Der andere Fragebogen Wie war Ihr Jahr, Annabel Lammers?

Annabel Lammers: „Ich möchte nichts mehr über Insolvenzen und Schließungen von Verlagen und Buchläden lesen, die einem ans Herz gewachsen sind, lieber mehr Erfahrungsberichte von Menschen, die Mut hatten, etwas anders zu machen. Und nicht nur vom Erfolg, sondern auch vom Scheitern lesen. Man kann immer aus beidem lernen“

Seit dem 06. Dezember (Nikolaustag) fragen wir wieder bis zum 6. Januar 2020 (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“.  Heute beantwortet Annabel Lammers (Programmleiterin von Bohem Press) unseren „anderen“ Fragebogen:

Welcher Tag war Ihr schönster in diesem Jahr?

Ein großes Geschenk waren die vier Tage im Juli beim Sommertreffen der „Motovun Group“ in Athen: Austausch, Inspiration und Lebensfreude mit internationalen Kollegen und Freunden aus der Buchbranche.

Worüber haben Sie sich 2019 am meisten geärgert?

Die Absurditäten in der Politik und leider manchmal meine eigene Sturrheit.

Was war 2019 Ihr schönster Erfolg?

Das Buch Rot ist doch schön, nicht nur wegen diverser Preise und Nominierungen, sondern vor allem, weil es ein Buch ist, das authentisch aus dem Herzen geschrieben wurde, ohne an Strategien, Zielgruppen und Marketingstricks zu denken und „funktioniert“.

Als Bachelorarbeit entstanden erschien es fast 1:1 wie von der Autorin Lucia Zamolo geplant war. Schön, dass so eine persönliche Arbeit dann mitbegeisterte Leser findet.

Und Ihr traurigster Misserfolg war…?

Mag seltsam klingen, aber es gab in diesem Jahr nichts, was die Bezeichnung „Misserfolg“ verdient.

Ihre schönste Buchhandlung/Ihr liebster Verlag in diesem Jahr?

Für „Schönste Buchhandlungen“ bräuchte ich eine extra Seite bzw. eine „Longlist“, besonders bei den kleinen Inhabergeführten Buchhandlungen.

Verlage: Einer von den Großen: Hardie Grant, einer von den Kleinen: Hoxton Mini Press

Von welchem Thema wollen Sie (warum) im kommenden Jahr nichts mehr lesen?

Hoffentlich nichts über Insolvenzen und Schließungen von Verlagen und Buchläden, die einem ans Herz gewachsen sind.

Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?

Erfahrungsberichte von Menschen, die Mut hatten, etwas anders zu machen, nicht nur vom Erfolg, sondern auch vom Scheitern. Man kann immer aus beidem lernen.

Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?

Einer der permanenten Fehler, den viele Menschen machen: Zu viel Zweifeln und dadurch Angst über Mut siegen zu lassen – das hat noch nie geholfen.

Und welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen?

Den Fehler von Frage 8 hoffentlich seltener. Und trotz den guten Vorsätzen werde ich vermutlich 2020 mit viel Kaffee und Schokolade wieder einige Mittagessen ersetzen.

Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?

Natur und doch Rot ist doch schön – weil diese Titel mir gezeigt haben, was sich bewegt, wenn man etwas anderes wagt (für uns bei Bohem sich mehr in den Sachbuchbereich zu wagen).

Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?

Da lässt sich kein Unterschied in der Wichtigkeit festmachen. Mit Spannung beobachten werden wir allerdings, ob andere unsere Begeisterung für Erdferkel teilen. Dieses unbekannte, eigenartige Tier hat Lisa Rammensee in Super, wenn man schwimmen kann als Helden, der schwimmen lernt, inszeniert.

Von wem würden Sie gern auch mal  die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?

Von Mariela Nagle, Übersetzerin, Netzwerkerin und Inhaberin der Internationalen Buchhandlung Mundo Azul in Berlin.

Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gern beantwortet?

Welche fiktive Buchfigur sollte es im wahren Leben geben?

Hier können Sie die auch beantworten:

Astrid Lindgrens Michel von Lönneberga und Madita. Menschen mit so viel Herz und Gewissen würde man sich als Präsidenten, Kanzler oder Minister wünschen.

Gestern antwortete Ulrich Störiko-Blume auf unseren „anderen“ Fragebogen, morgen befragen wir Johannes Stricker

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