Fünf Fragen an Jörg Swidersky über die Anfangsjahre der Buchhaus-Idee Campe

Zu unserer heutige Meldung „Buchhaus Campe zu Thalia“ [mehr…] haben wir einen Mann aus der „Gründerzeit“ gefragt. Jörg Swidersky (Foto) swidersky.j@t-online.de war vom März 1992 bis Juni 2001 für die Buch- und Medienhäuser der Ganske Gruppe zuständig. Das Buchhaus Campe hatte er ein halbes Jahr nach dessen Eröffnung im Spätsommer 1991 übernommen.

Herr Swidersky, was haben Sie empfunden, als Sie heute bei uns lasen, dass die Ganske Gruppe sich auch von Campe – und damit ganz vom Sortimentsbuchhandel – trennt.

Das hat was mit Herzblut zu tun, da können Sie sich denken, was mir durch den Kopf gegangen ist. Gerade beim Buchhaus Campe war ja die Herausforderung für uns alle am größten. Wir traten ja damals gegen den Goliath Hugendubel an, der seit über zehn Jahren am Platz bestens positioniert war.

In diesem Wettbewerb hat sich Campe über weitere zehn Jahre erfolgreich behauptet. Was war das Rezept?

Konsequente Umstellung, ständige Überwachung des Programmportfolios und zum Beginn auch die damals ungewöhnliche Öffnung für alle Medien, eben nicht nur Bücher zu führen.

Was heißt das?

Wir haben bei vielen Kunden die Hemmschwelle gesenkt, eine Buchhandlung zu betreten. Das durch die Architektur vorgegebene Ambiente eignete sich ja hervorragend, das ist ja inzwischen sogar berühmt geworden, um mit talentierter Dekoration jeweils themenbezogene Erlebniswelten zu schaffen. Wir haben dazu mit zahllosen Leseveranstaltungen immer wieder Events geschaffen, die den Bekanntheitsgrad des Hauses gesteigert haben. Am wichtigsten war aber wohl das Führungskonzept, eigenverantwortlicher Arbeit nicht nur zu wollen, sondern auch zuzulassen. Dieses traumhafte Motivationsniveau aller Mitarbeiter haben die Kunden gespürt.

Sie aber haben damals die Verlage ziemlich gepiesackt.

Sie meinen die Konditionenschraube, das Thema ist ja aktueller denn je. Soweit ich das konnte, ja. Das war mein Job. Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass wir einmal eine kritischere Größe erreichen würden, um das zu rechtfertigen, was ich herausgeholt habe. Nein, im Ernst, um eine vernünftige Rendite zu erwirtschaften, ist eine economy of scale unerläßlich. Mit der Eingliederung bei Thalia gewinnen sicher beide. Das Buchhaus Campe hat mehr Handlungsspielraum und Thalia eine Perle gewonnen.

Was machen Sie jetzt eigentlich?

Ich strecke gerade wieder meine Fühler aus. Allerdings nicht nur in der Buchbranche.

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