Der andere Fragebogen Wie war Ihr Jahr, Patrick Musial?

Seit dem 6. Dezember 2016 (Nikolaustag) fragen wir wieder bis zum 6. Januar 2017 (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“ Heute beantwortet Patrick Musial aus der Buchhandlung Musial in Recklinghausen unseren „etwas anderen Fragebogen“

patrick-musial-foto
Patrick Musial

 

1.Welcher Tag war Ihr schönster in diesem Jahr?

  • Borkum, Ende Oktober: In der Sonne auf dem Balkon sitzend Robben auf der Sandbank beobachtend, an der Seite meiner Lebensgefährtin

2. Worüber haben Sie sich 2016 am meisten geärgert?

  • Zum ärgern neige ich nicht mehr, aber unsere Gäste in der Buchhandlung empören sich nach wie vor täglich über 99 Cent-Preisendungen. Dem kann ich mich nur anschließen.

3. Was war 2016 Ihr schönster Erfolg?

  • Nach den Buchtagen in Leipzig und der Stornierung des spätabendlichen Rückflugs via Berlin, Hamburg und Münster nachts mit der wirklich wunderbaren Deutschen Bahn nach Recklinghausen zu gelangen um am nächsten Morgen um 10.00 Uhr eine Rede auf einer Abitur-Feier zu halten. Schlaflos, aber ob des Gelingens dieser Mission auch euphorisiert.

4. Und Ihr traurigster Misserfolg war…?

  •  Schon im Juli habe ich mehrere Hillary-Clinton-Biographien geordert. Haben sich suboptimal verkauft.

5. Ihre schönste Buchhandlung/Ihr liebster Verlag in diesem Jahr?

  • Die Wahl fällt schwer, es gibt so viele tolle Verlage: Verlag Hermann Schmidt, Beck, Hanser, Kunstmann, Beerenberg …

6. Von welchem Thema wollen Sie (warum) im neuen Jahr nichts mehr lesen?

  • Untergangsszenarien aller Art. Jammern ist Energieverschwendung.

7. Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?

  • Literatur, die kreativ und inspirierend ist – keine Bücher mehr, in denen die Autoren nur um sich selbst kreisen oder „Schreibschulenbücher“, die prätentiös, aber leblos sind.

8. Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?

  • Bücher einzukaufen, von denen man inhaltlich oder in Sachen Verkäuflichkeit nicht völlig überzeugt ist.

9. Und welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen?

  • An verkaufsoffenen Sonntagen zu öffnen, obwohl es nichts bringt.

10. Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?

  • „Die Maiski Tagebücher“ (C.H.Beck). Völlig überraschend sind 800 Seiten Tagebuch des russischen Botschafters in London von 1932 bis 1943, hervorragend editiert, ein großes, auch literarisches Vergnügen, nach dessen Lektüre ich zudem ein ganzes Stück besser informiert bin.

11. Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?

  • „Die 6-Punkte-Methode“ (Seltmann&Söhne) – im Grunde eine Art To-Do-Liste, aber klug umgesetzt. Ist überraschend effektiv und hilfreich.

12. Von wem würden Sie auch gern mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?

  • Von Buchhändlern und Verlegern in Syrien und in der Türkei. Das würde bedeuten, dass sich die Lage in diesen Ländern gebessert hat. Dafür, in Frieden und ohne große Sorgen an einem Sonntag Nachmittag diese Fragen beantworten zu dürfen, bin ich dankbar.

13. Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gerne beantwortet?

  • Warum beziehen kreative Menschen, wie Autoren und Autorinnen, Musiker und Musikerinnen und andere Künstlerinnen und Künstler heutzutage kaum noch Position im gesellschaftlichen Diskurs?

14. Hier können Sie die auch beantworten:

  • Das könnte an überzogener ICH-Bezogenheit liegen, ein ungesunder Trend in diesem Land. Man nimmt sich selbst zu wichtig und sein Umfeld nicht mehr wahr.

Gestern sprachen wir mit Robert Wildgruber über sein Jahr 2016. Morgen beantwortet Martin Zeiser unseren „etwas anderen Fragebogen“

 

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.