Der andere Fragebogen Wie war Ihr Jahr, Günther Butkus?

Günther Butkus


Seit dem 6. Dezember (Nikolaustag) fragen wir wieder bis zum 6.1. 2016 (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“. Unseren „anderen“ Fragebogen beantwortet heute Pendragon-Verleger Günther Butkus.

1.

Welcher Tag war Ihr schönster in diesem Jahr?
Als „Sturm über New Orleans“ von James Lee Burke auf Platz 1 der KrimiZeit-Bestenliste stand.

2.

Worüber haben Sie sich 2015 am meisten geärgert?
Dass es trotz aller Erfolge mit Burke so schwierig war, diesen wirklich großen Wurf im Handel zu platzieren. Aber mit dem Titel gab es auch viele positive Veränderungen und neue Kontakte. Das lässt mich positiv nach vorne schauen. Frei nach: Keine Atempause … Geschichten werden gemacht … Es geht voran …

3.

Was war 2015 Ihr schönster Erfolg?
Wir hatten zwei sehr schöne Erfolge. Im Frühjahr „Sturm über New Orleans“ (4. Auflage) von James Lee Burke und „Kolbe“ (5. Auflage) von Andreas Kollender.  Insgesamt war 2015 ein erfolgreiches Jahr für Pendragon.

4.

Und Ihr traurigster Misserfolg war…?
„Kalter Schuss ins Herz“ von Wallace Stroby hätte ich mehr Beachtung gewünscht. Der Weg zu den Lesern ist manchmal länger als gedacht. Dabei kann Wallace Stroby überragend gut schreiben und hat mit Crissa Stone eine starke Frauenfigur geschaffen, die mit Raubzügen ihr Geld verdient. Wir sind von der Qualität überzeugt und werden im Herbst 2016 den zweiten Band der Reihe herausbringen.

5.

Ihre schönste Buchhandlung/Ihr liebster Verlag in diesem Jahr?
Wir haben dieses Jahr an den Buchwochen, organisiert von der Buchhandlung Patz, in Bienenbüttel teilgenommen. Und hier hat die Buchhändlerfamilie Patz gezeigt, was man alles mit Begeisterung und Herzblut bewegen kann.  Als sich der Verlag vorgestellt und Andreas Kollender aus „Kolbe“ vorgelesen hat, waren über 60 sehr interessierte Leser anwesend. Die Begeisterung hat sich auch am Büchertisch bemerkbar gemacht. Der unabhängige Buchhandel und die unabhängigen Verlage können viel gemeinsam bewegen und erreichen! Ich möchte im kommenden Jahr noch öfters in Buchhandlungen unseren Verlag vorstellen. Ich habe gemerkt, wie viel Spaß mir das macht.

6.

Von welchem Thema wollen Sie (warum) im neuen Jahr nichts mehr lesen?
Alle Nachrichten, die der Branche schaden, sind schlechte Nachrichten. Man kennt das ja: Das Fernsehen hat das Kino bedroht und die Cassette die LP, dann die CD die LP und die DVD die Videos und dann kam jahrelang nur noch die Mär vom eBook, das den ganzen Buchmarkt zerstören würde. Ohne Amazon und Brüssel würde ich mir weitaus weniger Sorgen machen. Man hat schon Kästner gefragt, wo das Positive bleibt …

7.

Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?
Die Verlage sind in ihrer Existenz bedroht. Was gerade passiert, könnte man auch als Enteignung auffassen.  Ich würde gerne endlich lesen, dass man in Berlin und Brüssel versteht, was hier eigentlich passiert und es nicht so bleiben kann. Oder aber wir Verlage müssen demnächst anfangen, das Lektorat anteilig auf das Autorenhonorar anzurechnen … oder böswillig den lektor mit als Autor auf den Umschlag zu drucken. Oder mal einen buchfreien Montag ins Leben rufen …

8.

Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im neuen Jahr vermeiden?
Nur noch die Nachauflagen drucken zu lassen, die sich auch verkaufen. Sonst muss ich mir bald eine große Glaskugel zulegen.

9.

Und welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen?
Ich bin kreativ genug, um nichts wiederholen zu müssen.

10.

Welches Buch hat Ihnen besonders viel Freude gemacht?
„Kolbe“ von Andreas Kollender. Wir konnten nicht nur einem guten Autor zu einem verdienten Erfolg verhelfen, sondern auch etwas für Fritz Kolbe tun, der in schwierigen Zeiten sein Leben riskiert hat, als er über 1600 Dokumente aus dem Auswärtigen Amt geschmuggelt und den Amerikanern in Bern übergeben hat und dem man dafür im Nachkriegsdeutschland den Stuhl vor die Grenze gestellt hat. Seine ehemaligen Kollegen haben dafür gesorgt, dass er keinen Job mehr bekommen hat. Zivilcourage ist auch heute ein seltenes Gut.

11.

Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?
„Mississippi Jam“ von James Lee Burke. Das ist ein wichtiger Lückenschluss, denn viele Leser der Robicheaux-Reihe haben mich immer wieder gefragt, warum ausgerechnet Band 7 damals  nicht erschienen ist. Ich weiß es nicht, denn es ist ein wirklich großartiger Roman.

12.

Von wem würden Sie auch gern mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?
Von Wolfgang Franßen vom Polar-Verlag.

13.

Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gern beantwortet?
Stimmt es, dass Sie kürzlich eine Bank überfallen und mit der fetten Beute entkommen konnten?

14.

Hier können Sie die auch beantworten:
Verflucht, woher wissen Sie das?

Gestern antwortete Hermann Gummerer [mehr…]; morgen antwortet Claudia Wuttke

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