Der andere Fragebogen Wie war Ihr Jahr, Johannes Stricker?

Johannes Stricker: „Zu gerne wäre ich mit Alexander von Humboldt den Orinoco langgesegelt oder den Chimborazo hochgeklettert ‑ ­ein faszinierender Mensch, mit dem es sich auch abseits des Jubiläumsjahres zu beschäftigen lohnt und der auch hier kluge Antworten auf die Fragen gefunden hätte“

Seit dem 06. Dezember (Nikolaustag) fragen wir wieder bis zum 6. Januar 2020 (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“.  Heute beantwortet Johannes Stricker, Verleger Hörbuch Hamburgunseren „anderen“ Fragebogen:

Welcher Tag war Ihr schönster diesem Jahr?

Am 6. Juni haben wir mit vielen Gästen, die dem Verlag verbunden sind, mit feinen Getränken und gutem Essen, schöner Musik und einem fantastischen Ausblick  20 Jahre Hörbuch Hamburg gefeiert. Und Grund zum Feiern hatten wir allemal, denn 20 Jahre Hörbuch Hamburg bedeutet auch eine große Erfolgsgeschichte. Ich bin sehr froh, für diesen Verlag, für dieses Team Geschäftsführer sein zu dürfen.

Worüber haben Sie sich 2019 am meisten geärgert?
Ich ärgere mich darüber, dass die Abrechnungssysteme, mit denen wir und die meisten anderen Verlage arbeiten, immer nur in Stückzahlen rechnen und so der digitalen Welt, bei der es eben nicht mehr nur um verkaufte Exemplare  geht, nicht gerecht werden. Da hinkt die Verwaltungstechnik leider der digitalen Entwicklung hinterher.

Was war 2019 Ihr schönster Erfolg?

Das ist sicherlich der Umsatz. Denn der wächst schon seit mehreren Jahren in Folge. Und mehr Umsatz heißt bei uns eben auch: mehr Menschen für Literatur begeistert zu haben.

Und Ihr traurigster Misserfolg war…?
Da muss ich lange drüber nachdenken, aber es fällt mir partout nichts ein! Misserfolge gibt es nicht, nur Herausforderungen, oder? (Meine Antwort hängt aber sicher auch damit zusammen, dass ich Misserfolge nur ungern öffentlich zugeben möchte)

Ihre schönste Buchhandlung/Ihr liebster Verlag in diesem Jahr?
Die für mich schönste Buchhandlung in diesem Jahr war die Buchhandlung am Krohnstieg in Hamburg- Langenhorn. Dank der Idee und dem Engagement von Daniel Lager durfte unser Verlag in diesem Jahr die Buchhandlung einen Tag lang „bespielen“. Unseren Mitarbeiterinnen hat es Spaß gemacht, aber der Tag hat auch gezeigt, welche Herausforderung das Geschäft um die Kunden da draußen manchmal ist.

Von welchem Thema wollen Sie (warum) im kommenden Jahr nichts mehr lesen?

Dass sich junge Leute immer weniger  für Literatur interessieren.

Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?

Wie man die Begeisterung junger Leute für gute Geschichten am besten bedient!

Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?

Meine Ungeduld.

Und welchen Fehler werden  Sie trotzdem wiederholen?

Nun, noch nehme ich meine guten Vorsätze fürs Neue Jahr ernst und hoffe also in diesem  Fall nicht auf Wiederholung!

Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?

Das kann ich gar nicht auf ein Buch beschränken, zu viele Titel haben mir Freude bereitet. Warum sonst würde ich einen Hörbuchverlag leiten? Aber um ein Buch zu nennen, das wir nicht als Hörbuch gemacht haben: Die Lektüre von „Auf Erden sind wir kurz grandios“ von Ocean Vuong (übersetzt von Anne-Kristin Mittag, erschienen im  Carl Hanser Verlag),  fand ich atemberaubend, ein Text voller Brutalität einerseits und Fragilität und Poesie andererseits.

Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?

Auch da gibt es wieder sehr sehr viele, man muss nur in unsere Frühjahrsvorschauen schauen. Ein sehr wichtiges Hörbuch aber wird sicher „Die Enden der Parabel“ von Thomas Pynchon sein, eine Hörspiel- und Hörbuchkooperation  mit dem Südwestrundfunk. Der vielfach ausgezeichnete  Regisseur Klaus Buhlert hat Bearbeitung, Komposition und Inszenierung übernommen- und es ist faszinierend, wie es ihm gelungen ist, neue, nahezu „leichte“ Zugänge zu einem von vielen Kritikern als unlesbar tituliertem Buch zu schaffen, das zweifelsohne zu den wichtigsten Werken des 20. Jahrhunderts gehört. Übel des Krieges, Kampf des Einzelnen um Freiheit und Identität: Es werden hier Themen behandelt, die uns alle angehen und die nach wie vor hochaktuell sind.

Von wem würden Sie gern auch mal  die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?

Da fällt mir sofort Alexander von Humboldt ein. Zu gerne wäre ich mit ihm den Orinoco langgesegelt oder den Chimborazo hochgeklettert ‑ ­ein faszinierender Mensch, mit dem es sich auch abseits des Jubiläumsjahres zu beschäftigen lohnt und der auch hier kluge Antworten auf die Fragen gefunden hätte….

Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben,  hätten Sie gern beantwortet?

Was ist der Sinn des Lebens?

Hier können Sie die auch beantworten:

42.

Gestern antworteten Annabel Lammers und  Lars Birken-Bertsch  auf unseren „anderen“ Fragebogen, morgen befragen wir Jörg Sundermeier

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