Thomas Niemann über die Studie "Future Ready Lawyer 2022 " bei Wolters Kluwer: „Ein zunehmend komplexeres Compliance-Umfeld, Nachwuchsprobleme und höhere Anforderungen an die Produktivität“

Morgen erscheint der neue und letzte Dezember-BuchMarkt im Jahr 2022, u.a. mit dem umfangreichen Special Recht, Wirtschaft, Steuern. In diesem Zusammenhang sprachen wir auch mit dem Verlag Wolters Kluwer.

Thomas Niemann

„Durch den Einsatz technologischer Lösungen können Anwaltskanzleien und Rechtsabteilungen sich leistungsfähiger, serviceorientierter und krisenfester aufstellen. Gleichwohl erhöht aber auch die Digitalisierung den Druck im Rechtsmarkt und bringt enorme Herausforderungen mit sich“, sagt Thomas Niemann ( Associate Director Sales und Marketing für den Geschäftsbereich Legal & Regulatory bei Wolters Kluwer in Deutschland).  Er erkärt, welche Herausforderungen das sind, wie Jurist:innen diesen begegnen und welche Ergenisse die aktuelle Studie „Future Ready Lawyer 2022“ hervorgebracht hat:

BuchMarkt: Aus welchen Gründen führen Sie bei Wolters Kluwer die Future Ready Lawyer Studie durch?

Thomas Niemann: Mit neuen digitalen Expertenlösungen unterstützen wir bei Wolters Kluwer unsere Kund:innen bei ihrer täglichen Arbeit und begleiten sie in die Digitalisierung. In diesem Zusammenhang beschäftigen wir uns intensiv mit der Zukunft des globalen Rechtsmarktes, der mit enormen Veränderungen durch die digitale Transformation konfrontiert wird. Und diese Veränderungen beschleunigen sich von Jahr zu Jahr, neue Trends entstehen und Prioritäten verändern sich. Verantwortlich dafür sind die zunehmende Informationskomplexität, veränderte Ansprüche der Mandant:innen und Kund:innen, wirtschaftliche Dynamiken, demografische Veränderungen, der technologische Fortschritt und nicht zuletzt die COVID-19-Pandemie.

In unserer Studie „Future Ready Lawyer 2022“ haben wir zum vierten Mal in Folge über 700 Jurist:innen aus den USA und Europa befragt, um zu ermitteln, welche Trends sich abzeichnen, welche Herausforderungen sie beschäftigen und wie gut sie darauf vorbereitet sind. Die Ergebnisse sind für uns enorm wichtig, um unsere Zielgruppe noch besser kennenzulernen und unsere Lösungen an die Bedürfnisse unserer Kund:innen anzupassen.

Welche Entwicklungen werden in den kommenden Jahren die größten Auswirkungen auf den Rechtsmarkt haben?

Wir sehen vor allem drei wichtige Trends, die Jurist:innen vermehrt herausfordern: Ein zunehmend komplexeres Compliance-Umfeld, Nachwuchsprobleme und höhere Anforderungen an die Produktivität. Die Befragung zeigt auch, dass weitere technologische Fortschritte notwendig sind, da die Mehrheit der Jurist:innen angibt, nicht gut auf die wichtigsten Herausforderungen und Chancen vorbereitet zu sein.

Insbesondere für Kanzleien hat das Entstehen neuer, wachsender Rechtsgebiete eine hohe Bedeutung. An erster Stelle der Prioritätenliste stehen hier Aspekte rund um das Thema Compliance, vor allem bzgl. Umwelt-, Sozial- und Governance-Regelungen (ESG) sowie der Datenschutz.

Ungefähr die Hälfte der Unternehmensjurist:innen (56 %) und Anwält:innen in einer Kanzlei (45 %) geben an, dass die Nachfrage nach ESG-Beratung im vergangenen Jahr gestiegen ist. Die überwiegende Mehrheit der Befragten (77 %) sagt, dass die Bewältigung neuer und wachsender Compliance-Bereiche ein wichtiger Trend ist, doch nur ein Drittel (35 %) ist insgesamt sehr gut auf die Bewältigung dieser neuen Anforderungen vorbereitet.

Können Sie Einblicke in die Nachwuchsprobleme geben?

Auf dem Rechtsmarkt herrscht ein erheblicher Fachkräf­te­mangel. Den Organisationen fällt es nach wie vor schwer, ausreichend qualifiziertes Personal zu gewinnen – das bestätigen unsere Studienergebnisse. Nur ein Drittel der Rechtsabteilungen sieht sich sehr gut darauf vorbereitet, juristisches Personal einzustellen bzw. zu halten. Kanzleien sind nach eigener Einschätzung sogar noch schlechter aufgestellt.  Schwierig ist auch das Anwerben bzw. Halten von Mitarbeiter:innen im Bereich Technologie. Ein Teufelskreis, denn der vermehrte Einsatz von Technologie ist für potenzielle Bewerber:innen ein wichtiges Kriterium für den zukünftigen Arbeitgeber: 87 Prozent der Unternehmensjurist:innen und 83 Prozent der Anwält:innen in Kanzleien wollen für eine Organisation arbeiten, die innovative Technologien einsetzt.

Dass die entsprechenden Angebote ihrer Arbeitgeber aber tatsächlich ausreichend sind, finden nur 37 Prozent der Befragten in Rechtsabteilungen und lediglich 34 Prozent in Kanzleien. Nicht nur die Ausstattung spielt eine Rolle: Rund 70 Prozent erwarten, dass sie zukünftig zumindest teilweise oder sogar ganztägig im Homeoffice arbeiten können.

Welchen Stellenwert hat der Einsatz von Technologie auf dem Rechtsmarkt?

Der Einsatz von Technologie und Software-Lösungen spielt eine sehr große Rolle und gewinnt immer weiter an Bedeutung. In unser Studie haben wir unter anderem einen Fokus auf die Beziehung zwischen Mandant:innen und Kanzleien gelegt. Zwar sehen wir, dass diese sich im letzten Jahr etwas verbessert hat, gleichwohl ist die aktuelle Zufriedenheit keine sichere Bank, wenn es um die langfristige Fortsetzung der Mandatsbeziehung geht: Nur durch neue und bessere Kompetenzen im Bereich Technologie können Organisationen eine größere Krisenfestigkeit, bessere Mandant:innen-Beziehungen und einen höheren Output erreichen.

Welche Schlüsse ziehen Sie als Anbieter daraus?

Unsere Aufgabe als Anbieter von Fachinformationen, Software und Services ist es, unseren Kund:innen den Weg in die Digitalisierung so einfach wie möglich zu gestalten. Technologie ist dann am sinnvollsten, wenn sie direkt im Arbeitsprozess ansetzt. Ein Beispiel ist die juristische Recherche, die wir mit modernen Funktionen und Tools wie z.B. dem LawTracker noch stärker in den gewohnten Workflow von Jurist:innen integrieren. Zudem richten wir unsere Contentformate noch stärker auf die aktuellen Bedürfnisse aus – aktueller und mit neuen Darreichungsformen, eben genau so, wie die Kund:innen sie benötigen.

Die Studie „Future Ready Lawyer 2022: Den Wandel anführen“ kann kostenlos unter wolterskluwer.com/de-de/know/future-ready-lawyer-2022 heruntergeladen werden.

 

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert