Arnd Roszinsky-Terjung – was kann der Buchhandel, was Amazon nicht kann?

Freitags um fünf: Was bewegt jetzt die Branche? Michael Lemsters Frage(n) der Woche, heute an Arnd Roszinsky-Terjung.

Der Anlass: Kommenden Dienstag startet in Bad Hersfeld die diesjährige Libri.Campus -Veranstaltung. Wieder wird sie (zum 8. mal schon) vom BuchmarktFORUM betreut, dessen Mitinitiator Arnd Roszinsky-Terjung sich fragen lassen muss:

Arnd Roszinsky-Terjung

Sie versprechen den Buchhändlern neue Ansätze für Online-Aktivitäten und einen stärkeren regionalen Auftritt. Was hat denn beides miteinander zu tun?

Arnd Roszinsky-Terjung: Die Frage, wie sich der stationäre Handel auf die Herausforderung des wachsenden Online-Markts einstellt, ist nach dem vorigen Weihnachtsgeschäft aktueller denn je. Die Frage wird zwar überall gestellt, aber kaum beantwortet. Gleiches gilt für das Thema Social-Media-Kommunikation: Empfohlen wird sie den Händlern täglich, aber wie schafft man damit Deckungsbeiträge?

Das wäre meine Frage gewesen…

Und wie ich es sehe, wird dies das erste Mal sein, dass wir versuchen, darauf eine Anwort zu finden. Der Libri.Campus wird zu diesen Fragen ganz konkrete Antworten ermöglichen.

Und wie sehen die aus?

Nur soviel vorab: Alle Impulse des Campus werden auf die regionale Bedeutung des stationären Handels einzahlen. Händler verstehen sich nun einmal als „stationär“, ihre Aktivitäten zielen auf den Standort. Aber die Kunden sind zunehmend online unterwegs, der Handel nur rudimentär. Diese Lücke gilt es zunächst einmal zu schließen. In den Köpfen der meisten Buchhändler gilt das als so schwierig wie vor 15 Jahren.

…weshalb sich der Handel von allem, was mit „e-“ beginnt, eher fernhält…

Aber die Entwicklung ist weitergegangen. Die heutigen Instrumente, sich online zu positionieren, sind einfacher zu nutzen, kostengünstiger und benutzerfreundlich. Vor diesem Hintergrund laden wir die Buchhändler in Bad Hersfeld ein, ihre eigene Vertriebsstrategie neu zu definieren.

Vor welchem Hintergrund?

Die Kunden – auch die des klassischen oder traditionellen Sortimentsbuchhandels – kaufen inzwischen völlig souverän online ein. Das ist eine massive Veränderung, auf die sich der Handel einstellen muss. Und zweitens: Es gibt eine „Postmaterialisierung“ breiter Milieuschichten, bei der Werte wie Nachhaltigkeit, Fortschritts-Skepsis und Regionalität zusätzliche Bedeutung bekommen. Daraus erwächst für den Buchhandel die Chance, mit intelligenten Nonbooks seine regionale Kompetenz zu stärken und sich ein eigenes, sehr spezifisches Wachstumsfeld aufzubauen.

Nonbooks als Zukunftshoffnung?
Ausgangsfrage ist: Wie wird der Buchhandel attraktiv für geänderte Zielgruppen? Was kann er gut, was macht er gut, wie wird er noch aktueller und attraktiver? Und nicht zuletzt: Was kann er, was Amazon nicht kann?

Es geht also nicht um Nonbooks im üblichen Sinne?

Ja, es geht um „intelligente Lösungen vor Ort“, regional, auf die Kunden im Einzugsbereich bezogen. Dazu gehört eine Neubewertung der heutigen Kompetenzen, der Vertriebsaktivitäten – Stichwort Multichannel -, nicht zuletzt des Warenbündels und damit auch der Nonbooks. Wie man das konkret macht, dafür liefert der Libri.Campus Beispiele und Inspirationen.

Gibt es denn für ein Modethema wie „Multichannel“ im Handel überhaupt Bedarf? Bis auf wenige Ausnahmen hat der Buchhandel seine Online-Aktivitäten doch an die Grossisten delegiert.

Der Status quo ist das eine, die Veränderungsbereitschaft das andere. Das Interesse am Libri.Campus 2011 spricht eine klare Sprache: 300 Plätze waren in Windeseile ausgebucht und es gibt eine stattliche Warteliste. Ich interpretiere das so: Der Bedarf an strategischer Neufokussierung ist groß, und die Zeit ist reif dafür!

Michael Lemster, als langjähriger Programmleiter von buecher.de ein „Urgestein“ des elektronischen Buchhandels, berät Verlage, Buchhändler, Dienstleister und E-Commerce-Unternehmen bei Geschäftsentwicklung, Programm und Datenprozessen. Katalogdaten sind sein Spezialgebiet. Daneben veröffentlicht er Reportagen und Interviews.

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