Jenny-Mai Nuyen: Haben Sie Tigereltern, oder sind Sie selbst ein Tiger?

Freitags um fünf: Was bewegt jetzt die Branche? Michael Lemsters Frage der Woche an die Fantasy-Autorin Jenny-Mai Nuyen.

Wenn Jenny-Mai Nuyen so weitermacht wie bisher, wird sie ihrem Verlag Random House noch ein halbes Jahrhundert lang stetig Bestseller bescheren. Mit 22 hat sie bereits sechs erfolgreiche Fantasy-Romane veröffentlicht. Ganz nebenbei studierte das Münchner Multitalent in New York an der Filmhochschule.

Jenny-Mai Nuyen

Jenny-Mai Nuyen: 22 Jahre jung und zwei Bestseller veröffentlicht – haben Sie Tigereltern, oder sind Sie selbst ein Tiger?

Jenny-Mai Nuyen: (lacht) Mein Vater ist Tiger – vom Sternzeichen her, ich selbst bin aber Drache. Vielleicht ende ich als Hausdrache.

Warum gerade Hausdrache? Das ist gerade bei Ihnen schwer vorstellbar.

Jenny-Mai Nuyen: Das war nur ein Wortspiel. Ich bin ja nicht sehr sesshaft.

Gymnasium in München – Filmstudium in New York – Erfolgsautorin in Berlin: Wie schaffen Sie ein so gigantisches Pensum?

Jenny-Mai Nuyen: Das setzt Ehrgeiz und Durchhaltevermögen voraus, aber wenn man etwas mit dem Herzen und von ganzem Herzen tut, ist so vieles möglich. Wenn ich Physikprofessor hätte werden müssen, dann wäre es sicher anders gewesen. Aber das Schreiben ist für mich etwas Natürliches, daher hat es Spaß gemacht und war letztlich erfolgreich.

Haben Sie die Debatte um die „Tigermutter“ Amy Chua und ihre drakonischen Erziehungsprinzipien wahrgenommen?

Jenny-Mai Nuyen: Nur am Rande.

Haben Sie das Gefühl, diese Debatte betrifft Sie persönlich?

Jenny-Mai Nuyen: Erziehung betrifft uns alle, aber ich beabsichtige auf kurze Sicht keine Familie zu gründen, deshalb verfolge ich andere Diskussionen genauer.

Glauben Sie, Eltern sind es ihren Kinder schuldig, sie zum Erfolg anzutreiben?

Jenny-Mai Nuyen: Eltern haben die Verantwortung, für ihre Kinder zu sorgen und sie vorzubereiten auf das Leben. Wenn Eltern ihre Kinder rein leistungsorientiert erziehen, fürchte ich, dass nicht nur wichtige Dimensionen von deren Persönlichkeit auf der Strecke bleiben, sondern auch die Gemeinschaft leidet. Als Gemeinschaft müssen wir dafür sorgen, dass wir nicht nur miteinander konkurrieren, sondern auch etwas entspannt miteinander umgehen lernen.

Ihre momentanen Pläne und Projekte?

Jenny-Mai Nuyen: Letztes Jahr im Herbst ist „Magierlicht“ erschienen, die Fortsetzung von „Feenlicht“; dann wollte ich erst einmal Abstand gewinnen von dem Mechanismus des Produzierens und Vermarktens. Deshalb habe ich pausiert und mich neu zu erfinden gesucht – ausprobiert, was ich als nächstes schreiben will. Vor zwei Monaten habe ich es gefunden.

Geben Sie uns Details dazu preis?

Jenny-Mai Nuyen: Es geht um Liebe, Tod und den Teufel – wie immer, aber anders…

Was betrifft Sie neben dem Schreiben zuinnerst?

Jenny-Mai Nuyen: Wenn ich nicht an einem Roman arbeite, schreibe ich für mich allein. Ich habe wieder mit der Malerei angefangen und experimentiere einfach mit Texten und Bildern.

bild(l, 21827)Michael Lemster, als langjähriger Programmleiter von buecher.de ein „Urgestein“ des elektronischen Buchhandels, berät Verlage, Buchhändler, Dienstleister und E-Commerce-Unternehmen bei Geschäftsentwicklung, Programm und Datenprozessen. Katalogdaten sind sein Spezialgebiet. Daneben veröffentlicht er Reportagen und Interviews.

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