Johanna Hahn zur Pop Up Messe BRAIN & BOOKS in Berlin „Es geht uns allen um mehr Sichtbarkeit für Fach- und Wissenschaftsverlage“

Im November findet während der Berlin Science Week erstmals die Pop-Up Buchmesse BRAIN & BOOKS statt. Mitveranstalter ist der Landesverband Berlin-Brandenburg des Börsenvereins. Und warum das so ist, das war Anlass für unser heutiges Sonntagsgespräch mit dessen Geschäftsführerin Johanna Hahn:

Johanna Hahn: „Seht her, hier bekommt Ihr fundierte Informationen! Das sollte gelingen – und wenn alle zustimmen: Dann machen wir nächstes Jahr weiter!“ © Cordula Giese

 

Erst mal muss ich doch fragen: Was ist eigentlich eine Pop Up Buchmesse?

 Johanna Hahn: Das einfach eine Messe, die nicht dauerhaft ausstellt, sondern eben für einen kürzeren Zeitraum.

Und wer macht da mit? 

Bisher unter anderem der Aufbau Verlag, be.bra Verlag, Beuth Verlag, Dietrich Reimer Verlag, Duncker & Humblot, Erich Schmidt Verlag, Kulturverlag Kadmos, Lukas Verlag, Matthes & Seitz Berlin,Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft,Neofelis, Schwabe Verlag, Suhrkamp, VDE und der Verbrecher Verlag. Das finale Programm wird aber erst Ende Oktober veröffentlicht.

Warum sind Sie alle mit im Boot?

In erster Linie geht es uns allen um mehr Sichtbarkeit für Fach- und Wissenschaftsverlage. Berlin ist einer der spannendsten und facettenreichsten Wissenschaftsstandorte Europas, wirbt mit einer Excellenzstrategie und mit über 80 Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen. 

Sichtlich haben Sie das Gefühl, dass die in der »Brain City Berlin« bisher zu wenig Beachtung finden?

Ja, da ist was dran. Wir alle machen mit, weil unsere Verlage in diesem Gefüge eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Denn wer forscht, will seine Ergebnisse veröffentlicht wissen. Ob Buch, Datenbank oder Fachzeitschrift – Verlage leisten im wissenschaftlichen Diskurs einen wichtigen Beitrag. Und auch wenn wissenschaftlich Arbeitende »ihren« Verlag kennen, tritt die Rolle der Verlage – und dazu gibt es ja durchaus geteilte Meinungen – oft in den Hintergrund.

Das Ziel der Messe ist also mehr Öffentlichkeit für Ihre Verlage?

Wieder ja, denn wir wollen mit  BRAIN&BOOKS einen Einblick in die Leistung von Verlagen: Wie werden wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema gesellschaftlicher Debatten? Welche Rolle spielen Verlage in Zeiten von FakeNews und Hyperinformation? Warum können und wollen Verlage unterschiedliche Meinungen aufzeigen?

Das wollen Sie welchem Publikum vermitteln? ?

BRAIN&BOOKS ist eingebettet in die Berlin Science Week, die vom 1. – 10. November mit über 200 Veranstaltungen ein wissenschaftlich interessiertes Publikum anspricht. Da passen wir gut dazu, denn wir bieten am 5. November mit dem Veranstaltungsprogramm zu BRAIN&BOOKS Themen, die gesellschaftliche Relevanz haben: Das beginnt mit einer Diskussion über die Offenheit der Gesellschaft »Macht & Sichtbarkeit«, wird gefolgt von einer Debatte über »Wissen ist Macht: Formate und Verantwortung«. Auch die Debatte »Grüne Zukunft: Bauen und Architektur« und das historische Thema »Uneins – Mauerbau 1961 neu denken« werden in der breiten Öffentlichkeit Interesse wecken. Zumal wir bei diesen Debatten Gesprächspartner*innen zusammen bringen, die dazu  – zumeist in Berliner Verlagen – wissenschaftlich fundierte Bücher veröffentlicht haben. Charmant ist dabei, dass die Diskutierenden zwar unterschiedliche Perspektiven einnehmen – aber nicht über Grundsätzliches streiten, sondern von einander inspiriert miteinander ins Gespräch kommen. Das spricht für eine klare Erweiterung der Themen!

Deswegen werden die Debatten auch gestreamt?

