzentrationsprozess, der aus meiner Sicht der Vielfältigkeit nicht zuträglich ist.

Sie flankieren Ihre Geste mit dem Slogan „Nur gemeinsam sind wir stark“, ist das nicht nur ein Mantra?

Das ist nicht nur ein Mantra, Gemeinsamkeit ist für mich schon ein bedeutungsvoller und sehr gewichtiger Begriff. Miteinander liegt mehr in der Natur des Menschen als ein Gegeneinander – das schließt freilich einen fairen Wettbewerb in keiner Weise aus. Nur wenn einzelne Menschen nachhaltig Verantwortung tragen und auch entscheiden können, ist ein fairer Wettbewerb möglich. Aber ein Miteinander aus der anonymen Masse der Shareholder von großen Wirtschaftsunternehmen heraus funktioniert nicht – dies können wir seit Jahren beobachten. Wir haben noch dazu die Gemeinschaft im Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. In unserem Branchenverband, in dem eben alle Verwertungsstufen gemeinsam agieren und um den uns viele andere Branchen beneiden, wird genau dieses Prinzip gelebt.

Wir haben uns darüber kennengelernt, weil Sie kreative Projekte mit voran getrieben haben …

Gemeinschaftsprojekt „Lesetipps aus unabhängigen Verlagen“ (Durch Klick auf Abbildung zum Blättern)

Sie spielen auf unser Projekt der Fantastische Reiseführer zur Leipziger Buchmesse an?  Auch die Idee Schöne bücher – Lesetipps aus unabhängigen Verlagen habe wir durch unseren Synergien gerade ganz frisch mit Bordmitteln entwickeln können.

Nur in Gemeinschaften können solche kreativen Projekte realisiert werden?

Ja, auch wenn nicht immer alle Träume reifen, auch in Gemeinsamkeiten muss man auf Wirtschaftlichkeit achten,  auch Shakespeares Enkel in Dresden war nur gemeinsam möglich, aber Corona hat uns gezwungen, das schöne Projekt aufzugeben.

Sie leben das Gemeinschaftsgefühl, dass Sie von der Branche erhoffen, selbst in Ihrer „Verlags WG“ – aber die ganze Buchbranche hat seit  Monaten schwer zu kämpfen. Ehrlich, wie ist Ihre Grundstimmung jetzt? 

Im Februar auf der IGuV-Jahresversammlung in Norderstedt habe ich noch gesagt, dass es nur noch besser werden kann – so etwas werde ich bestimmt nie wieder sagen! Corona hat unsere Branche getroffen – hier habe ich eine andere Wahrnehmung, als die veröffentlichten positiven Umsatzzahlen es vermitteln.

Ja, die  mittel- und langfristigen Auswirkungen sind noch nicht abzusehen.

Und der absolute Einbruch im Veranstaltungsbereich setzt vor allem den kleineren Verlagen und den Autoren am ärgsten zu. Auf Grund der Nähe zum Kunden hat sich das unabhängige Sortiment besser geschlagen als die großen Filialisten. Aber auch der Zwischenbuchhandel musste sich einem ganz anderen, aufwendigeren Bestellverhalten stellen. Bisher hat unsere Branche das überwiegend mit viel Herzblut, Kreativität und Einsatz noch auffangen können, aber ob groß oder klein, ob Verlag, Zwischenbuchhandel oder Sortiment – allen hat diese Zeit zugesetzt. Wir bewegen uns in einer Branche, in der „auf der hohen Kante“ nichts mehr liegt – wir leben von der Hand in den Mund. Die staatlichen Kreditprogramme verbessern zwar kurzfristig die Liquidität, aber beseitigen nicht das Grundproblem.

Was also jetzt tun?

Wenn wir in Deutschland weiterhin diese unabhängige, bunte kulturelle Buchvielfalt behalten wollen, muss der Staat dringend und kurzfristig die sich in den letzten Jahren stark verschlechterten Rahmenbedingungen durch strukturelle Subventionen ausgleichen. Es ist fünf nach zwölf!

Das war jetzt sehr deutlich und ehrlich.

Und trotzdem habe ich als Verleger den schönsten Beruf der Welt und freue mich über jeden Tag, an dem einer unserer Verlage eine  schöne neue Geschichte in Form eines Buches erzählen darf.

Die Fragen stellte Christian von Zittwitz

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Kommentare (1)
  1. Bitte auf Zeichensetzung (Komma!), Rechtschreibung und Grammatik achten (z.B. „Und wir (sic!) sind Sie auf diese Idee gekommen?“)!
    Wir alle, die wir mit Sprache umgehen, dürfen nicht nur auf den Inhalt achten, sondern gerade in Zeiten der asolzialen Medien auch auf die Form, auf die Sprachrichtigkeit.
    Trotzdem danke für eure Arbeit – macht weiter so und bleibt alle gesund!

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