Jonas Deichmann über sein Buch „Das Limit bin nur ich. Wie ich als erster Mensch die Welt im Triathlon umrundete“ (Polyglott) „Die letzten 14 Monate waren die härtesten, schönsten, skurrilsten und spannendsten Monate meines bisherigen Lebens“

Während die Welt im Lockdown verharrt, umrundet er sie, in 14 Monaten „voller Momenten größten Glücks.“ Jonas Deichmann schwimmt durch die Adria, fährt mit dem Fahrrad 20.000 Kilometer bis nach Wladiwostok und durchläuft Mexiko in 120 Marathons. Über diese Grenzerfahrungen hat er nun ein Buch geschrieben: Das Limit bin nur ich. Wie ich als erster Mensch die Welt im Triathlon umrundete ist jetzt bei Polyglott (Imprint Gräfe und Unzer) erschienen. Anlass für Fragen:

Jonas Deichmann:  „Ich habe wahnsinnig viel über Vertrauen gelernt, denn es waren fremde Menschen, die mir in schwierigen Situationen weitergeholfen haben. Und es geht um unseren wunderbaren, einzigartigen Planeten mit seinen vielgestaltigen und oft atemberaubenden Landschaften, die ich ganz unmittelbar erleben konnte“

BuchMarkt: Sie haben einiges erlebt. Wieso war es Ihnen wichtig, das alles in einem Buch festzuhalten?

Jonas Deichmann: Die letzten 14 Monate waren die härtesten, schönsten, skurrilsten und spannendsten Monate meines bisherigen Lebens. Besondere Erlebnisse gab es fast jeden Tag. Diese Erfahrungen und Eindrücke möchte ich gerne teilen. Auf den verschiedensten Kanälen konnten die Menschen meinen Triathlon um die Welt mitverfolgen. Das hat mich ungeheuer motiviert und der Austausch mit den Followern hat mir in unzähligen Situationen ganz praktisch geholfen. Diese Verbindung ist toll und spannend, bleibt aber zwangsläufig an der Oberfläche und schafft nicht, was ein Buch kann: meine Erlebnisse, Gedanken und Emotionen in ihrer ganzen Fülle erzählen.

Worum geht es denn konkret?

Das letzte Jahr war ein einziges Abenteuer für mich. Ich war felsenfest davon überzeugt, dass ich die selbst gesetzte Herausforderung, den 120-fachen Ironman um die Welt, schaffen werde. Und wie immer bei meinen Projekten habe ich auch dieses eindeutig unterschätzt. Ich habe mich meinem Ziel voll und ganz verschrieben und so ist dieser Triathlon-Roadmovie entstanden. Vordergründig geht es um die Weltumrundung, aber eigentlich geht es um die großen Themen, die jeder von uns kennt: Wie motiviere ich mich jeden Tag aufs Neue, was bedeutet Planbarkeit, wo hilft sie, wann beginnt sie zu bremsen. Ich habe wahnsinnig viel über Vertrauen gelernt, denn es waren fremde Menschen, die mir in schwierigen Situationen weitergeholfen haben. Und es geht um unseren wunderbaren, einzigartigen Planeten mit seinen vielgestaltigen und oft atemberaubenden Landschaften, die ich ganz unmittelbar erleben konnte: den Baikalsee zum Beispiel oder die spektakuläre Wüste in Mexiko.

Sie haben also die Welt umrundet, während die Menschen weltweit in einem Lockdown waren. Spielte das eine besondere Rolle?

Den Entschluss für meine Weltumrundung hatte ich schon gefasst, bevor die Pandemie ausbrach. Die Planungen liefen und ich habe sie den aktuellen Entwicklungen immer wieder angepasst. Ich habe diese Tour also nicht etwa „wegen“ der Pandemie gemacht, weil ich irgendetwas beweisen möchte, sondern „trotz“. Immer mit äußerster Vorsicht und unter Berücksichtigung der örtlichen Regeln. Natürlich haben Grenzschließungen meine Reise erheblich erschwert und mehrmals musste ich meine Route ändern, so ist das ja oft im Leben. Mir hilft dann meine Einstellung: Ich denke nicht über Dinge nach, die ich nicht ändern kann, sondern versuche, die bestmögliche Lösung zu finden.

Welches Ereignis war für Sie am Schönsten?

In Mexiko ist mir für 130 Kilometer, drei Tage und Nächte lang, eine Straßenhündin gefolgt und ans Herz gewachsen. Ich konnte sie natürlich nicht dauerhaft mitnehmen und habe im Fernsehen jemanden gesucht, der sie adoptiert. „Coqueta“ wurde dann in eine kleine Stadt gebracht, hat einen riesigen Empfang vom Bürgermeister, eine Medaille und Besuch vom nationalen Fernsehen bekommen. Heute hat die Kokette eine schöne Hundehütte, gutes Essen und ist zu Mexikos berühmtester Hündin avanciert.

