Eva Munz über ihren Roman "Oder sind es Sterne" (Kunstmann) „Eine Weltreise für Taschengeld“

Eva Munz (c) Sangwood Suh

Eva Munz erzählt in ihrem bei Kunstmann erschienenen Buch Oder sind es Sterne von Zugehörigkeit und Identität in einer aus den Fugen geratenen Welt.

BuchMarkt: Worum geht es in Ihrem  Buch?

Eva Munz: Oder sind es Sterne beschreibt anhand dreier Protagonisten die universelle Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Der Roman stellt nebenher ein paar Konzepte in Frage: Männlichkeit, Nationalität, Familie, Glaube und Wahrheit. Das alles spielt in den USA, in Afghanistan und Frankreich im klammen Morgengrauen des 21. Jahrhunderts.

Wie entstand die Idee, über so ein „brisantes“ Thema – Identitätssuche, eine aus den Fugen geratene Welt  – ein Buch zu schreiben?

Ich hatte ein paar Charaktere im Kopf, keine Themen, keine Message, sonst hätte ich vielleicht ein Sachbuch geschrieben. Jeder Mensch betreibt in gewisser Weise Identitätssuche und Selbstfindung. Politik nutzt diese Fragen gerne als Waffe, um Gesellschaften zu spalten.

Sie gehen die Geschichte, die Sie erzählen, auf eine besondere Art und Weise an, haben einen besonderen Sprachstil. Ist diese Art „Melancholie“ Ihnen wichtig und dass auch der Leser selbst sich und sein Leben hinterfragt?

Ich würde die drei Erzählstimmen nicht als melancholisch beschreiben, zumindest nicht durchgehend. Zeitweise geht es auf diesen Seiten rasant amüsant bis hysterisch zu. Die Helden brechen die Welt für uns auf, nehmen sie auseinander und versuchen sie dann wieder zusammenzufügen. Das gelingt ihnen nur begrenzt. Romane geben uns die Freiheit, so über Geschichten zu reflektieren und sie so zu interpretieren, wie es uns gefällt. Das ist das wunderbare an Fiktion.

Welche Leserschaft möchten Sie mit Ihrem Buch ansprechen?

Leser, die neugierig sind, die sich von Literatur verführen lassen, die Bewusstsein anderer eintauchen wollen und Realitäten und Absurditäten jenseits ihres Erfahrungshorizonts suchen.

Und der Buchhändler, mit welchem Argument kann er das Buch idealerweise verkaufen?

Oder sind es Sterne ist Weltreise für Taschengeld.

Welche drei Worte beschreiben den Roman perfekt?

I’m a survivor.

Und persönlich, was lesen Sie da gerne?

Zu meinen Lieblingsautoren, die noch am Leben sind gehören:

Jackie Thomae, Elif Batuman, Percival Everett, Marlon James, Ottessa Moshfegh, Ocean Vuong, Rachel Kushner, Zadie Smith, László Krasznahorkai, Herta Müller und Johanna Adorján.

Wenn Sie ein ganzes Schaufenster dazu gestalten könnten, wie sähe das aus?

Das ist nicht meine Expertise, aber hier paar Blitzideen. Ich würde das lächelnde Portrait des ehemaligen US Präsidenten George W Bush aufhängen, oder ein Poster der afghanischen Airline Ariana. Ein Buchstapel vor silbernem Lametta, auf einem afghanischer Kriegsteppich, daneben ein stummer Monitor, auf dem Jean-Pierre Melvilles „Le Samouraï“ auf 24 Stunden verlangsamt als Endlosschleife läuft.

Welche Frage würden Sie gerne beantworten, die Ihnen nicht gestellt wurde?

Ich stelle viel lieber Fragen, als sie zu beantworten.

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