Robert C. Marley über sein Buch „Inspector Swanson und die Bibliothek des Todes“ (Dryas/Bedey Media) „Eine Mischung aus very britischer Krimikost und einer Prise schwarzen Humors“

War es der Racheakt eines Studenten? Neid unter Kollegen? Oder liegt das Motiv vielmehr in einem alten, geheimnisvollen Buch, das seit dem Mord verschwunden ist? Es ist bereits der siebte Fall für Inspector Swansen:  Für sein Buch Inspector Swansen und die Bibliothek des Todes (Dryas, ET November) hat Robert C. Marley, wie er selbst sagt, erneut „sehr genau und leidenschaftlich“ recherchiert. Anlass für Fragen:

Robert C. Marley

BuchMarkt: Worum geht es in dem Buch?

Robert C. Marley: Im England des Jahres 1895  kämpft Oscar Wilde in London um seinen Ruf und seine Karriere, als sich in Oxford ein brutales Verbrechen ereignet: Ein angesehener Professor für englische Literatur wird in der Bodleian Library erschlagen aufgefunden. Chief Inspector Swanson und sein Team sehen sich in der Universitätsstadt mit einem Netz aus Lügen konfrontiert. War es der Racheakt eines Studenten? Neid unter Kollegen? Oder liegt das Motiv vielmehr in der Persönlichkeit des Opfers: Ein Mann, der hinter vorgehaltener Hand in dem Ruf steht, sexuell übergriffig zu sein.

Wieso hatten Sie das Bedürfnis, über dieses Thema zu schreiben?

Abgesehen davon, einen spannenden Kriminalroman zu schreiben, wollte ich zwei Dinge zeigen: Zum einen, am Beispiel Oscar Wilde, wie die Gesellschaft der damaligen Zeit mit Homosexualität umging – sie verteufelte und verfolgte –, und zum anderen, wie sie dagegen sexuellen Missbrauch, von Männer an Frauen begangen, verharmloste und herunterspielte. Man ist überrascht, wie wenig sich seither geändert hat.

Glauben Sie, dass heute noch viel zu wenig über solche Themen gesprochen wird?

Was die Homosexualität angeht, sind wir auf einem guten Weg, denke ich. Doch es ist noch lange keine völlige Akzeptanz erreicht. Was hingegen den sexuellen Missbrauch angeht, haben wir noch viel zu lernen. Fälle, wie der Pädophilenskandal von Lüdge, haben die Gesellschaft wachgerüttelt. Doch als Trainer für Gewaltprävention, der an Schulen und Kindergärten arbeitet, kann ich sagen, dass noch viel zu viel weggeschaut wird. Lehrer und Erzieher haben, meiner Erfahrung nach, oft Angst vor der eigenen Courage. Da wird noch immer eher verharmlost, als einen Anfangsverdacht zu äußern; insbesondere dann, wenn das Kind aus vermeintlich gehobeneren Verhältnissen kommt.

Allerdings geht es im vorliegenden Roman nicht um Missbrauch an Kindern.

Darüber zu schreiben fiel Ihnen sicher entsprechend sehr schwer, oder empfanden Sie dies auch in einer Art befreiend?

Gemessen an dem, was da draußen tatsächlich geschieht, geht es im Roman noch relativ gemäßigt zu. Da die Inspector-Swanson-Serie doch eher zum cosy crime gehört, unterhalten soll und auch humorige Anteile besitzt, ist sie nicht der geeignete Rahmen dafür, ein solch brisantes Thema in aller Klarheit zu behandeln. Exzessive Gewalt oder explizite Sexszenen wird man vergeblich suchen. Bei Inspector Swanson liegt der Fokus mehr auf der historischen Akkuratesse und der Darstellung der damaligen Polizeiarbeit. Dafür recherchiere ich sehr lange und ausführlich.

Welche Leserschaft wollen Sie mit dem Buch ansprechen?

Ich schreibe, wie beinahe jeder Schriftsteller, mit einem heimlichen Idealleser im Kopf. Bei mir ist das mein Bruder. Wenn ich glaube, ihm könnte das Buch gefallen, bin ich am Ende halbwegs zufrieden. Er liebt einen guten, nicht zu blutigen Kriminalfall. Er möchte gut unterhalten werden, lacht gerne und hat ein Faible für Biografien. Also achtet er auch bei mir peinlich genau darauf, ob die Fakten stimmen. Leser, die ähnliche Vorlieben haben, gerne dazulernen, Agatha Christie mögen, Anne Perry oder Oscar de Muriel, werden sicher auf ihre Kosten kommen.

Welche Reaktionen erhoffen Sie sich?

Durchweg positive natürlich! Aber mal im Ernst: Wenn mir LeserInnen schreiben, sie hätten sich tatsächlich in die viktorianische Zeit zurückversetzt gefühlt, mit den Figuren im Roman – hier insbesondere Oscar Wilde – gelacht und gelitten, und die sich danach bereits auf den nächsten Inspector Swanson Fall freuen, bin ich mehr als zufrieden. Eine Dame, die mir schrieb, sie habe sich unsterblich in Frederick Greenland verliebt, einen Sidekick Swansons, und könne es nicht erwarten ihm wieder zu begegnen, war bislang das sahnigste aller Sahnehäubchen.

Und der Buchhändler, mit welchem Argument kann der das Buch gut verkaufen?

Das Argument, der unterhaltsamen Mischung aus very britischer Krimikost, sehr genau recherchierten historischen Persönlichkeiten und einer Prise schwarzen Humors.

Mit welchen drei Wörtern können Sie das Buch gut beschreiben?

Robert: Spannend. Lehrreich. Humorvoll.

Was lesen Sie privat gerne/aktuell?

Da ich viele Interessen habe, lese ich die verschiedensten Bücher. Zur Zeit Veit Lindaus „Seelengevögelt“. Ein großartiges Buch. Im Krimigenre sind es, neben den Klassikern und der Sachliteratur, vor allem Martha Grimes, M.J. Trow und Elizabeth George, deren Bücher ich sehr liebe.

Welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie dennoch gerne beantwortet? 

Wie recherchieren Sie eigentlich für Ihre Romane?

Hier können Sie dies nun tun:

Sehr genau. Und sehr leidenschaftlich. Was die Polizeiarbeit und das englische Justizsystem betrifft, bin ich beinahe übergenau. Ich reise an die Schauplätze,  lese Prozessprotokolle, Autobiografien von Polizisten, Richtern und Henkern. Und ich habe bei meinen Recherchen viele beeindruckende Persönlichkeiten getroffen. Mit der Witwe des letzten britischen Henkers Syd Dernley war ich bis zu ihrem Tod befreundet. Und mit den Ur-Enkeln von Inspector Swanson, der ja eine historische Gestalt ist, bin ich noch immer befreundet. Auf ihr Familienarchiv kann ich zugreifen, wenn ich in England bin. Im Laufe der Jahrzehnte habe ich mich so ausgiebig mit der Kriminalgeschichte beschäftigt, dass ich mittlerweile ein Museum eingerichtet habe.

Möchte ich über eine historische Figur schreiben, dann lese ich zunächst alles von ihr und über sie geschriebene, dessen ich habhaft werden kann. Gegenwärtig ist das H.G. Wells. Wussten Sie, dass er eine Vorliebe dafür hatte, nackt und in Begleitung junger Damen Fahrrad zu fahren? Sehen Sie – ich vorher auch nicht.

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