Und welches, war weniger schön?

Auf meiner Schwimmstrecke hatte ich auch immer wieder größere Querungen auf offenem Meer. Gleich zu Beginn bin ich vom Festland sieben Kilometer zur Insel Pag geschwommen und habe mich aufgrund von Strömungen komplett in der Zeit verschätzt. Als es dunkel wurde war ich ca. drei Kilometer vor der Küste komplett allein im pechschwarzen Meer. Eine unglaublich unangenehme Situation weit außerhalb meiner Komfortzone. Ich bin ein rationaler Mensch und weiß, dass Haifischattacken im Mittelmeer praktisch nie vorkommen, aber in diesen Momenten habe ich mich schon gefragt, was da so unter mir schwimmt und war froh, als ich aus dem Wasser kam.

Würden Sie anderen Menschen empfehlen, Ihnen nachzueifern?

Klar! Es gibt doch nichts Schöneres, als sich einen Traum zu erfüllen, im Großen wie im Kleinen. Für mich war das diese sportliche Herausforderung in Verbindung mit all den Erlebnissen und mein Mittel waren mein Fahrrad, meine Laufschuhe und mein Neoprenanzug. Ich bin fest davon überzeugt, dass jeder Mensch in der Lage ist, über sich hinauszuwachsen, wenn man die Rahmenbedingungen akzeptiert und fest genug daran glaubt.

An wen richtet sich das Buch denn?

Das Buch richtet sich an Menschen, die sich begeistern lassen. Sei es für Radsport und Triathlon, aber genauso für die Vielfalt auf unserem Planeten. Es geht darum, zu lieben was man tut, Freude an den kleinen Dingen zu erleben und sich selbst Träume zu erfüllen.

Mit welchem Argument kann der Buchhändler das Buch im Laden ideal verkaufen?

Ohne zu dick auftragen zu wollen, aber meine Geschichte ist einzigartig und vermittelt ein Gefühl von der Größe unseres Planeten, in einer Zeit, in der die Horizonte eher schrumpfen, als weiter werden. Es geht um etwas, dass noch nie jemand auch nur versucht hat in einem Jahr, in dem auch reguläres Reisen extremen Einschränkungen unterlag.

3 Wörter, die das Buch ideal beschreiben?

Abenteuerlich, nah dran, menschlich

Lesen Sie privat auch Abenteuergeschichten? Ihr Appell an mutlose Menschen?

Ja, ich liebe Abenteuergeschichten und lese auch unterwegs sehr gern, um Inspiration für meine nächsten Projekte zu finden. Das Schwierigste ist immer an die Startlinie zu kommen, den Mut zu haben etwas Neues zu wagen. Ich kann jedem nur empfehlen, dem Herzen zu folgen und Träume zu verwirklichen. Mit der richtigen Einstellung können wir viel mehr erreichen als wir für möglich halten.

Welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie dennoch gerne beantwortet? Hier können Sie dies tun:

Die Frage, wie das Buch so kurz nach meiner Rückkehr schon im Handel sein kann, liegt ja auf der Hand. Ich hatte zwei unglaublich engagierte und erfahrene Co-Autoren an meiner Seite, Martin Waller und Carsten Polzin. Mit ihnen habe ich bereits unterwegs Gespräche geführt, spätabends Sprachnachrichten ausgetauscht, Texte gegengelesen und ergänzt. Martin kam dann nach Cancun, zum Abschluss meines großen Laufs durch Mexiko und dort hatten wir Zeit, intensiv am Text zu arbeiten. Die letzten Kilometer in Europa, die sich für mich wie ein „Ausrollen“ anfühlten, haben dann sogar auch noch Eingang in das Buch gefunden, so, wie ich mir meine letzte Etappe und die Ankunft vorgestellt habe und wie es dann ja zum Glück auch kommen sollte. Ich hatte viel Freude beim Erzählen und Teilen meiner Erlebnisse und hoffe, diese Freude springt über auf meine Leserinnen und Leser.

Die Fragen stellte Franziska Altepost

Info: Jonas Deichmann ist in den kommenden Tagen in einigen Talkshows zu Gast, um über sein Abenteuer und sein Buch zu sprechen:

HEUTE, 3.12. 3nach9 ab 22 Uhr

5.12. BR Blickpunkt Sport

7.12. RBB zibb

10.12. HR Alle Wetter

11.12. NDR DAS!

13.12. BR Abenschau

15.12. SWR Landesschau

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