Das Sonntagsgespräch Erwin Fey über seine Arbeit als Kunstbuchverleger

Vom 4. Februar bis zum 6. Mai läuft im Düsseldorfer NRW-Forum www.nrw-forum.de die Ausstellung „State of the Art Photography“, die einen Überblick über den aktuellen Stand der Fotografie zeigen möchte. Anlass für buchmarkt.de, den Verleger des gleichnamigen Buches zu befragen. Erwin Fey hat 2008 den Verlag feymedia in Düsseldorf gegründet, der sich auf Bücher zur Fotografie und zur Kunst spezialisiert hat. So erlebt der ehemalige Leiter einer Bildagentur neben dem Wandel der Fotografie nun auch den Strukturwandel des Verlagswesens.

„State of the Art Photography“ möchte einen Überblick über den aktuellen Stand der Fotografie geben und ist zugleich u.a. Katalog zur Ausstellung, die gestern im Düsseldorfer NRW-Forum eröffnet wurde. Wie kam es zu der Zusammenarbeit und wie hat sie sich gestaltet?

Erwin Fey

Erwin Fey: Die Idee zu diesem Buch ist bei uns im Verlag entstanden. Wir haben die sich daraus ergebenden Möglichkeiten mit dem NRW-Forum diskutiert und waren uns sehr schnell einig, dass das Thema so gut ist, das eine eigene Ausstellung und ein damit korrespondierendes Buch sinnvoll ist. Die Zusammenarbeit mit dem NRW Forum war sehr gut und wir haben uns ausgezeichnet ergänzt.

Wie würden Sie den aktuellen Stand der Fotografie in Worten zusammenfassen?

Die Fotografie befindet sich auf höchstem Niveau, ist längst in der Freien Kunst angekommen. Die neuen, modernen Fotografen sind offen für neue Präsentationsformen und für eine Durchmischung der Medien und Materialien.

Ist jeder Mensch ein Fotograf? Oder anders gefragt: Wann wird im digitalen Zeitalter aus einem Foto ein Kunstwerk?

Wenn man Fotografie nur als rein mechanischen Vorgang zur Aufzeichnung von Bilddaten sieht, dann ist sicherlich jeder Mensch ein Fotograf, und es fotografieren in diesem Sinne ja auch nahezu alle Leute. Kunst ist dagegen ebenso wenig an Fotografie gebunden wie an alle anderen mechanisch-technischen Herstellungsprozesse. Zur Kunst wird etwas erst durch die Gestaltungskraft eines Künstlers, egal ob dies mithilfe der Fotografie, der Malerei, der Bildhauerei oder anderer Techniken geschieht. Daran hat sich auch im digitalen Zeitalter nichts geändert. Es gibt heute lediglich immer mehr technische Möglichkeiten, Kunstwerke zu schaffen.

Reportage-Fotografie kommt in der Ausstellung kaum vor – warum?

Wir denken zum einen, dass Reportage-Fotografie nicht notwendig zu den Sujets gehört, die wir mit dem Buch – und das gilt auch für die Ausstellung – präsentieren, zum anderen hat das NRW-Forum gerade vor wenigen Wochen in Zusammenarbeit mit der französischen Agentur MAGNUM eine beachtenswerte Ausstellung zum Thema Reportage-Fotografie gezeigt.

Waren Ihnen alle Fotografen der Ausstellung und des Buches vorher bekannt?

Wir haben sehr sorgfältig gesucht, um eine Gruppe vornehmlich junger Nachwuchsfotografen zu finden, die in besonderem Maße den heutigen Stand zeitgenössischer Kunstfotografie repräsentieren. Dabei haben uns in dankenswerter Weise renommierte Kuratoren, Professoren und Institutionen unterstützt, ohne deren Hilfe wir das Projekt nicht hätten realisieren können. Von den Fotografen, die wir auf diesem Wege ansprechen konnten, waren uns tatsächlich etliche bereits vorher bekannt. Dennoch haben wir auch neue Fotografen kennen gelernt oder auch entdeckt, denen wir Großes zutrauen.

Warum hat ein Bildband über Fotografie kein Foto-Cover?

Wenn 41 Fotografen in einem Bildband vereint sind, kann man keinen bevorzugen, indem man eines seiner Fotos auf das Cover nimmt.

