Keiner kennt die Buchbranche so von innen wie er Ehrhardt Heinold (90)

Ehrhardt Heinold

Ehrhardt Heinold, unserem BuchMarkt seit Gründung als Autor verbunden, wird heute 90 Jahre alt. Das ist dann auch gleichzeitig die Auflösung der Kopfnuss aus dem aktuellen BuchMarkt Juli-Heft: Das diesmal dort gesuchte Branchenurgestein ist in diesem Fall der Autor unserer seit 2001 laufenden Branchen-Rate-Serie selbst: Monatlich schreibt er bei uns im Heft ein branchenbezogenes Rätsel – was auch der Grund war, ihm im Juli mehr als den üblichen Raum einzuräumen. Denn  vieles, was er über sich – und uns – dort verrät, weiß nur noch er.

Der Berater Dr. Kurt Kettembeil erinnert hier noch einmal – auch in Form einer Kopfnuss – an den Lebensweg des Mannes:

Mit 90 Jahren hat Ehrhardt Heinold jetzt ein biblisches Alter erreicht und liefert sich mit Methusalem bei seinen 969 Lebensjahren ein Kopf-an-Kopfnuss-Rennen – ja, er ist ein  Branchenurgestein.

Zwischen den beiden Weltkriegen des vorigen Jahrhunderts wurde er in einer Landschaft geboren, die damals durch die Spielzeug- und Uhrenindustrie bekannt war. Sein Abitur machte er im „Elbflorenz“. Kontakt zur Literatur bekam er durch die Tätigkeit seines Vaters, der in einem Bier-Verlag eine neue Marke kreiert hatte. Später war er Anzeigenvertreter zunächst für Getränkefachzeitschriften, danach für ein breites Verlagsprogramm. 

Das Studium der Germanistik wurde dieser Persönlichkeit verwehrt, weil eine zweite Diktatur, inzwischen an der Macht, ideologische Hürden aufgebaut hatte. Er entschied sich für die Buchhandelslehre; doch auch sie war ihm zunächst verbaut, weil eben jene Diktatur dieses Tätigkeitsfeld ausdrücklich Frauen vorbehalten hatte. Seine Tante beschaffte ihm eine Ausnahmegenehmigung. Nach Abschluss der Lehre entschloss er sich die „DDR“ zu verlassen. Dazu überwand er im Thüringer Eichsfeld die von russischen Soldaten bewachte Demarkationslinie zur amerikanischen Besatzungszone auf abenteuerliche Weise. 

Wenn heute junge Leute von den Mühen um Stellenbewerbungen klagen, kann er nur milde lächeln. 1951 waren in Frankfurt a.M. Buchhändler nicht gerade die gesuchte Berufsgruppe. Dennoch ergatterte er sich nach 25 Vorstellungsgesprächen schließlich die begehrte Stelle. Von dort verschlug es ihn nach Lüneburg. Eine christlich fundierte Verlagsgruppe, die zu dieser Zeit durch eigene Leseringe expandierte, bot ihm die Position des Werbeleiters an ihrem Standort an, der von Einheimischen „Chützel“ ausgesprochen wird. Er machte in diesem Konzern Karriere zum Verleger eines Verlages mit adligem Namen mit Sitz am „Tor zur Welt“. Das Verlagsprogramm richtete sich an die gebildete Frau. Als die auf 15 literarische Verlage angewachsene Gruppe umstrukturierte, bot man ihm an, die PR-Leitung dieser wie auch der theologischen Verlage am Fuße des Teutoburger Waldes zu übernehmen. Er lehnte ab.

Statt dessen machte er sich als Verlagsberater in den Verlagsräumen selbstständig, wobei ihn sein letzter Arbeitgeber mit Aufträgen unterstützte. Zur Personalberatung kam er, als ihn ein Freund bat, für ihn einen Ersten Sortimenter zu suchen. Dazu schaltete er eine Anzeige im „Börsenblatt des Deutschen Buchhandels“. Ein Verlagsauftrag folgte, und so verselbstständigte sich dieses neue Geschäftsfeld. Die Qualifikation der von ihm betreuten Führungskräfte wies einen Mangel an verlegerischem Wissen auf. Diesen half er durch sein Angebot an Fortbildungsseminaren zu beseitigen. 

Seine verlegerische Seite kultivierte er durch die Herausgabe einer Zeitschrift für den Buchhandel mit Kinderbüchern. Als Autor schrieb er Ratgeber für Einsteiger bei Verlagen oder Buchhandlungen, die heute noch am Markt sind. Sie sollen demnächst durch ein Buch für Autoren ergänzt werden. Seinen Hauptsitz hatte er längst in die Zwergschule eines winzigen Fleckens in Schleswig-Holstein unter Beibehaltung eines Büros zum „Tor zur Welt“ verlegt. Diesen Ort zu finden, war keine leichte Aufgabe und deshalb die erste Hürde für Stellenbewerber. 

Mit 65 Jahren hatte er unter dem Namen der Eule ein Imperium geschaffen, das er zur Alterssicherung auflöste. Er verkaufte die Seminare an seinen Sohn und einen ehemaligen Mitarbeiter. Die Personalberatung gab er an eine Unternehmens- und Personalberatung, in deren Firma sein Name noch heute werbeträchtig vorhanden ist. Seine Unternehmensberatung betrieb er weiter. Die Zeitschrift für Kinderbuch-Buchhändler, inzwischen ebenfalls verkauft, wurde zum Fundament für einen Verlag für Leseförderung von Kindern und Jugendlichen.

Verlagsobjekte blieben sein Leben. So pflegte er nicht nur seine Ratgeber weiter, sondern machte sich auch als Bestsellerautor von Büchern über das Erzgebirge einen Namen.

Eine besondere berufliche Beziehung verbindet ihn mit dem „BUCHMARKT“. Er war nicht nur dessen Steigbügelhalter, Autor des ersten Leserbriefes, sondern auch ständiger Begleiter durch Rat und Tat sowie als Autor.

Kurt Kettembeil

Ehrhardt, Du hast 1966 (ja, so lange ist das her) nicht nur den ersten (!) Leserbrief an BuchMarkt  geschrieben, sondern hast mir seither mit Rat u n d Tat zur Seite gestanden. Dafür danke ich Dir. Und natürlich schweifen jetzt meine Gedanken weit zurück an die Anfänge auch unserer Freundschaft und meinen einzigen Besuch in Deinem Eulenhof. Dort betreibt heute ein Pfeifenversender sein Gewerbe. Mich freut, Du Dir Deinen sarkastischen Humor bewahrt hast – mich jedenfalls erheitert, wie Du mir diese Gewerbe-Umnutzung kommentierst hast: „Wo früher verlegerische Führungskräfte vermittelt wurden, wird heute mit Pfeifen gehandelt“. 

Dein Christian 

Kontakt: Wer auch gratulieren möchte: verlagswesen@heinold-fachautor.de

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