Wie war Ihr Jahr, Andreas Auth?

Andreas Auth

Seit Nikolaustag fragen wir täglich bis zu den Heiligen drei Königen in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“. Wenn’s gefällt, gibt es 2010 eine Neuauflage!Heute wird der „andere“ Fragebogen von Andreas Auth (Foto), geschäftsführender Direktor der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft, beantwortet.

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Welcher Tag war Ihr schönster in diesem Jahr?
Ein sonniger Urlaubstag im norwegischen Tromsoe. An diesem Tag habe ich gemeinsam mit meiner Frau und den Kindern (7 und 9) nach einer langen und anstrengenden Wanderung einen Berggipfel auf 1600m erreicht. Anschießend haben wir auch noch den Abstieg geschafft – Gott sei Dank (;-). Eine tolle Tour an einem traumhaft schönen Tag!

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Worüber haben Sie sich 2009 am meisten geärgert?
Über den Urheberrechtsverstoß der Universitätsbibliothek in Darmstadt, die es jedem Interessierten ermöglichte, bestimmte Studienbücher komplett und kostenlos zu kopieren und auf einem Datenstick nach Hause zu nehmen. Anschließend noch einen juristischen Rechtsstreit mit der Begründung zu beginnen, das Ganze sei rechtens und mit dem Urheberrecht vereinbart, ist mehr als dreist! Ich bin froh, dass diesen kriminellen Praktiken ein Riegel vorgeschoben wurde.

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Was war 2009 Ihr schönster Erfolg?
Gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen haben wir das gesamte WBG-Jubiläumsjahr zum 60igsten Geburtstag mit vielfältigen Aktionen gefeiert: mit besonders attraktiven Jubiläums-Angeboten für WBG-Mitglieder und den Buchhandel, mit unterschiedlichen Kooperationen (Unterstützung von Bibliotheken, Förderung von Kindern über die Stiftung Lesen etc.) und mit einem WBG-Jubiläumsfest im Sommer, bei dem wir alle ausgelassen mit Kunden, Geschäftspartnern und Freunden gefeiert haben. Der Wettergott war uns hold.
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Und Ihr traurigster Misserfolg war…?
Nicht all die Bücher verlegen zu können, die es verdient hätten, im Programm der WBG zu erscheinen.

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Ihre schönste Buchhandlung/Ihr liebster Verlag in diesem Jahr?
Nach wie vor schätze ich die kontinuierliche Arbeit von Michael Krüger bei Hanser oder Wolfgang Balk bei DTV. Sie schaffen es immer wieder, programmatische und vertriebliche Akzente zu setzen und auf diese Weise ihre bestehenden Autorinnen und Autoren zu binden bzw. neue, interessante Autoren aufzubauen. Gleichzeitig zolle ich allen Verlagen Respekt, die mit ihrer engagierten Arbeit eine Vielzahl von schönen und wichtigen Büchern in den Handel bringen.

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Von welchem Thema wollen Sie (warum) im neuen Jahr nichts mehr lesen?
Die Ursachen der Weltwirtschafts- und Bankenkrise wurden nun hinlänglich beschrieben und diskutiert und zum Teil auch Konsequenzen daraus gezogen. Es ist nun die Zeit wieder stärker nach vorn zu schauen!

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Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?
Generell noch mehr Hintergrundinformationen zu unserer Branche und ihren Akteure. Die Verlags- und Buchhandelsbranche ist so vielfältig, wie kaum eine andere! Gerne würde ich noch mehr über das E-Book bzw. allgemeiner gesagt, über die Generierung und Vermarktung von elektronischen Informationen wissen. Die Entwicklung hat erst begonnen und ist so rasant, dass sich alle Beteiligten permanent damit auseinandersetzen müssen, um den Anschluss nicht zu verlieren.

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Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?
Bei manchen Entwicklungen zu lange zusehen, bevor man etwas ändert!

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Und welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen?
Das eine oder andere Buch zu verlegen, dass unter ökonomischen Gesichtspunkten grenzwertig, aber trotzdem dringend notwendig ist.

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Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?
Hier muss ich zwei nennen: Erstens hat die WBG in ihrem Jubiläumsjahr den Historiker René Schlott damit betraut, zum ersten Mal eine kleine Geschichte der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft zu schreiben, die unter dem Titel „Die WBG, ein Unikat der Verlagslandschaft“ erschienen ist. Der Titel entstammt übrigens einem Zitat der NZZ. Zweitens haben wir gerade das bibliophil gestaltete Buch „Der Bücherwurm – Vergnügliches für den besonderen Leser“ fertiggestellt. Der Autor Hektor Haarkötter begegnet auf seinem interessanten Streifzug allerlei bücherfressendem Getier, aber auch dem klassischen Büchernarr auf zwei Beinen. Dieses Buch ist ab Januar im Primus Verlag erhältlich und hat eine riesige Zielgruppe…

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Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?
Das ist wohl die schwierigste Frage, weil uns Verlegern jedes unserer Bücher am Herzen liegt. Für mich ist es wohl die 6-bändige WBG Weltgeschichte. Nachdem zur Buchmesse 2009 die ersten beiden Bände erschienen sind, wird im kommenden Jahr das Werk abgeschlossen vorliegen. Band 3 & 4 erscheinen im März und Band 5 & 6 im September. Dann liegt zum ersten Mal eine globale Geschichte von den Anfängen bis ins 21. Jahrhundert vor, die nicht aus europazentrierter Sicht geschrieben wurde und chronologische und thematische Sachverhalte inhaltlich verschränkt. Für mich ein wirklich faszinierendes Werk!

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Von wem würden Sie auch gern mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?
Von meinem früheren Kollegen Christian Rieker, der aktuell zum Prestel Verlag nach München gewechselt ist und im kommenden Jahr sicherlich einiges zu berichten hat.

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Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gern beantwortet?
Wie „tanken“ Sie nach einem intensiven Arbeitstag auf?

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Hier können Sie die auch beantworten…
Um an die erste Frage anzuschließen: Die Unterstützung durch meine Familie und die vielen „Familienerlebnisse“ – ob klein oder groß – sowie das Zusammentreffen und der Austausch mit Freunden geben mir die Kraft, auch in unruhigen Zeiten die WBG-Verlagsgruppe in die Zukunft zu führen.
Zum vorigen Beitrag: [mehr…], morgen antwortet René Strien, verlegerischer Geschüftsführer Aufbau Verlag.

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