ATAK (im bürgerlichen Leben Georg Barber) über "Stillleben" (Verlag Antje Kunstmann) „Der Buchhändler braucht kein Argument. Es reicht, das Buch zum Blättern auf den Präsentiertisch auszulegen“

Atak: „Die detailliert dargestellte Umgebung ist gespickt mit persönlichen und kunstgeschichtlichen Zitaten. Sie sind intellektuelles Zubehör, aber nicht notwendig, um das Bild zu verstehen“ (c) Gudrun Haggenmüller

Still und Leben – die Stillleben (Verlag Antje Kunstmann) ATAKs sind farbenfroh, spielerisch, grandios und poetisch – das pralle bunte Leben.

In dem Atelier des Berliner Künstlers stapeln sich die Kisten mit unzähligen gesammelten Dingen, von alten Comicfiguren bis zu kostbaren Masken aus aller Welt, in den Schubladen der Grafikschränke liegen Drucke, Poster und Originalzeichnungen von bekannten und unbekannten Künstlern, und ab und zu finden die Dinge ihren Weg in die Bilder, in Stillleben. Und hier sind sie keineswegs mehr still, sie können – wie Atak sagt, „auch sehr laut sein. Und etwas erzählen.“ Anlass für Fragen:

 

BuchMarkt: Worum geht es in dem Buch Stillleben?

ATAK: Das Buch präsentiert eine große Auswahl von farbigen Stillleben-Bilder, die während der Pandemie-Zeit entstanden. Sie laden ein zum Betrachten, zum Entdecken und geben in dieser politisch aufgeladenen Zeit vielleicht auch eine sinnliche Ruhe zurück. Einige Motive im Buch sind auch als Poster herauszutrennen und zu verwenden.

Also ist es im Buch keineswegs still – sondern durchaus lebendig, wild und aufregend?

Ja, das Buch verbindet als Klammer zwar das Medium Stillleben. Aber jedes einzelne Stillleben-Motiv unterscheidet sich in der Form, Farbe und Erzählung komplett von den anderen. Dadurch zieht durch das Buch ein wilder abwechslungsvoller Potpourri-Mix durch die Kunstgeschichte und Popkultur.

Wie entstand die Idee dazu?

Nach dem Kinderbilderbuch Piraten im Garten hatte ich Lust das Erzählerische mal nicht nur als Illustrationen in Buchform anzufertigen, sondern die Narration in jeweils ein einzelnes Bild zu integrieren. Jedes Stillleben lebt von einer anderen Atmosphäre und einem anderen geschichtlichen Hintergrund.

Sie verwandeln in Ihren Bildern das traditionsreiche Kunstgenre Stillleben zu einer farbintensiven Pop-Art-Hommage. Ist das in der Form einzigartig?

Ich benutze das Kunstgenre Stillleben als eine Art Wandzeitung. Das Sujet ist bekannt. Die abgebildeten Blumen dienen als Lockmittel dazu, das Publikum auf die Tanzfläche zu holen. Die detailliert dargestellte Umgebung ist gespickt mit persönlichen und kunstgeschichtlichen Zitaten. Sie sind intellektuelles Zubehör, aber nicht notwendig, um das Bild zu verstehen. Letztendlich geht es allein um eine spielerische Freude bei dem Formen- und Farbspiel im Kontext des unhippen Medium Stillleben.

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Woher holen Sie sich die Inspirationen für Ihre Werke?

Es gibt im Atelier eine riesige Holzkiste mit einer chaotischen Sammlung von unterschiedlichsten Zeitungsausschnitten und Bildmaterialien. Diese Kiste ist meine Inspirationsbox. Kombiniert mit der eigen Biografie und künstlerischer Haltung.

An wen richtet sich das Buch?

Natürlich an alle, egal welches Alter, vor allem an bildhungrige und sensible Menschen. Erfahrungsgemäß versinken viele Kinder und ältere Menschen in meiner Bilderwelt.

Und der Buchhändler – mit welchem Argument kann der das Buch im Laden ideal verkaufen?

Der Buchhändler braucht kein Argument. Es reicht, das Buch zum Blättern auf den Präsentiertisch auszulegen. Fast jeder, der das Buch aufschlägt ist begeistert. Das Buch ist ja kein literarischer Bestseller, sondern lebt von seiner visuellen Sprache. Diese muss sich seine Schar von Fans selbst suchen, finden und entdeckt werden.

Wie könnte ein Schaufenster zum Buch aussehen?

Ach, dies ist sehr einfach! Im Hintergrund eine tolle Josef Frank-Tapete, davor ein robuster kleiner Tisch, eine originelle Vase mit den schönsten Blumen der Umgebung, daneben die Lieblingsbücher mitsamt den letzten Flohmarkt-Funden drapiert. Zum Schluss eventuell noch eine Leihgabe eines exotischen Vogels aus dem Heimatzoo.

Welche drei Wörter würden Sie benutzen, um das Buch zu beschreiben?

Farbintensiv, narrativ, haptisch

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