Neben den Debatten, die auch gestreamt werden, bieten wir als interaktives Format  auch zwei Round-Table-Gespräche an, bei denen direkt nachfragt kann: Dabei geht es um »Verlage der Zukunft« und »Diversity in Gesellschaft und Verlag«. Da wir bereits am 30. Oktober bei der Tabula Rasa in der Urania mit einem »Karriere-Speed-Dating« und weiteren SpeedReadings zu Gast sind, können junge Akademiker*innen Lust auf mehr Verlag bekommen und am 5. November bei den Round-Table-Gesprächen mit Expert*innen in den Austausch gehen. BRAIN&BOOKS spiegelt damit konzentriert wider, was Verlage bieten an Vielfalt, an Themen und an Möglichkeiten, Themen zu setzen. Aber ganz bescheiden gesagt: Wir wollen einen guten Eindruck hinterlassen …

Außer gutem Eindruck: Ihre Gäste können noch mehr mitnehmen, Bücher können vor Ort auch gekauft werden.

BRAIN&BOOKS bietet damit aber eine besondere Auswahl, die keiner Buchhandlung Konkurrenz macht. Fünfzehn Berliner Verlage werden auf der BRAIN&BOOKS ausstellen – natürlich nicht an großen Messeständen, sondern – wie es sich für eine Pop-up-Messe gehört – mit dem Charme des Provisorischen an Tischen. Die Ausstellungsfläche ist begrenzt und die Verlage werden Titel präsentieren, die für die Feiertage beste Hirnkost bieten.  Mit sieben SpeedReadings, bei denen Autorinnen und Autoren eigene Publikationen vorstellen, gibt es noch zusätzlich einen Klacks Inspiration dazu.

Wie viel Fachbuch und wie viel Sachbuch steckt in Ihrem Programm?

Wissenschafts- und Fachverlage werden auf der BRAIN&BOOKS für Publikationen, die ausschließlich Fachleute lesen und verstehen können, kaum Publikum finden. Dafür gibt es Fachkongresse und BRAIN&BOOKS will und kann gar kein Meta-Fachkongress sein. BRAIN&BOOKS macht sich die Grauzone zwischen Fach- und Sachbuch zueigen mit Publikationen, die einen wissenschaftlichen Hintergrund haben und die sowohl innerhalb wie auch außerhalb der wissenschaftlichen Community rezipiert werden. Dahinter steckt ein intellektueller Anspruch, den wir mit vielen Leserinnen und Lesern teilen. 

Das Interesse am Sachbuch ist größer als es in den Buchhandlungen oft sichtbar wird. Die Beraterin Gaby Marx erinnert immer wieder daran.

Deshalb haben wir begleitend die Buchhandlungen in Berlin und Brandenburg eingeladen, sich gemeinsam mit Verlagen an der Sachbuchwoche vom 30. – 7. November zu beteiligen. Mit Sicherheit finden sich auf den Büchertischen und in den Schaufenstern viele Titel, die auch auf der BRAIN&BOOKS zu entdecken sind oder zu entdecken sein könnten. Die Sachbuchwoche ist aber auch offen für Reiseführer, Ratgeber oder was auch immer an Sachbüchern Publikum in die Buchhandlung lockt. Auch an dieser Stelle sind wir alles andere als dogmatisch – Buchhändler*innen wissen, welche Themen bei ihren Kund*innen up-to-date sind.

Wann wird die BRAIN&BOOKS aus Ihrer Sicht erfolgreich?

Wir nutzen die Möglichkeit, BRAIN&BOOKS unter dem 2G-Modell laufen zu lassen, und sorgen für größtmöglichen Bewegungsspielraum. Der Erfolg misst sich – wie immer und überall – an der Zahl der Gäste, aber auch am Verkauf der Bücher, an der Resonanz auf die Debatten, Round-Table-Gespräche und SpeedReadings. Das sind die harten Faktoren. Wir werden die Aussteller*innen im Nachgang fragen, ob BRAIN&BOOKS als gelungene Marketingaktion verbucht werden kann. Für mich ist es ein Erfolg, wenn Verlage neue Kontakte knüpfen konnten – sei es zu spannenden Autor*innen, zu Leser*innen oder zu Akademiker*innen, die für sich eine Karriere im Verlag als Perspektive entdeckt haben. Und vielleicht ist das Feedback, das in persönlichen Gesprächen oder bei Gesprächsrunden geäußert wird, für uns als Branche konstruktiv. Ich werde jedenfalls sehr genau zuhören …

Und wann wissen Sie, ob Sie BRAIN&BOOKS im kommenden Jahr wiederholen? 

Wir greifen im Programm der BRAIN&BOOKS aktuelle Themen auf und ermutigen, sich damit weiter auseinanderzusetzen. Hauptakteure sind die Autor*innen, die Verlage und die Bücher: Unsere Botschaft ist also nicht: »Dämmt Eure Häuser!«, sondern »Seht her, hier bekommt Ihr fundierte Informationen!« Das sollte gelingen – und wenn alle zustimmen: Dann machen wir nächstes Jahr weiter!

Die Fragen stellte Christian von Zittwitz

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