Gestorben Erasmus Schöfer

Der Autor Erasmus Schöfer ist gestern, am 7. Juni, im Alter von 91 Jahren gestorben. Die Verlage Dittrich und Verbrecher erinnern in einem Nachruf an ihn:

Erasmus Schöfer (Foto: privat)

Am 4. Juni 1931 wurde Erasmus Schöfer unweit von Berlin, in Altlandsberg, geboren. Nach dem Realgymnasium und einem Studium an der Freien Universität ging er zum weiteren Studium nach Köln und Bonn, promovierte dort über »Die Sprache Heideggers«, nach einem kurzen Intermezzo in München und einigen Jahren auf Patmos und Ithaka kehrte er schließlich nach Köln zurück.
Der politisch sehr engagierte Schöfer war an der Gründung des Werkkreises Literatur der Arbeitswelt beteiligt, dessen Sprecher er 1970–1973 war.
Zunächst veröffentlichte er Flugschriften (»Die Wahrheit ist die Veränderung«) und Theater- und Hörspieltexte, erst ab Ende der Siebzigerjahre wandte er sich hauptsächlich der erzählenden Prosa zu, 1979 etwa erschien ein Band mit dem sprechenden Titel »Erzählungen von Kämpfen, Zärtlichkeit und Hoffnung«.
1986 folgte ein »Gegenwartsroman« mit dem Titel »Tod in Athen«, der sich vollständig umgearbeitet in seiner umfangreichen Romantetralogie »Die Kinder des Sisyfos« (Dittrich Verlag) wiederfand, deren erster Band 2001 erschien und die 2008 abgeschlossen wurde. In diesen vier Romanen zeigte sich seine ganze Meisterschaft als dichtender Chronist seiner Zeit. Die Romanhandlung, die 1968 einsetzt, endet an Silvester 1989, ein Datum, an dem mehr beginnt als nur ein neues Jahrzehnt. Doch es ist kein trübsinniges Ende, das Schöfer hier sieht, im Gegenteil, der Zusammenbruch des Realsozialismus wird von seinem Protagonisten als Chance begriffen: »Vielleicht, dachte Viktor Bliss, befreit uns der Absturz.«
Fans seiner Schriften sind etwa Dietmar Dath, Sabine Kebir, Ilija Trojanow oder Volker Weidermann. 2008 wurde Schöfer der Gustav-Regler-Preis der Stadt Merzig und des Saarländischen Rundfunks für die »Die Kinder des Sisyfos« verliehen.
Er war zuletzt unter anderem Teil des »Richtige Literatur im Falschen«-Netzwerkes, in dem Autor*innen die Möglichkeiten politischer Literatur ausloten (und das einige Schriften hervorgebracht hat).
Erasmus Schöfer 2010 in einer Rede in Berlin: »Die große Stille, die trotz der ungeheuerlichen Zumutungen der herrschenden Krisenverbrecher weiterhin im Land zu beobachten ist, muss nicht heißen, dass die Narkotisierung der Bevölkerung endgültig ist.« Trotz aller politischen Rückschläge, die er in seinem Leben erdulden musste, blieb Schöfer Zeit seines Lebens voller Hoffnung auf Veränderung.
Zuletzt publizierte er im Verbrecher Verlag seine ermutigenden »Kalendergeschichten des rheinischen Widerstandsforschers« (2016), im Dittrich Verlag erschien 2021 eine Sammlung seiner Lyrik unter dem Titel »Sisyfos Lust. Lauter ewige Lieben«.
Am 7. Juni ist Erasmus Schöfer, nur drei Tage nach seinem 91. Geburtstag, in Köln gestorben.
Er wird uns fehlen.

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