Der andere Fragebogen Wie war Ihr Jahr, Ursula Bergenthal?

Seit dem 06. Dezember (Nikolaustag) fragen wir wieder bis zum 6. Januar 2020 (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“. Heute beantwortet Diogenes -Programmleiterin Ursula Bergenthal unseren „anderen“ Fragebogen:

Ursula Bergenthal: „Wir durften einige Korken knallen lassen in diesem Jahr: Etwa auf vier Nummer-1-Bestseller, von Martin Suter, Donna Leon, Martin Walker und Daniela Krien. Und auf vier Titel gleichzeitig in den Top 10 der SPIEGEL-Liste“

 

Welcher Tag war Ihr schönster in diesem Jahr?

Es gab vor allem schönste Momente, etwa als Doris Dörrie auf einer Lesung aus „Leben, schreiben, atmen“ das Publikum dazu einlud, eigene Erinnerungen aufzuschreiben, und plötzlich war es still im Saal – bis auf das herrliche Geräusch von Stiften auf Papier. Ein magischer Augenblick. Ich denke aber auch an durchzechte Fauser-Nächte, in denen wir und andere Fauser-Fans die Neuedition bei Diogenes gefeiert haben.

Worüber haben Sie sich 2019 am meisten geärgert?

Falls ich mich über etwas geärgert habe, ist das längst vergessen. Und, mit Verlaub, ich brauche ein wenig Platz für die nächste Antwort.

Was war 2019 Ihr schönster Erfolg?

Besonders dankbar sind wir, dass Daniela Krien mit „Die Liebe im Ernstfall“ so viel Rückenwind hatte im Handel und in der Presse, 130 000 Exemplare wurden inzwischen verkauft, gelesen, diskutiert und für Instagram fotografiert. Überhaupt durften wir einige Korken knallen lassen in diesem Jahr: Etwa auf vier Nummer-1-Bestseller, von Martin Suter, Donna Leon, Martin Walker und Daniela Krien. Und auf vier Titel gleichzeitig in den Top 10 der SPIEGEL-Liste. Ian McEwan war dort 2019 gleich mit zwei Romanen vertreten; dass nach „Maschinen wie ich“ sofort sein Brexit-Roman „Die Kakerlake“ erschien, hat selbst uns überrascht. Mich freut besonders, dass Doris Dörries „Leben, schreiben, atmen“ (ein Buch, das ich all meinen Lieben geschenkt habe) nun seit 15 Wochen auf der Sachbuchliste steht, genauso lange übrigens wie Dror Mishanis brillant hinterlistiger Thriller „Drei“ in der Belletristik. All das wollte gefeiert werden.

Und Ihr traurigster Misserfolg war …?

Auch auf die Misserfolge darf man ruhig mal anstoßen und sie danach vergessen.

Ihre schönste Buchhandlung/Ihr liebster Verlag in diesem Jahr?

Es fiele mir schwer, nur eine Buchhandlung zu nennen, schließlich verdanken wir jeder einzelnen all das (und noch viel mehr), was ich auf Frage 3 antworten durfte.

Verlag: Julia Eiseles Gespür und ihr Mut als Programmmacherin beeindrucken mich sehr.

Von welchem Thema wollen Sie (warum) im kommenden Jahr nichts mehr lesen?

Dass im Herbst 2020 in den USA keine wichtigen belletristischen Bücher erscheinen werden, weil jeder über die Wahlen reden wird. Wäre gute fiction nicht besonders heilsam?

Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?

Über „books in translation“, Verlagsgründungen mit dem erklärten Ziel, internationale Stimmen zu entdecken (wie etwa HarperVia in New York, wo die „Die Liebe im Ernstfall“ erscheinen wird). Und über Film- und Serienproduktionen, die auf guten Stoffen basieren. Etwas wie: Mick Herrons herrlich britische Agentenserie wird verfilmt, und Gary Oldman spielt Jackson Lamb. Ach, diese Nachricht kam ja bereits … in diese Richtung jedenfalls.

Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?

In der Mittagspause nicht schwimmen zu gehen im Zürichsee.Und zu lange zu grübeln. Getreu dem Motto unseres Diogenes-Kalenders: „Abreißen, loslassen“.

Und welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen?

Alles kann und will ich dann doch nicht loslassen. Aber: Der Badeanzug liegt bereit.

Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?

Dass der geniale Tomi Ungerer uns mit „Dies und das“ ein Kinderbuch hinterlassen hat, das ein Klassiker werden wird. Ich hatte das große Glück, Tomi im Sommer 2018 in seinem Atelier in Irland zu erleben und zu sehen, wie er die ersten Entwürfe für dieses Buch gezeichnet hat. Dafür werde ich immer dankbar sein.

Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?

Neben einigen Überraschungen, die wir noch in petto haben, freue ich mich besonders über zwei neue Diogenes-Autoren im Kinderbuch: Timon und Julian Meyer. Ich sage nur: „Bär & Hippo, weite Welt, neue Freunde, kleines Zelt“.

Von wem würden Sie gern auch mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?

Emil Steinberger

Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gern beantwortet?

Mit welchem Buch sollte man ins neue Jahr starten? Apropos gute Vorsätze.

Hier können Sie die auch beantworten:

Clemency-Burton Hills „Ein Jahr voller Wunder. Klassische Musik für jeden Tag“, für das man wahrlich kein Fan von Meditation oder Teezeremonien sein muss, und umso dankbarer ist für die wunderbaren geschenkten Momente zum Nachdenken, Schmunzeln, Abschalten, Innehalten.

Gestern antwortete Markus Weber auf unseren „anderen“ Fragebogen, morgen befragen wir Herbert Ullmann

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