Bevor Sie 2008 den feymedia Verlag gründeten, haben Sie eine Bildagentur geleitet. Wie würden Sie Ihre ersten Jahre als Verleger beschreiben?

Man glaubt, nach vielen Jahren unternehmerischer Tätigkeit nahezu alle Erfahrungen gemacht zu haben und fühlt sich für neue Aufgaben gewappnet. Trotzdem steht man am Anfang einer Verlagsgründung vor vielen neuen Herausforderungen, die man bewältigen muss. Die Verlagsarbeit hat ihre eigenen Regeln. Dazu kommt, dass das gesamte Verlagswesen sich derzeit in einem spürbaren Strukturwandel befindet. Wir merken aber inzwischen immer mehr, dass wir in der Verlagswelt erfolgreich angekommen sind.

Warum der Standort Düsseldorf?

Hier haben verschiedene Gründe eine Rolle gespielt. Entscheidend ist und war aber, dass Düsseldorf aus unserer Sicht als Kunstbuchverlag in Deutschland nach wie vor eine der wichtigen Metropolen für Fotografie sowie Kunst im Allgemeinen ist.

Wie viele Buchhandlungen gibt es noch, die sich ums Kunstbuch kümmern? Wie wichtig ist der stationäre Sortimentsbuchhandel für Ihre Bücher?

Wir gehen davon aus, dass etwa 200 bis 300 Buchhandlungen in Deutschland ihren Kunden Kunstbücher anbieten. Daher ist der stationäre Sortimentsbuchhandel für unsere Bücher sehr wichtig.

Der Kunst-Markt soll boomen, heißt es. Was fehlt der Buchbranche?

Es gibt einen grundlegenden Unterschied: Der größte Teil der Buchbranche bedient einen Massenmarkt, der zum einen schon lange an Sättigungsgrenzen stößt und zum anderen durch neue Kommunikationstechniken zusätzlich in seiner traditionellen Struktur bedroht ist. Über so genannte Zweitverwerter werden, als Folge eines dramatischen Überangebotes, immer mehr gute und teure Bücher regelrecht verschleudert. Was der Buchbranche deshalb immer mehr fehlt, ist ein hinreichend großer Markt, in dem angemessene Buchpreise zu erzielen sind.
Der Kunstmarkt unterscheidet sich davon grundlegend: Der Kunstmarkt ist kein Massenmarkt, denn die „Ware“ Kunst ist grundsätzlich nicht massentauglich. Daher bestimmen hier begrenzte und individuelle Angebote die Preise. Bei dieser Struktur ist in der Regel die Erwartung der Käufer auf Werterhalt ausgeprägt. Vor allem das ist in Zeiten unsicherer Kapitalmärkte etwas, was der Buchmarkt in aller Regel nicht bieten kann.

Ihr Tipp für den Handel für den Umgang mit hochpreisigen Büchern?

Allein hohe Preise bzw. teure Bücher sind kein Garant für gute Verkaufszahlen. Der Buchhandel sollte sich in diesem Bereich, ähnlich wie der Kunsthandel, darauf einstellen, kleine, hoch individualisierte Auflagen, wie zum Beispiel signierte und nummerierte Kunstbücher, die sich als Sammlereditionen eignen und vielleicht Sammlerwert haben, anzubieten.

Die Künstler, die in State of the Art Photography vorgestellt werden:
Peter Ainsworth. Jacob Aue Sobol. Olaf Otto Becker. Laura Bielau. Miriam Böhm. Elina Brotherus. Bianca Brunner. Stefan Burger. Asger Carlsen. Katalin Deér. Martin Denker. Jan Paul Evers. Daniel Gordon. Alex Grein. Harry Gruyaert. Oliver Helbig. Ulrich Hensel. Stefan Hostettler. Pepa Hristova. Sanna Kannisto. Annette Kelm. Jeremy Kost. Mischa Kuball. Edgar Leciejewski. Tim Lee. Maziar Moradi. Armin Morbach. Andreas Mühe. Taiyo Onorato & Nico Krebs. Alex Prager. Rico Scagliola & Michael Meier. Arne Schmitt. Anja Schori. Jeremy Shaw. Kathrin Sonntag. Heidi Specker. Mikhael Subotzky & Patrick Waterhouse. Anna Vogel. WassinkLundgren. Moritz Wegwerth. Pinar Yolaçan.

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