Wie war Ihr Jahr, Elisabeth Sandmann?

Elisabeth Sandmann

Seit dem 6. Dezember 2015 (Nikolaustag) fragen wir wieder bis zum 6. Januar (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“. Unseren „anderen“ Fragebogen beantwortet heute Verlegerin Elisabeth Sandmann.

1.

Welcher Tag war Ihr schönster im letzten Jahr?
Der, an dem dieses Jahr zu Ende ging.

2.

Worüber haben Sie sich 2015 am meisten geärgert?
Über Gesetzesvorhaben, wie die angekündigte Novellierung des Urheberrechts, die in Verlagen nicht mehr als Verwertungsgesellschaften sehen. Das ist für alle, die es noch nicht wissen, ein Skandal.

3.

Was war 2015 Ihr schönster Erfolg?
Das ist ja ein bisschen die Angeberfrage! Also:
Überraschend war der Erfolg des teuren und opulenten Buchs von Daniel Ost „Der Meister der Blumenkunst“, von dem wir 2000 Exemplare aufgelegt und nun nur noch wenige Exemplare verfügbar haben; eher erwartbar war bei etwa über 550.000 Lehrerinnen der Erfolg von „Unbeugsame Lehrerinnen“, das wir kurz vor Weihnachten vergriffen melden mussten, schön für mich persönlich war der Erfolg meines eigenen, kleinen Buchs „Der gestohlene Klimt“. Am letzten Tag des Jahres druckte die Welt auf einer 1/1 Seite ein Gespräch mit unserem Autor, dem Jesuiten Prof. Michael Bordt ab, mit dem wir „Die Kunst, sich selbst zu verstehen“ herausgebracht haben. Buch und Autor sind ein Glücksfall.

4.

Und Ihr traurigster Misserfolg war…?
Es war eigentlich ein ganz gutes Jahr, und das, was nicht gut war, war irgendwie auch gut.

5.

Ihre schönste Buchhandlung / Ihr liebster Verlag in diesem Jahr?
Alle, Buchhandlungen, die meine Bücher bestellen finde ich sehr schön und alle Verlage, die die Finger von meinen Themen lassen, sind mir die liebsten.

6.

Von welchem Thema wollen Sie (warum) im neuen Jahr nichts mehr lesen?
Über Pep Gardiola, Martin Winterkorn und vegane Küche.

7.

Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?
Ich würde gerne mehr darüber lesen, wie es speziell den Frauen in den Flüchtlingslagern bei uns geht, damit man über die Bedürfnisse und Nöte dieser Frauen konkret spricht.

8.

Welchen Fehler aus dem letzten Jahr möchten Sie im neuen Jahr vermeiden?
So wenig Urlaub zu machen.

9.

Und welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen?
Diesen nicht, alle anderen vielleicht schon.

10.

Welches Buch hat Ihnen im letzten Jahr besonders viel Freude gemacht?
Katja Petrowskajas Buch „Vielleicht Esther“, das 2014 bei Suhrkamp erschienen ist, war eine echte Entdeckung für mich. Da ist jeder Satz meisterhaft.

11.

Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?
Diese Frage ist natürlich eine Steilvorlage! Also:
Am 4. Februar startet im Kino der Film „Suffragette“ mit Meryl Streep in einer der Hauptrollen. Dabei geht es um ein echtes Elisabeth Sandmann- Thema: Um mutige Frauen, die man heute nicht mehr kennt oder nicht mehr viel über sie weiß, dabei haben sie maßgeblich daran mitgewirkt, dass sich Frauen das Wahlrecht erkämpfen konnten. Wir werden pünktlich zum Filmstart das Buch „Die Suffragetten“ herausbringen mit Porträts der interessantesten Damen. Ebenfalls im Frühjahr erscheint ein echtes Fundstück „Finsternis in Deutschland“, das erstmals 1943 in England publiziert wurde. Das Buch bietet durch die nicht nach dem Krieg überarbeiteten Interviews eine seltene und authentische Nahaufnahme der Zeit zwischen 1934 und 1938.

12.

Von wem würden Sie auch gern mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?
Von Peter Mayer, dem New Yorker Verleger, der gut genug Deutsch spricht und eine echte lebende Legende ist.

13.

Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gern beantwortet?
Wie geht es Ihnen in Ihrem neuen Büro in der Theresienstraße in München?

14.

Hier können Sie die auch beantworten:
Prächtig. Kommen Sie vorbei, wenn Sie gerade einen Verlag oder eine Buchhandlung gegründet haben, Pep Gardiola auch nicht mögen, kluge Verlegerlegenden bewundern, blöde Gesetzesänderungen ablehnen und für mutige Frauen mehr übrig haben als schlaue Worte. Bei uns gibt es immer einen guten Kaffee.

Gestern antwortete Thomas Montasser [mehr…]; morgen antwortet Autor Peter Prange

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